Eine Fliege landet auf eurem Schreibtisch. Was macht ihr? Scheucht ihr sie einfach weg, erschlagt ihr sie mit einer Zeitung oder werft ihr eine Bombe nach dem Mistvieh? Zugegeben, die letzte Variante ist sicherlich die Spektakulärste, dürfte aber den wenigsten Tierschutzorganisation gefallen. Zum Glück gibt es Videospiele, in denen ihr euren dunkelsten Hirngespinsten freien Lauf lassen könnt. Eines davon ist »Overlord«, ein neues Action-Adventure aus dem Hause Codemasters, in dem ihr in einer fröhlichen Fantasy-Welt Angst und Schrecken verbreiten dürft. Ob das Dürfen in diesem Fall dann auch noch Spaß macht, erfahrt ihr in unserem Review.

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Eigentlich könnten sich die Bewohner der Fantasy-Welt freuen, schließlich musste der alte Overlord das Zeitliche segnen. Sieben Helden ist es nämlich gelungen, den fiesen Herrscher zur Strecke zu bringen. Allerdings scheint es, als wäre ihnen der Erfolg ein wenig zu Kopf gestiegen. Anstatt weiter für das Gute einzustehen, wurden sie selbst korrupt und tyrannisieren nun ihrerseits das Volk. So mancher wünscht sich gar den alten Overlord zurück, der - zwar ein ziemlicher Versager in der Kunst des Bösen - aber immer noch erträglicher war, als die sieben Helden.

Overlord - Einmal so richtig böse sein: Dieses herrlich fiese Rollenspiel macht's möglich.

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Der Overlord in voller Pracht: Mit ihm sollte man sich nicht anlegen.
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Doch zum Glück ist das Übel niemals endgültig tot: So erwacht ihr in kürzester Zeit als neuer Overlord, der sich nun anschickt, die Herrschaft ein weiteres Mal an sich zu reißen, um nebenbei seinen Turm der Dunkelheit wieder aufzubauen. Diese Schalt- und Waltzentrale dient dem Overlord als Ausgangspunkt für seinen Zerstörungsfeldzug, in der ihr euch per Teleporter in die fünf umliegenden Provinzen der fantasievollen Märchenwelt beamen könnt.

Du nutzlose Eiterbeule
Doch was verbirgt sich überhaupt hinter dem Namen Overlord? Naja, zum einen bezeichnet dieser Begriff das allmächtigste Wesen im ganzen Universum, zum anderen ist es die Legitimation, 30 Stunden lang den wohl übelsten Protagonisten der jüngeren Videospielgeschichte zu verkörpern. Und das Beste dabei: Ihr müsst euch dafür nicht einmal die Hände schmutzig machen.

Nachdem ihr von den Toten wieder auferstanden seid, findet ihr euch als kleiner und unbedeutender Antiheld in der fröhlichen Fantasy-Welt wieder. Ausgestattet mit einer schicken Rüstung sowie einer furchterregenden Axt ist es nun eure Aufgabe, die guten und rechtschaffenen Bewohner zu unterdrücken. Um das ganze allerdings nicht nach einem stupiden Hack & Slay-Gemetzel aussehen zu lassen, besitzt ihr die Macht über die sogenannten Schergen.

Packshot zu OverlordOverlordErschienen für PC und Xbox 360 kaufen: ab 24,69€

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Erst wenn ihr wichtige Artefakte in euren Turm schafft, steigt euer maximale Anzahl an Schergen.
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Diese hässlichen Mischungen aus Gremlin und Goblin mit einem Schuss Gollum obendrauf - nicht schön, aber dafür treu und unheimlich doof - sind zu jeder Schandtat bereit und die eigentlichen Stars des Spiels. Dank diesen Kobolden ist es euch möglich, mit der gesamten Spielwelt zu interagieren. Das reicht vom Betätigen einfacher Schalter und Drehkreuze bis hin zu Plünderungsfeldzügen und ausgefeilten Schlachten. Hauptsächlich seit ihr in »Overlord« aber mit der Zerstörung der Fantasy-Welt beschäftigt: Häuser, Kürbisfelder oder eine Schafherde - nichts ist vor dem Overlord und seinen Handlangern sicher.

Röstet sie wie Spanferkel!
Um dem ganzen Spielablauf mehr Pepp zu verleihen, werden die Schergen in vier Klassen eingeteilt. Die braunen Weggefährten stehen euch schon zu Beginn des Spiels zur Verfügung und sind die erste Wahl bei grober Zerstörung. Sie sind quasi eure Soldaten, die ohne Spezialfertigkeiten in den Kampf ziehen. Die roten Schergen könnte man hingegen als Artillerie sehen, da sie euren Kontrahenten aus dem Hinterhalt mit Feuerbällen einheizen.

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Rote Schergen sind die Artillerie der Schlacht.
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In den Nahkampf dürft ihr diese treudoofen Kameraden aber nicht schicken, da sie mit nur wenig Panzerung ausgestattet sind und somit schnell das zeitliche segnen würden. Außerdem besitzen sie die Fähigkeiten, Feuer zu beseitigen, was in manchen Missionen sehr von Vorteil ist. Darüber hinaus stehen euch auch blaue Untertanen zur Verfügung, die als dunkle Magier gefallene Kameraden wieder zum Leben erwecken können. Kämpferisch sind die aber nicht zu gebrauchen.

Die letzten und seltsamsten Untertanen sind jene der grünen Fraktion. Man könnte sie als Commandos unter den Schergen bezeichnen, schließlich sind sie perfekt dazu geeignet, Gegner aus dem Hinterhalt anzugreifen: Bewaffnet mit Messer, Gabeln oder Knochen springen sie auf dessen Rücken und folgen den Befehlen des Overlords.

Macht alles nieder!
Kaum betretet ihr das erste Dorf, könnt ihr eure Jungs in alle Himmelsrichtungen entsenden, um Häuser zu plündern und ganze Regionen zu verwüsten. Wie es sich für brave Untertanen gehört, kommen die Schergen bald wieder zurück und präsentieren euch als Overlord die gefundenen Schätze. Allerdings nicht nur das: Wie ihr schnell feststellen werdet, statten sich eure Gremlin-Klone auch mit allerlei Kriegswerkzeug aus, das sie unterwegs finden.

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Eure Schergen statten sich gerne mit Kürbissen aus.
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Da kommt es nicht selten vor, dass sich ein Untertan einen ausgehöhlten Kürbis auf die Rübe setzt, oder ein Küchenmesser als Waffe benutzt. Was das Gewächs allerdings als Schutz auf dem Kopf bringen soll, ist mir ein Rätsel, zeugt aber von dem skurrilen und schwarzen Humor in »Overlord«. Dabei geht es in »Overlord« nicht nur kämpferisch so richtig zur Sache, die Gestaltung der Spielwelt stellt euch nämlich auch vor knifflige Probleme: Wie bekomme ich beispielsweise einen ziemlich schweren Kran von Punkt A nach Punkt B, um in schließlich über den Teleporter in den Turm der Boshaftigkeit zu befördern?

Die Märchenprovinzen selbst sind nämlich voller Flüsse, Berge und Sackgassen. Mauern müssen umgeworfen, Säulen verschoben oder Feuerwände und Giftwolken beseitig werden. Viele unzugängliche Orte könnt ihr nur durch die geschickte Kombination der Fähigkeiten eurer Schergen erreichen, da man als Overlord an schmalen Stellen hängen bleibt.

Steuerung als Stolperstein?
Steuerungstechnisch weiß »Overlord« durchaus zu überzeugen, hat aber hier und da noch mit einigen Problemen zu kämpfen. Ihr steuert euren Anti-Helden aus der Third-Person-Optik durch die Märchenwelt, wobei sich die Kameraperspektive nicht verändern lässt - lediglich per Knopfdruck rutscht der Fokus wieder hinter euren Höllenfürsten. Das liegt daran, dass beide Ministicks belegt sind. Mit dem linken Knüppel steuert ihr nämlich eure Unbarmherzigkeit selbst, während der rechts Stick dazu verwendet wird, die Schergen über die Landschaft zu dirigieren. Die fehlende manuelle Kamerajustierung stellt sich vor allem in hektischen Kampfszenen als durchaus problematisch dar. Abgesehen davon geht die Steuerung des Overlords und seinen Untertanen aber erstaunlich intuitiv und ohne weitere Probleme von der Hand.

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Blaue Schergen können nicht nur schwimmen, sondern auch tote Kameraden wiederbeleben.
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»Overlord« glänzt vor allem durch ein hervorragendes Leveldesign, das euch immer wieder vor neue Herausforderungen stellt und obendrein noch wunderschön aussieht. Zwar kann das Action-Adventure nicht als Meilenstein bezeichnet werden, überzeugt aber vollends durch viele Details und wundervolle Effekte - vom schönen Tag/Nacht-Wechsel bis hin zu den Settings stimmt hier alles. Das kommt vor allem der Atmosphäre zur Gute, die durch die Sprachausgabe weiter ausgebaut wird. Dafür sorgt vor allem das Gefluche, Gejammer und Gezeter, das ihr von euren Untertanen humorvoll präsentiert bekommt. Zwar erreichen die Synchronsprecher nicht das britische Original mit seinen sprachlichen Finessen, den Stimmen gebührt aber dennoch ein dickes Lob.