Ach weh, Overwatch. Das ist ein äußerst undankbares Thema, um noch eine Vorschau dazu zu schreiben. Erstens: Ihr wisst eh schon, dass es toll wird. Blizzards eigener Qualitätsanspruch ist quasi schon ein Garant dafür, dass bei ihnen nichts erscheint, was ein Schlag ins Wasser ist – wie der mit Sicherheit kostenintensive Abbruch von Titan beweist. Zweitens: Blizzard machen um ihren ulkigen Klassenshooter gewaltigen Rummel, und ihr habt unter Garantie bereits unzählige Infos zum Spiel erhalten. Und drittens läuft die Closed Beta schon eine ganze Weile und wird schon bald durch eine offene ersetzt.

Und dennoch wurde ich kürzlich nochmal nach München eingeladen, um eine neuerliche Spielsession mit Overwatch zu halten. Hauptsächlich ging es darum, einen längeren, genaueren und intensiveren Blick auf die Konsolenversionen des sympathischen TF2-Klons zu werfen. Das ist ein verständlicher Wunsch, immerhin ist gerade die Verfügbarkeit von Overwatch auf Xbox One und PlayStation 4 eine der großen Stärken bzw. einer der reizvollen Vorteile der Knarrenhatz.

Nun ist es aber erfreulicherweise und bedauerlicherweise so, dass ich euch die gesichtete Performance in einem Wort zusammenfassen kann: "perfekt". Wirklich, in Sachen Framerate habe ich nicht einen Drop, keinen einzigen Mikroruckler oder Slowdown beobachten können. Und noch dazu sah Overwatch auf Microsofts und Sonys Zauberkisten auch richtig gut aus – natürlich auch ein schöner Nebeneffekt des stilisierten Comic-Looks, mit dem Blizzard ja einige Erfahrung hat.

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Aber tatsächlich: Für kompetitive Spiele ist kaum etwas wichtiger als eine tadellose, normierte Performance, und in dieser Hinsicht scheint sich Overwatch keine Blöße zu geben. Wir hatten einen vereinzelten größeren Lag-Spike während unserer zweistündigen Session, man wird leider erst in der offenen Beta sehen können, wie gut die Server einer größeren Belastung standhalten. Und aus einer ungünstigen Planung heraus gab es eine Unterbrechung, als meine PS4 Feuer fing. Nee, nur Spaß. Aber sie war in so eine Art Terrarium aus Plexiglas eingeschlossen (wir Games-Redakteure haben lange Finger) und schaltete sich zwischendurch mit der Warnung, sie sei jetzt heiß genug gelaufen, ab. Nachdem sie dann befreit war, gab es derlei Unterbrechungen nicht mehr – bis zu dem Zeitpunkt, wo sie dann von einem Games-Redakteur geklaut wurde.

Doch abgesehen von diesen kleinen Patzern war es ein durchweg erfreuliches Spielerlebnis. Nun... fast durchweg erfreulich. Natürlich sind solche Events nie repräsentativ für das spätere Spielerlebnis, denn hier treffen Spieleredakteure mit sehr unterschiedlichem Kenntnisstand, persönlichem und beruflichen Interesse am Spiel aufeinander. Das heißt: Manche wissen schon ganz genau, welcher ihr Lieblingscharakter ist und welche Tricks und Kniffe es gibt, manche kennen Overwatch nur aus der bisherigen Berichterstattung, manche haben höchstens aus anderen Klassenshootern etwas Vorkenntnis und wieder andere versuchen noch dahinterzusteigen, was es denn überhaupt mit diesen neumodischen "Viedjo-Spielen" auf sich hat. Unkenntnis ist jedenfalls relativ weit verbreitet.

Overwatch - Klasse bleibt Klasse, Plattform egal

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Konsoleros können sich schon mal freuen.
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Daher ist es auch ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, etwas über den tatsächlichen spielerischen Zustand von Overwatch sagen zu wollen. Aber auf der anderen Seite: Es ist ja nun auch nicht gerade mein erstes Game, und Team Fortress 2 ist nun auch nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Und von diesem Standpunkt aus gesehen kann man schon sagen, dass das Balancing zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas... fragwürdig erscheint.

Packshot zu OverwatchOverwatchErschienen für PC, PS4 und Xbox One

Und natürlich tut es das! Welches komplexe klassenbasierte Spiel war bei seinem Erscheinen oder, wie in diesem Fall, vorher schon, denn jemals wirklich balanciert? Aber das ist genau der Punkt: Man kann die Komplexität solcher Spiele eben nicht beliebig nach oben schrauben. Und 21 Charaktere / Klassen, das bereits zum Release, sind eine Menge, eben auch gerade, weil Overwatch kein MOBA ist, sondern elementare Shooter-Skills ebenfalls ein immens wichtiger Faktor sind, aber eben durch Kits und Skills angereichert werden.

Und da ist es schon krass zu beobachten, wie Widowmaker ohne jede Mühe zu den entlegensten Orten der Map springt, um dann ohne Probleme das ganze feindliche Team zu snipen – und beim ersten Anzeichen von Gefahr auch schon wieder unhaltbar wegzurennen, -springen, -fliegen. Oder wie Ritter Reinhardt einen Schutzschild vor sich aufbaut, durch den das feindliche Team erst nach einer Minute Dauerbeschuss durchbrechen kann, während die Verbündeten des tankenden Schildträgers problemlos durchballern. Das ist natürlich alles noch Spekulation und bei weitem nicht aussagekräftig – aber es wäre eben auch gelogen, wenn ich behaupten würde, dass es nicht für ein paar hochgezogene Augenbrauen gesorgt hat. Nun, bald startet die offene Beta, dann sich wir alle eine ganze Ecke schlauer.