Autor: Nedzad Hurabasic

Bei Pacific Storm handelt es sich um die eierlegende Wollmilchsau unter den Computerspielen. Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Amerika und Japan im Zweiten Weltkrieg, der den pazifischen Raum von 1941 bis 1945 in Atem hielt, will das Spiel gleich drei Genres in sich vereinen: Echtzeitstrategie, Taktik und Flugsimulation.

Wir konnten einer Preview-Version unter die Haube gucken und haben uns einen Eindruck vom Triple-Whopper-Gameplay gemacht. Hier ist unser Frontbericht...

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Grundsätzlich teilt sich das Spiel zunächst in zwei Bereiche: den Taktik-Teil, bei dem die Planung des Krieges im Vordergrund steht sowie den Echtzeitstrategie-Kampf. Letzterer bietet zusätzlich die Möglichkeit, eigene Flugzeuge auch selbst zu steuern und das Gameplay damit um eine Arcade-Flugsimulation zu erweitern.

Ob ihr auf Seiten von Japan oder USA spielen wollt, bleibt euch überlassen. Allerdings ist diese Entscheidung durchaus von Bedeutung. Wer beispielsweise die Japaner spielen möchte, muss in seinen Planungen berücksichtigen, dass die eigene Streitmacht bis zum Dezember 1941 einsatzbereit sein muss. Auf der anderen Seite darf Amerika den Krieg nicht vom Zaun brechen und muss alle Vorbereitungen auf den bevorstehenden Angriff durchführen. Dieser kann aber auch vor dem historisch bekannten Datum (7. Dezember 1941) stattfinden, was nicht nur das Überraschungsmoment erhöht. Zusätzlich ist es mit einem Sieg Japans auch möglich, den Verlauf der Geschichte im Spiel zu ändern.

Pacific Storm - Drei Spiele in einem: Ein erster Blick auf Pacific Storm.

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Die Dreiteilung des Spiels findet Niederschlag im integrierten sechsteiligen Tutorial, das alle wichtigen Aspekte des Spielgeschehens abdeckt und detailliert erklärt.
Es ist schon jetzt abzusehen, dass es unumgänglich sein wird, die Trainingsmissionen von vorne bis hinten zu durchlaufen. Der Grund: Das Spiel ist derart komplex und enthält Tonnen an Informationen, Taktiken, Untermenüs und anderen schwer zugänglichen Bedienfeldern, die ohne die Einführung kaum zu durchschauen, geschweige denn erfolgsversprechend einzusetzen sind.

Packshot zu Pacific StormPacific StormErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Leider zeigt sich schon im Tutorial, dass die Steuerung von Pacific Storm alles andere als durchdacht ist. Sie ist weder homogen, noch ergonomisch. Außerdem lässt sie sich zumindest in der Preview-Version nicht den eigenen Vorstellungen anpassen.

Negativ macht sich z.B. bemerkbar, dass die Tastatursteuerung in den verschiedenen Teilen des Spiels nicht gleich ist. So ist im Taktik-Modus die Leertaste für die Spielpause reserviert, im Strategie-Modus muss dafür jedoch F12 verwendet werden. Das hat zur Folge, dass man sich die wichtigen Elemente nur mit Mühe einprägen kann. Außerdem schlecht: Wer die Steuerung der Flugzeuge per Tastatur übernimmt, muss mit den Pfeiltasten und einigen eher weit auseinander liegenden Tasten manövrieren.

Zwar ist es möglich einen Joystick zu verwenden, aber auch dabei traten Probleme beim Erkennen aller Tasten auf. In der Hoffnung, dass in Sachen Spielsteuerung mit dieser Preview noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, wenden wir uns dem Spiel an sich zu. Egal für welche der beiden Seiten man sich entscheidet, am Anfang steht eine Karte des pazifischen Raums, der die Einflusssphären darstellt. Dabei sind einzelne Regionen auch über See voneinander abgetrennt, sodass sich ein schachbrettartiges Muster mit zig verschiedenen Sektoren ergibt.

Diese Makrodraufsicht lässt jedoch nicht vermuten, welche Spieltiefe sich hinter dieser Karte verbirgt. Oberflächlich betrachtet lassen sich auf dem Land Stützpunkte errichten, von wo aus die eigenen Streitkräfte aufgebaut werden. Doch die Möglichkeiten des Mikro-managements sind enorm vielfältig. Vom Bau einzelner Gebäude, die für den Aufbau einer funktionierenden und schlagkräftigen Kriegsmaschinerie natürlich unerlässlich sind, über die Produktion von etlichen Einheiten bis hin zur Erstellung von Formationen, Flottenverbänden, Verlegung von Truppenteilen auf Schiffe und vielem mehr reicht die Palette der spielerischen Möglichkeiten fast ins Unendliche.

Als Nebenzweig kann zudem auch noch Forschung betrieben werden, um bessere Waffen herstellen zu können - bis hin zur Atombombe.Glücklicherweise können die meisten Aufgaben auf Wunsch automatisiert werden, sodass nicht alle Schritte auf allen Basen gleichzeitig manuell vorgenommen werden müssen. Wer will, kann sogar die Kämpfe berechnen lassen, womit allerdings der echtzeitstrategische Kampf sowie der Arcade-Fliegermodus unter den Tisch fallen.

Beim Aufbau der Streitkräfte darf nicht vergessen werden, die für die Kriegsführung wichtigen Ressourcen wie Treibstoffe zu bunkern. Außerdem müssen jederzeit genügend Ingenieure vorhanden sein, die für die Basen und alle Bauvorhaben gebraucht werden. Ohne ausreichenden Ressourcennachschub gerät der Motor der eigenen Kriegsflotte ins Stottern. Bevor die ersten Kampfhandlungen beginnen ist also erstmal bunkern angesagt.

Die Darstellung der vielen Tabellen, Detailinfos und Übersichten kann aufgrund etwas dröger Farbgebung nicht ganz überzeugen. Im Strategieteil des Spiels übernimmt der Spieler in den Schlachten die Kontrolle über alle Verbände seiner Streitmacht. Schlachtschiffe, Kreuzer, U-Boote, Flugzeugträger, riesige Jäger- und Bomberverbände - alle zusammengefasst zu Formationen, die per Icons übersichtlich dargestellt werden.

Wer sich mit der umständlichen und zu komplizierten Steuerung angefreundet oder abgefunden hat kommandiert Angriffe auf feindliche Verbände oder wehrt, z.B. in Pearl Harbor, die Angriffe ab. Dabei gilt es jeweils bestimmte Aufgaben zu erfüllen, um die Schlacht zu seinen Gunsten ausgehen zu lassen.Das funktioniert trotz des Ausmaßes vieler Auseinandersetzungen ziemlich gut, denn auch hier können glücklicherweise viele Befehle automatisiert werden. So gehen eigene Einheiten automatisch zum Angriff über, wenn sich Feinde nähern oder sie landen, wenn ihnen der Sprit ausgeht.

Die taktischen Möglichkeiten sind sehr vielfältig, japanischen Fliegern kann beispielsweise auch ein Kamikaze-Angriff befohlen werden. Wen der Stress übermannt, kann in diesem Modus auch jederzeit die Pausentaste betätigen und in aller Ruhe alle Anweisungen erteilen, während die Zeit stillsteht. Umgekehrt kann bei langwierigen Spielabschnitten auch der Zeitraffer zugeschaltet werden.

Wer die Simulation der Kämpfe auf die Spitze treiben möchte, kann einzelne Flugzeuge auswählen, um die Steuerung persönlich zu übernehmen. Zur Auswahl stehen dabei neben Angriffsjägern auch Bomber, allerdings ist deren Bombenabwurf-Funktion nicht einfach in den Griff zu bekommen.Bei Schiffen ist das jedoch nicht möglich. Die 3D-Modelle der über 86 Einheiten können schon jetzt mit viel Liebe zum Detail überzeugen, außerdem sind detaillierte Hintergrundinformationen für viele Einheiten abrufbar.

Ausblick
Pacific Storm bietet viel für Taktik- und Strategiefüchse, vor allem der Tiefgang des Spielgeschehens kann überzeugen. Nahezu endlose Einstellungsmöglichkeiten bieten jede Menge Optionen, die eigene Nation als Sieger durch den Krieg zu führen.

Gut ist auch, dass sich viele Automatismen aktivieren lassen, so wird die Gefahr, sich zu verzetteln, verringert. Die Arcade-Flugeinlagen sind eine nette Möglichkeit, um das Strategie-Gameplay ein wenig aufzulockern. Letztendlich trägt dieser Modus aber wenig zum Ausgang der Schlachten bei. Lediglich die nicht homogene und zu komplizierte Steuerung des Spiels lässt zum jetzigen Zeitpunkt zu wünschen übrig. Davon abgesehen können Genre-Liebhaber sich wohl auf einen interessanten Stil-Mix freuen.