„Painkiller: Overdose“: Ein Spieltitel, sympathisch wie eine Geschlechtskrankheit. Die übersetzte „Überdosis an Schmerzmitteln“ hat mit der zu Grunde liegenden Thematik so viel zu tun wie George W. Bush mit Friedenspolitik. Und doch ist der Name Programm. Programm für einen Ego-Shooter in „Serious Sam“-Manier, der so ziemlich alles schlechter macht als das große Vorbild. Und nichts besser als sein eigener, betagter Vorgänger aus dem Jahr 2004. Weder technisch und schon gar nicht spielerisch.

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Blutiges Liebesdrama

Gründe für blutige Metzelorgien sind immer schnell gefunden. Alieninvasionen, Weltkriege, Angriffe durch Monster, um nur einige der Standardszenarien zu nennen. In „Painkiller: Overdose“ ist der Anlass für die Ballerlust eine andere. Eine Liebesgeschichte im „Pretty Woman“-Format, um genau zu sein. Doch nicht der erfolgreiche Geschäftsmann und die glücklose Prostituierte stehen hier im Mittelpunkt, sondern Engel und Teufelsgeschöpf.

Painkiller: Overdose - Schmerz, lass nach – Overdose ist schlechter als sein Vorgänger.

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Lass stecken, Opa! Bizarre Gegner wie der verstümmelte Kriegsveteran sind keine Seltenheit in „Painkiller: Overdose“
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Die so unterschiedlichen Wesen können nicht voneinander lassen und paaren sich. Heraus kommt ein Mischling, weder Fisch noch Fleisch sozusagen. Wie das bei unterschiedlichen sozialen Schichten nun mal so ist, zeigen sich weder der Himmel noch die Hölle begeistert vom Ergebnis der Liaison. Und so passiert, was passieren muss. Das Wesen wird – von Satan persönlich – eingekerkert bis an sein Lebensende. Wider erwarten dankt Luzifer deutlich vor dem Tod des Mischbluts ab, den Anstrengungen der „Painkiller“-Zocker sei Dank.

Dadurch wiederum wird der Käfig geöffnet und die Kreatur entkommt. Nun muss sie nur noch den Weg an die Oberfläche finden und einige besonders mächtige Torwächter ausschalten. Eben hier kommt ihr ins Spiel. Denn ihr verkörpert den hasserfüllten Antihelden und ballert euch fortan durch Myriaden von Monstern, immer auf der Suche nach dem Höllenausgang. Das war sie auch schon die Handlung. Bis auf die einigermaßen interessante Vorgeschichte rückt die Story im Spiel selbst völlig in den Hintergrund. Hier wird geballert, nicht gelabert.

Abwechslungsreiche Monotonie

Spielerisch orientiert sich „Painkiller: Overdose“ wie zu erwarten am einigermaßen erfolgreichen Vorgänger. Soll heißen, dass ihr von einem großen Raum zum nächsten lauft und auf dem Weg unzählbar viele Monster abballert. Die sind genau so dämlich wie kreativ designt. Zerfledderte Mumien, bierbäuchige Axtträger mit Rinderköpfen, tödliche Geishas und viele mehr rennen euch stupide entgegen.

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Eine Mumie kommt selten allein. Die halb verwesten Klopapier-Träger sind aber kein Problem für unsere Armbrust.
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Hört sich nach Zuckerschlecken an, ist aufgrund der teils unfairen Balance aber höllisch schwer. Oft habt ihr es mit dermaßen vielen Widersachern zu tun, dass sich selbst gestandene Mathematiker verzählen würden. Der Tod ist stets präsent, Neuladen gehört zur Tagesordnung. Wer keine Reflexe wie ein junger Gott aufweisen kann und sich nicht virtuos an den Gewehrsalven vorbei schlängelt, der beißt öfter ins Gras als weidende Kühe. Umso nerviger sind deshalb auch die schier endlosen Ladezeiten, die dazu animieren, parallel Steuerklärungen zu erstellen oder Urlaube zu planen.

Eine Reminiszenz an vergangene Shooter-Zeiten, die nur Hartgesottene brauchen!Fazit lesen

Geschmackssacke sind dagegen die weitläufig abgesteckten Levelareale im Kampfarena-Stil. Man fühlt sich wie ein Gladiator, der in eine Herausforderung nach der anderen gedrängt wird. Die Abwechslung stimmt jedenfalls. Mal findet ihr euch in feuerrot leuchtenden Höllenabschnitten wieder, dann verschlägt es euch in ägyptische Sandoasen, unterkühlte Raumstationen oder fernöstliche Tempelanlagen.

Duales System

Bei der Gestaltung der knapp zehn Waffen haben sich die Entwickler ordentlich ausgelassen und jeder Wumme einen sekundären Feuermodus spendiert. Die auf den ersten Blick gewöhnliche Pumpgun etwa versteinert Gegner auf Wunsch. Der gespenstische Voodoo-Schädel brutzelt Feinden die Haut vom Körper. Alternativ heult der Kopf lauter als eine Polizeisirene und treibt die Kreaturen dadurch in den Wahn.

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Diese Skelettkrieger geben dem Begriff „Magersucht“ eine ganz neue Bedeutung. Ob sie umfallen, wenn wir zu heftig atmen?
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Am besten gefallen hat uns allerdings die bereits aus dem Vorgänger bekannte und nur optisch veränderte Bolzenwaffe. Mit der Armbrust spießt ihr die Höllenbrut an Wände, von wo aus sich die Gestalten nach kurzem Zappeln in die ewigen Jagdgründe verabschieden. Ebenfalls aus „Painkiller“ übernommen wurde der spaßige Seelenklau. Erledigte Kontrahenten hinterlassen ihre Seele in Form einer Energiekugel. Sammelt ihr davon genügend ein, mutiert ihr kurzzeitig zum alles vernichtenden Überkrieger.

Die Sicht verschwimmt, ihr werdet übermächtig schnell, verflixt stark und unverwundbar. In dem Zustand fallen Monster wie Ameisen. Dementsprechend kurzzeitig fällt der Rausch aus. Technisch ist „Painkiller: Overdose“ die Verwandtschaft zum Vorgänger überdeutlich anzusehen. So fallen die Animationen recht schick aus, Texturen und Detailtiefe hingegen sind kaum mehr konkurrenzfähig. Vorteil der vergleichsweise spartanischen Grafikkulisse: Selbst Mittelklasserechnern stellen das Spiel super flüssig in voller Pracht dar.