Autor: Jörg Pitschmann

Sonne, Strand und Palmen - wer träumt nicht davon, seine Zeit in solch einer idyllischen Umgebung zu verbringen? Leider hat man in Frogsters neuestem Produkt keine Gelegenheit, die Schönheit der Landschaft zu genießen.

Denn in »Pacific Storm« begibt sich der Spieler entweder auf amerikanischer oder auf japanischer Seite in die wüsten Pazifikschlachten des zweiten Weltkriegs - und das als ein Feldherr, der den Oberbefehl über die gesamte Flotte hat und nebenbei auch noch die notwendige Infrastruktur aufbaut und die besten Taktiken austüftelt.

Pacific Storm - E3 2006 Intro Trailer2 weitere Videos

Pacific Storm - Lediglich ein Sturm im Wasserglas oder doch mehr?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 140/1451/145
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und wer mag, steigt auch noch in Flugzeuge oder Schiffe und legt persönlich Hand an den Feind. Das klingt nach einem Haufen Arbeit, und dem ist auch so. Der Hersteller spricht vollmundig von einer »einzigartigen Kombination von Echtzeitstrategie, Echtzeittaktik und Simulation«. Ob der Titel seinem eigenen Anspruch gerecht werden kann, bringt unser Test ans Tageslicht.

Kriegsführerschein
Wer in »Pacific Storm« erfolgreich sein möchte, muß dafür hart arbeiten. Spezialisten vom Schlage »Augen zu und durch« werden nämlich angesichts der ausufernden Komplexität gnadenlos scheitern. Das Durchspielen des Tutorials ist deshalb absolut Pflicht.

Pacific Storm - Lediglich ein Sturm im Wasserglas oder doch mehr?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 140/1451/145
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das wäre an sich nichts außergewöhnliches, wenn man nicht für das Durchspielen des Lernprogramms alleine schon mal eben locker den Jahresurlaub eines unterbezahlten Spieleredakteurs benötigen würde. Denn für das, was einen hier erwartet, ist die Bezeichnung »Komplexitätsmonster« noch eher geschmeichelt. Immerhin - der Verpackung liegt wenigstens ein gedrucktes Anleitungsbuch bei. Das fördert das Lesevermögen unserer verrohten Jugend und sorgt in kritischen Momenten für Abhilfe. Lobenswerterweise haben die Entwickler dem Programm auch eine Pausenfunktion spendiert, so daß man jederzeit zur hilfreichen Lektüre greifen kann, ohne daß einem der Gegner die eigene Flotte in die Tiefen des Pazifiks bombt.

Je nachdem, für welchen Spielmodus man sich entscheidet, kann man entweder historische Schlachten nachspielen, sich in taktischen Missionen versuchen oder im »Schlachtplaner«-Modus über geniale Truppenaufstellungen philosophieren. Während sich dabei der historische Modus weitgehend an den realen Vorgängen jener Zeit orientiert, kann man im Taktikmodus einzelne Gefechte nachspielen und dabei den Verlauf der Geschichte ändern. Die Amerikaner starten dabei als wirtschaftlich stärkere Nation mit weitaus mehr Ressourcen, die Japaner hingegen führen von Beginn an die besseren Einheiten in die Schlacht. Neben den unterschiedlichen Kampagnen gibt es noch einen freien Spielmodus, der auch am interessantesten ist. Dabei sind die Rahmenbedingungen für beide Seiten gleich. Hier entscheiden ausschließlich das bessere Truppen- und Ressourcenmanagement sowie das geschicktere taktische Vorgehen über den Sieg. Anders als bei den Kampagnen erhält man hier auch genügend Zeit, sein Imperium zunächst in Friedenszeiten aufzubauen, denn der freie Modus beginnt schon im Jahre 1940. Dadurch haben beide Seiten die Möglichkeit, sich auf die Entwicklung besserer Waffentechnik und die Beschaffung von mehr Rohstoffen zu konzentrieren, bevor sie mit allerlei mächtigen Geräten um sich werfen. Egal, ob man auf amerikanischer oder auf japanischer Seite spielt, liegt das Hauptaugenmerk in der Anfangsphase auf dem Basenbau und der Ansammlung von Rohstoffen. Ohne genügend Eisen, Öl und Aluminium bleibt nämlich die Kriegsküche kalt. Deshalb sollte man auch nicht sofort einen Krieg vom Zaun brechen, da man sonst sehr schnell aus Ressourcenmangel im Pazifik baden geht. Wer in dieser Phase die besseren Grundlagen für sein Militär schafft, ist später im Vorteil. Damit man hierbei nicht den Überblick verliert, gibt das Programm für militärische Entwicklungen präzise Zeitvorgaben. So muß man beispielsweise als Japaner zu Beginn innerhalb von 57 (Spiel-)Tagen verbesserte Flugzeugmotoren entwickeln, um neue Flugzeugtypen bauen zu können. Wer hier versagt, kann eigentlich gleich einpacken.

Das freie Spiel gestattet übrigens Friedenszeiten bis maximal 1. Januar 1942. Spätestens dann müssen die Japaner angreifen und Pearl Harbour in Grund und Boden bombardieren. Das Ziel ist klar: die Amerikaner daran hindern, ihre wirtschaftliche Stärke auszuspielen und so Japan in die Knie zu zwingen. Gelingt der Erstschlag bis zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht, wird man seines Postens enthoben, und der Tenno hat einen auch nicht mehr lieb. Schlimmer noch: sollten die Amerikaner womöglich zum - natürlich rein präventiven - Erstschlag ausholen, ist es ebenfalls Essig mit der Militärkarriere im Land der aufgehenden Sonne. Umgekehrt läuft man als Amerikaner Gefahr, mit heruntergelassenen Hosen erwischt zu werden, sofern man bis zum Tag X noch keine vernünftige Militärmacht aufgebaut hat. Deshalb besteht die Hauptaufgabe der USA darin, sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht in kriegerische Handlungen verwickeln zu lassen. Mehr noch; eine Kriegseröffnung durch die US-Boys zieht schwerwiegende wirtschaftliche und politische Konsequenzen nach sich, deshalb sollte man sich ein offensives Vorgehen gründlich überlegen.

Die vielfältigen taktischen und wirtschaftlichen Finessen des Programms sind erfreulich abwechslungsreich und sorgen für viele Stunden Kurzweil - wenn man denn die langwierige Eingewöhnungsphase und eine mehr als unübersichtliche Tastaturbelegung und -steuerung ohne ernsthafte mentale Probleme überstanden hat.Steuermann, laß die Wacht!
Die enorme spielerische Vielschichtigkeit geht leider einher mit einem unerfreulich umständlichen Handling. Größtes Ärgernis ist dabei die teilweise mangelhafte Kameraführung. Zwar verfolgt man das Geschehen typischerweise von schräg oben, doch um beispielsweise die Ansicht zu rotieren, muß man bei gedrückter R-Taste die Maus in die gewünschte Richtung bewegen. Das erweist sich in der Praxis als äußerst ärgerlich, denn je nach eingestellter Empfindlichkeit der Maus rotiert man übers Ziel hinaus oder landet mit seinem Blick entweder im malerischen Himmel oder dem tiefblauen Wasser.

Pacific Storm - Lediglich ein Sturm im Wasserglas oder doch mehr?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 140/1451/145
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Will man den Bildausschnitt vor, zurück oder zur Seite verlagern, bewegt man die Maus zum entsprechenden Bildschirmrand. Auch das kann bei sensibel eingestellten Mäusen für reichlich Ärger sorgen, denn in der Hitze des Gefechts passiert es häufiger, daß man statt auf einem am Bildrand befindlichen Auswahlmenü mit dem Mauszeiger daneben landet und sich der Bildausschnitt verschiebt. Zwar läßt sich die Mausempfindlichkeit in den Optionen regeln, doch wer den Umgang mit einem schnell eingestellten Nager gewohnt ist, wird nicht wirklich glücklich. Alternativ läßt sich die Richtung auch mit den Pfeiltasten ändern, was sich jedoch ebenfalls als unpraktisch herausgestellt hat. Eine intuitive Maussteuerung, die Blickrichtung und Kamerawinkel mit Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen kombiniert, wäre hier in jedem Falle besser gewesen.

Kleiner Trost am Rande: aus dem Blickfeld entschwundene Einheiten lassen sich per Mausklick auf das Auswahlmenü schnell wieder ins Zentrum des Geschehens holen. Das und der Umstand der jederzeit aktivierbaren Pausenfunktion bewahren die Steuerung zwar vor dem Absturz, können aber die aus den Fehlern resultierende Spaßbremse nicht kompensieren.

Fluch und Segen zugleich sind auch die zahlreichen Tastenkombinationen. Denn zum einen ermöglichen sie selbst bei heftigstem Getümmel das Steuern einzelner Einheiten, was sehr sinnvoll sein kann, zum anderen jedoch geht durch die überfrachteten Tastaturkommandos die Übersicht systematisch verloren. Der beste Freund des Spielers dürfte deswegen auch hier die F12-Taste sein, die den Pausenmodus aktiviert.

Kampf dem Symbolismus
Während einer Schlacht wechselt das Spiel in den Taktik-Modus und läßt sich dann am besten wie ein normaler Echtzeitstrategie-Titel steuern. Denn je nachdem, wieviele Einheiten aufeinander treffen, kann es passieren, daß sich unzählige Flugzeuge und Schiffe auf dem Spielfeld tummeln.

Pacific Storm - Lediglich ein Sturm im Wasserglas oder doch mehr?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 140/1451/145
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zoomt man dann weit aus dem Geschehen heraus, werden die Einheiten nur noch als Punkte oder Klötzchen dargestellt. Um dennoch schnell zu erkennen, was da genau auf einen zukommt, haben die Entwickler jeden Einheitentyp mit einer eigenen symbolischen Kennung versehen. Gegnerische Torpedoflugzeuge etwa sind von einer roten Raute umgeben, Zerstörer von Kreisen und Flugzeugträger von Rechtecken. Zieht man mit gedrückter linker Maustaste einen Rahmen um gegnerische Truppen, sieht man so auf Anhieb, um wen es sich handelt. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch die einzige Möglichkeit, angesichts der mangelnden Übersicht in Verbindung mit der schon beschriebenen zickigen Kameraführung den Überblick zu behalten. Die zur Verfügung stehenden eigenen Einheiten werden nach Typ sortiert stets am oberen linken Bildschirmrand dargestellt und sind per Klick verfügbar. Auf diese Weise gibt man seinen unterschiedlichen Schiffs- und Flugzeugtruppen Angriffsbefehle und legt fest, wer sich mit wem anlegt. Vernünftigerweise erledigt man auch dies im Pausenmodus, denn je nachdem, wie umfangreich die Militäroperation ausfällt, erteilt man zunächst eine ganze Reihe von unterschiedlichen Befehlen. Wenn alles getan ist, kann man sich zurücklehnen und das weitere Geschehen dem Rechner überlassen, denn die gegebenen Befehle werden ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen ausgeführt. Um schneller am Einsatzort einzutreffen, gibt es praktischerweise eine Zeitrafferfunktion. Das ist insofern von Bedeutung, als daß zwischen dem Einsatzbefehl und dem Eintreffen vor Ort zum Teil große Entfernungen liegen und man so unnötige Wartezeiten bis zum eigentlichen Einsatz vermeiden kann. Wer lieber selbst in das Schlachtgeschehen eingreift, bemannt über die R-Taste kurzerhand ein Flugzeug oder Schiff seiner Wahl. Das bringt zwar im Hinblick auf den Ausgang einer Auseinandersetzung nichts, macht aber am meisten Spaß. Simulationsfreaks seien allerdings gewarnt: die Steuerung der Flugzeuge ist arcadetypisch auf Action ausgelegt. Wer auf echtes Fluggefühl spekuliert, wird enttäuscht. Außerdem gibt es bei Treffern keine Schadensmodelle. Stattdessen reduziert sich die Selbstfliegerei auf den reinen Spaßfaktor, denn wer sich in der Planungsphase einer Schlacht verhauen hat, kann das auch durch persönlichen Einsatz nicht mehr ausgleichen. Gleiches gilt im Übrigen auch für das Bemannen von Schiffen. Die kann man allerdings im Gegensatz zu Flugzeugen nicht steuern, sondern nur deren Geschütztürme besetzen und nach Herzenslust auf die Gegnerschaft ballern. Auch das bringt eine zeitlang Spaß, ändert aber am Ausgang der Schlacht nichts.

Bildlich gesprochen
Technisch gibt sich »Pacific Storm« recht genügsam. Die Grafik geht in Ordnung, bietet allerdings mit Ausnahme der stimmungsvollen Farben nur Standardkost.

Pacific Storm - Lediglich ein Sturm im Wasserglas oder doch mehr?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 140/1451/145
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Texturen der Schiffe und Flugzeuge verwaschen, je näher man heranzoomt, von den wenigen überhaupt zu erkennenden Aufbauten bei den Schiffen mal abgesehen. Dafür gibt sich das Spiel in seinen Hardwareanforderungen recht genügsam. Auf unserem Testsystem mit einer Geforce 6800 GT und einem GB Ram lief das Spiel auch in den besten Qualitätseinstellungen ruckelfrei. Ob dieser Vorteil allerdings die insgesamt veraltet wirkende Grafik aufwiegt, sei dahingestellt.

Wenig erfreuliches gibt es auch über den Sound zu berichten. Die Flugzeugmotoren klingen selbst aus unmittelbarer Nähe müde und erinnern eher an das Surren eines asthmakranken Föns als an das satte Dröhnen von Propellermaschinen jener Zeit. Ähnliches gilt für Geschützlärm, der sich auf monotone Rummsgeräusche beschränkt. Immerhin kommt man in den Genuß, den Bordfunk der Piloten mitzuhören, sowohl japanisch als auch englisch. Die Kommentare, zumindest diejenigen der englischen Piloten, beschränken sich jedoch auf einige wenige Standardsätze und tragen zwar ein wenig zur Atmosphäre bei, liefern aber keine konkreten Hinweise auf Einheiten, die womöglich kurz vor dem Aushauchen ihres digitalen Lebens stehen und daher um Hilfe schreien. Die musikalische Untermalung des Ganzen kommt zwar orchestral, doch langweilig daher und fügt sich so harmonisch in die gesamte akustische Präsentation. Und das ist doch auch was. Ähnliches gilt für Geschützlärm, der sich auf monotone Rummsgeräusche beschränkt. Immerhin kommt man in den Genuß, den Bordfunk der Piloten mitzuhören, sowohl japanisch als auch englisch. Die Kommentare, zumindest diejenigen der englischen Piloten, beschränken sich jedoch auf einige wenige Standardsätze und tragen zwar ein wenig zur Atmosphäre bei, liefern aber keine konkreten Hinweise auf Einheiten, die womöglich kurz vor dem Aushauchen ihres digitalen Lebens stehen und daher um Hilfe schreien. Die musikalische Untermalung des Ganzen kommt zwar orchestral, doch langweilig daher und fügt sich so harmonisch in die gesamte akustische Präsentation. Und das ist doch auch was.