Vor etwas über einem Jahr hatten ein paar Leute eine Idee: Warum nicht das Handy-System Android als Basis für eine günstige Spielekonsole verwenden? Zur Finanzierung wurde die Web-Gemeinde auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter um Hilfe gebeten. Schon in weniger als 24 Stunden kamen über eine Million US-Dollar zusammen. Insgesamt sammelten die Entwickler die Rekordsumme von über 8,5 Millionen Dollar ein.

Jetzt ist die Konsole fertig und soll ab dem 25. Juni in den Handel kommen – zunächst in den USA, Kanada und Großbritannien. Weitere Länder – auch Deutschland – sollen kurz darauf folgen. Unterstützer des Projektes bekommen als Dankeschön schon vor dem Marktstart ein Exemplar der Konsole zugeschickt. Auch wir konnten den Konsolenwürfel schon vor der offiziellen Veröffentlichung anspielen. Ist die Ouya eine Alternative zu Playstation und Co.?

Ouya - Ooh, yeah: Die günstige Alternative zu Playstation und Xbox?

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Alles drin, was man braucht: Die Ouya wird ausgepackt.
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Das ist drin

Wer das Paket in Empfang nimmt, denkt zuerst: Das soll alles sein? Doch tatsächlich enthält die kleine Packung alle nötigen Kabel (HDMI + US-Netzteil), den Controller nebst zwei Mignon-Batterien und die Ouya-Konsole. Die Haupteinheit ist kaum größer als ein Zauberwürfel – Handy-Technik braucht eben nicht viel Platz.

Selbst der beigelegte Wireless-Controller ist größer als die Konsole. Er liegt recht gut in der Hand, wirkt aber alles in allem wie eine billige Version des Xbox-360-Controllers ohne Force-Feedback. Weiteres Manko: Die Schultertasten lassen sich mit kurzen Fingern nur schwer erreichen.

Außer den zwei Analogsticks, dem Steuerkreuz und neun Knöpfen enthält die Steuereinheit auch ein Trackpad für Mauszeiger-Steuerung: ein Feature, das auch die kommende Playstation 4 mitbringen soll.

Hardware

Im Inneren der Ouya arbeitet einen Nvidia-Tegra3-Quadcore-Prozessor mit 1,7 Gigahertz und kombinierter Grafik, wie er auch in einigen aktuellen Android-Tablets zu finden ist. Diese Prozessoren sind eher auf Stromsparen denn Leistung getrimmt: Viel Rechenpower oder Grafikleistung darf man hier nicht erwarten. Selbst einige aktuelle Smartphones wie das Samsung Galaxy S4 ziehen der Ouya davon, ganz zu schweigen von den PowerPC-Chips von Xbox 360 oder PS3.

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Klein, aber oho? Die Ouya ist kaum größer als ein Zauberwürfel.
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Doch die Ouya hat auch nicht den Anspruch in der Top-Liga mitzuspielen. Vielmehr soll sie Handy-Entertainment auf den großen Bildschirm bringen. Und für diese Zwecke reicht der Nvidia-Chip allemal.

Bei den Anschlüssen kann man nicht gerade von Vielfalt sprechen: Neben HDMI, Ethernet und einem USB-2.0-Port findet man noch eine micoUSB-Schnittstelle. Diese ist für die mögliche PC-Synchronisation gedacht. Ein entsprechendes Kabel legt der Hersteller aber nicht bei.

Für Spiele und Apps ist die Ouya mit kümmerlichen 8 GB Flash-Speicher bestückt. Das ist selbst für Smartphone-Verhältnisse vergleichsweise wenig. Immerhin lässt sich der Massenspeicher durch einen USB-Stick einfach erweitern – so versprechen es die Entwickler. Tatsächlich wurden im Test aber mehrere USB-Sticks nicht erkannt.

Betrieb und Bedienung

Nach dem Einschalten kommt schon die erste böse Überraschung: Die Ouya skaliert den Bildschirminhalt nicht korrekt. Einige Teile ragen über den Display-Rand hinaus. Dies ist sowohl bei Apps als auch bei Spielen der Fall.

Der Wireless-Controller verbindet sich auf Druck des Ouya-Buttons problemlos mit der Konsole. Zum Anmelden benötigt man zunächst eine Internet-Verbindung per Kabel oder WLAN. Im Test zickte die Ouya aber bei der Funkverbindung – zuweilen gab es Verbindungsabbrüche mit unserer FritzBox. Dann der nächste Stolperstein: Der Ouya-Server war oft überlastet, sodass eine Konto-Anmeldung erst nach einigen Versuchen funktionierte.

Die Menüs sind einfach gehalten und leicht verständlich, allerdings ruckeln die Symbol-Animationen ganz kräftig. Das ist man bei Konsolen längst nicht mehr gewohnt. Außerdem wirkt die Software noch unfertig: Im Test stürzte das Android-System zweimal mit einer Java-Fehlermeldung ab. Immerhin ist das Entwicklerteam wohl um Nachbesserung bemüht, denn während des zweitägigen Tests aktualisierte sich die Konsolen-Software gleich zwei Mal.

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Der Controller fühlt sich wie eine billige Version eines Xbox-360-Controllers an.
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Auf Shopping-Tour

Der Online-Store ist schon jetzt mit 130 Spielen (Stand 3. Juni) bestückt. Dabei handelt es sich aber vornehmlich um ältere Titel wie „The Bard’s Tale“ oder Umsetzungen von Handy-Spielen, die man auch im Google-Play-Store findet. Namhafte Hersteller wie Square Enix und Namco Bandai haben schon im Vorfeld ihre Unterstützung zugesagt. Konkrete Titelzusagen oder gar spezielle Ouya-Spiele sind bislang noch ausgeblieben.

Das Besondere am Ouya-Store: Alle Titel lassen sich zumindest kostenlos probespielen. Wann zur Kasse gebeten wird, entscheidet der Hersteller. Einige Spiele bieten Frei-Level, bei anderen geht es auf Zeit, wieder andere bleiben kostenlos. Abgerechnet wird per Kreditkarte. Eine andere Zahlmöglichkeit gibt es bis dato noch nicht.

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Polarity: Bei diesem Knobelspiel gilt es Türen und Lasersperren zu überwinden. Dafür muss man Schalter aktivieren oder kleine Stunts absolvieren.
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Apps und Spiele

Auch wenn das Spiele-Angebot üppig erscheint, fehlen echte Knaller. 3D-Spiele wie „Polarity“ oder das Rennspiel „Flashout 3D“ bieten zwar nette Grafik – die einen aber nicht vom Hocker reißt. Kein Wunder: Es gibt momentan noch nicht ein einziges Game im Ouya-Store, das die Fähigkeiten des Tegra-3-Chips ausnutzt. Die Spezialität des Controllers – das Trackpad – liegt bei Spielen noch brach.

Das riesige App- und Spieleangebot des Google-Play-Stores bleibt dem Ouya-Nutzer (noch?) verwehrt. Und das, obwohl viele Apps auf dem System mit Android 4.1.2 durchaus laufen würden. Immerhin: Android-Programme im APK-Format lassen sich über den Browser laden und installieren, sind aber dann nicht an die Ouya-Bedienung angepasst.

Fazit

Es hakelt noch an allen Ecken und Enden bei der Ouya: Die Software wirkt unfertig, das Spiele-Angebot ist dürftig und selbst der Store ist ab und an nicht erreichbar. Außerdem nutzt bislang keines der Spiele die Möglichkeiten des Tegra-3-Chips von Nvidia aus.

Bis zum Marktstart muss der Hersteller in puncto Stabilität, Bedienung und Titelangebot noch nachbessern. Letzteres hängt vor allem von den Spiele-Programmierern ab. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler bis zum offiziellen Marktstart fleißig nachlegen. Denn selbst für 119 Euro darf man eine Konsole erwarten, die absturzfrei läuft und ausreichend Spielspaß bietet.