Dunkle Zeiten brechen an. Das Imperium zieht durch die Lande und unterjocht sämtliche freien Völker. Wer sich nicht dem strengen Regelwerk dieser Weltmacht beugt, wird gnadenlos ausgemerzt. In Reih und Glied marschieren unzählige Soldaten durch die Städte, verbreiten Angst und Schrecken – ohne zu ahnen, dass es da jemanden gibt, der diese Attitüde gar nicht witzig findet. Denn wenn hier jemand unterjocht und quält, dann ist er es.

Bühne frei für den bösartigsten aller Spielehelden – den Overlord. Dessen erster Auftritt vor zwei Jahren geriet binnen kürzester Zeit zum Geheimtipp und forderte eine Fortsetzung geradezu heraus. Endlich dürfen wir also unsere fiese Ader ausleben – wenn „Overlord 2“ uns denn lässt. Denn neben den biestigen Schergen tummelt sich im zweiten Teil auch eine andere, nervtötende Spezies: Bugs.

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Fehlerhafter Overlord

Der erste Hammer trifft uns nur Sekunden nach der Installation: Im Hauptmenü wechseln wir in die Optionen, um die Spieleinstellungen zu ändern – und kommen nicht mehr zurück. Die Escape-Taste will partout nicht reagieren, obwohl wir als Eingabemittel die Tastatur gewählt haben. Erst als wir ein Gamepad anschließen und die Bedienoptionen umstellen, dürfen wir zurück ins Hauptmenü wechseln.

Overlord 2 - Faszination Weltherrschaft: So gut kann böse sein

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Geht es einmal nicht weiter, könnt ihr euren Körper verlassen und in die wendige Haut eines Schergen schlüpfen.
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Ungläubig schälen wir unsere Overlord 2-DVD aus dem Laufwerk und prüfen die Aufschrift: „Testversion“ steht da groß und breit. Wirklich bemerkbar macht sich das nur selten: Immer wieder fallen uns kleinere oder schwerwiegende Fehler auf, die oftmals sogar Neustarts erfordern. Wenn etwa ein Trigger nicht ausgelöst wird und unsere Schergen lieber wartend herumstehen, statt durch ein wichtiges Portal zu laufen, bleibt uns nur von vorn zu beginnen.

Weil wir innerhalb eines Levels nicht abspeichern dürfen, frusten solche Aussetzer umso mehr – wer will schon kurz vor Ende einer Mission noch mal zum Start zurückgeworfen werden. Häufig friert uns beispielsweise die Kamera ein, der Winkel lässt sich nicht mehr verschieben und klebt fortan gefährlich nah am Allerwertesten des Overlords - wieder hilft nur der Griff zur Quickload-Taste.

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Die kleinen Stinker sind dieses Mal recht zickig und ignorieren jegliche Befehle.
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Selbst das gern genutzte „raustabben“, also der Wechsel auf den Desktop per Alt-Tab-Kombination ist hier nicht möglich und führt unweigerlich zum Absturz des gesamten Spiels. Fairerweise muss man attestieren, dass sich diese wirklich groben Schnitzer in Grenzen halten. Angesichts vieler kleiner Bugs (Soundaussetzer, Clippingfehler) macht „Overlord 2“ damit aber insgesamt einen sehr unfertigen Eindruck.

Boshafter Overlord

Zum Glück hat „Overlord 2“ mehr zu bieten als solche Ärgernisse. Das grundlegende Spielprinzip hat Codemasters clevererweise unangetastet gelassen und steht somit eigentlich schon per se auf der richtigen Seite: Der spaßig-innovative Mix aus Action, Knobelei und Strategie, er funktioniert auch in Teil zwei ganz hervorragend, wird dank kleiner Neuerungen und frischer Elemente nun aber noch etwas aufgewertet.

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Die Settings könnten dieses Mal kaum unterschiedlicher sein: Von eisig bis feurig oder malerisch ist beinahe alles vertreten.
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Sprich: Als fieser Herrscher befehligt ihr weiterhin eine Armee bösartiger Schergen, die für euch bereitwillig Sterben würden und garstig marodierend durchs Land ziehen. Als wachechter Finsterling verlangt das Missionskorsett die Eroberung besiedelter Städte, die Unterjochung der hilflosen Einwohner oder einfach die totale Zerstörung – Hauptsache ihr seid ordentlich böse.

Den Löwenanteil, sprich die Kämpfe, verrichten erneut die Schergen, die im Vergleich zum Vorgänger jedoch einiges hinzu gelernt haben. So können die Braunen und Grünen nun auf Tieren reiten, um die Schlagkraft und Agilität zu erhöhen. Derartige Sonderfähigkeiten gilt es wie im Vorgänger klug zu nutzen: Wer etwa die Soldaten des Imperiums (dem neuen Klassenfeind in Overlord 2) frontal angreift, darf seine Schergen mit ziemlicher Sicherheit von deren Schildwall kratzen.

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In einigen Passagen könnt ihr riesige Katapulte besetzen und damit das Imperium unter Beschuss nehmen.
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„Overlord 2“ erfordert taktische Raffinesse, ohne jedoch allzu komplex zu werden. Recht früh im Spiel trefft ihr etwa auf kleine Feen, die eure Schergen bezirzen – statt zu kämpfen stehen die kleinen Stinker dann flirtend in der Gegend herum und lassen sich bereitwillig abmurksen. In solchen Situationen ist Köpfchen gefragt – wie wir finden, eines der besten Features des Spiels, motiviert es doch zu kreativem Denken und Tüfteleien.

Hämisches Grinsen, finstere Lache und ein ganz spezielles Verhältnis zu Robbenbabies: Die Spätfolgen von "Overlord 2" sind drastisch - aber extrem spaßig.Fazit lesen

Ebenfalls wieder an Bord ist die „Festung des Bösen“, euer Thronsaal in der Unterwelt. Hier gewährt ihr den Bürgern unterworfener Städte Audienz (nur um sie anschließend zu foltern), schmiedet neue Rüstungen oder Waffen oder verbessert eure Schergen. Die privaten Gemächer des Overlords hat Codemasters sogar vergrößert – aus gutem Grund: Dieses Mal dürft ihr euch gleich mehrere Burgfräulein auf einmal halten.

Überforderter Overlord

Kenner des ersten Teils haben es sicherlich schon aus obigen Zeilen herausgelesen: „Overlord 2“ teilt abermals mit der übergroßen Humorkelle aus und setzt ganz auf das herrlich abgedrehte Szenario. Wenn sich eure Schergen bereitwillig in den Tod stürzen und dabei glücklich quieken, wenn ihr auf hilflose Robbenbabies einprügeln müsst, um an deren Lebensenergie zu gelangen, und wenn ihr eine Stadt betretet, deren Bürger daraufhin in heillose Panik ausbrechen – ja, dann ist es verdammt geil böse zu sein.

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Die neuen Kreaturen wie dieser...äh Zyklopen... Gorilla...Typ erfordern spezielle Taktiken.
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Nicht so geil ist dabei erneut die Steuerung. Auch die hat Codemasters ansatzlos aus dem Vorgänger übernommen, obwohl sie stets als einer der Hauptkritikpunkte beklagt wurde. Und natürlich schießt sie auch in „Overlord 2“ gehörig den Vogel ab. Denn wer absichtlich zwei elementare Bewegungen (Drehung des Overlords und die Steuerung der Schergen) auf den gleichen Analogstick legt, sollte eigentlich öffentlich geteert und gefedert werden.

Immer wieder – ganz besonders gerne in brenzligen Situationen – verliert ihr somit völlig die Kontrolle über eure Spielfiguren. Mal dreht ihr euch wild im Kreis, statt die Schergen auf den Gegner zu senden, mal rennen diese schnurstracks geradeaus, obwohl ihr eigentlich nur den Overlord um 180Grad drehen wolltet. Vor allem in den fordernden Bosskämpfen war’s das dann meistens mit der Weltherrschaft. Eigentlich wollten wir das Chaos doch erschaffen – nicht darin untergehen…