Outland ist nicht innovativ, aber so herrlich zusammengeklaut, dass man nicht widerstehen kann. Es lädt niemanden herzlich ein und bindet doch mit einer magischen Faszination. Outland ist knüppelschwer, aber nachvollziehbar, kein Mega-Hit, aber zweifelsohne mehr als nur ein Geheimtipp. Kurzum: Outland gehört auf eure Festplatte!

Schon einmal Ikaruga gespielt? Ja, genau, dieses Shoot 'em up von Treasure, bei dem eine gefühlte Trilliarde Projektile in zwei Schattierungen auf ein einsames kleines Raumschiff einprasseln. Kennt ihr nicht? Schade, aber halb so wild. Dieses Meisterwerk kann man ja bei Nachholbedarf auf Xbox Live Arcade herunterladen, wobei das nicht zwingend notwendig ist, um das Spielprinzip des neuen Download-Action -Adventures „Outland“ zu verstehen.

Die Schöpfer aus der Programmierstube Housemarque bedienten sich zwar bei den Regeln des Ballerklassikers, verpassten ihnen jedoch ein ganz neues Umfeld, das weder minder attraktiv erscheint, noch schwerer zu verstehen ist.

Outland - TrailerEin weiteres Video

Es sind nicht die einzigen Anleihen. Nach gut sechs Stunden mit Outland fühlt man sich geneigt zu behaupten, es ginge um eine Promenadenmischung mit den dominanten Genen von Ballerkönig Ikaruga, Todeshüpfer Prince of Persia, Labyrinthforscher Metroid und grafischen Anspielungen auf Sonys Handheld-Hit Patapon. Und ganz ehrlich, es gab schon mieser zusammengeklaute Games mit weniger Spielspaß im Gepäck.

Outland - Geheimtipp-Nachschlag aus dem Indie-Ofen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 30/361/36
Lasst euch von den Projektilen nicht beeindrucken - das ist noch gar nichts! In späteren Welten fliegen sie quer über den Bildschirm.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Stellt euch einfach ein klassisches, zweidimensionales Action-Adventure vor: ein Held, ein Schwert und viele, viele Plattformen, die der Stimmung halber in düsterem Schwarz gehalten wurden. Der unbenannte Recke hat die schwere Aufgabe, die düsteren Höhlen von Outland hüpfend und schwertschwingend vor der Bedrohung zweier Göttinnen zu erlösen.

Dazu spurtet er durch sieben Welten voller Fallen und Gefahren, in denen er jeweils ein magisches Siegel aktivieren muss. Ist aber leichter gesagt als getan, weil die beiden astralen Hoheiten ihre Armeen ausgesandt haben, um genau das zu verhindern.

Zinnober und Marine

Fiese Monsterspinnen, meterhohe Klingenkrieger und feuerspeiende Drachen verraten ihre Zugehörigkeit zu einer der beiden Göttinnen anhand ihrer Farben: Sie schimmern entweder blau oder rot, genau wie alle Geschosse, die dem Helden aus Kanonen entgegengeflitzt kommen. Gegen Projektile ist der Jungspund jedoch gewappnet, da er auf Knopfdruck selbst die Farbe wechseln kann. Trägt er blau, dann kratzt ihn selbst das dichteste blaue Projektilgewitter nicht. Sind die Kugeln rot, muss er hingegen von blau auf rot schalten, sonst geht bei Berührung ein Lebenspunkt flöten.

Ähnliches gilt für manche Plattformen und Aufzüge, die erst dann solide erscheinen, wenn man mit der richtigen Farbe aufsteigt. Die falsche Wahl verwandelt nicht nur die Plattform in dünne Luft, sondern führt meist auch in einem Abgrund voller schmerzhafter Stacheln oder zurück an den Start eines langwierigen Marsches.

Outland - Geheimtipp-Nachschlag aus dem Indie-Ofen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 30/361/36
Immer den schwebenden Blättern hinterher, dann könnt ihr euch gar nicht verirren. Alternativ hilft ein Blick auf die Weltkarte
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bei den Widersachern wird es schon komplizierter, denn hier muss der Schwertschwinger die entgegengesetzte Kraft auffahren. Sprich: Als roter Ritter kann er stundenlang auf ein rotes Spinnenvieh eindreschen, ohne mehr als ein paar Kratzer zu hinterlassen. Erst mit blauer Kraft macht er ihm den Garaus. Das gilt aber keinesfalls umgekehrt, denn wenn ein Bösewicht den Stachel ins Fleisch bohrt, tut es immer weh. Da spielt die aktuell eingestellte Farbe keine Rolle.

Kurzum: Outland gehört auf eure Festplatte!Fazit lesen

Pixelfriemeln auf engstem Raum

So viel zur minimal abgewandelten Anleihe bei Ikaruga. Aber Prince of Pesia und Metroid liegen ebenfalls nur einen Steinwurf entfernt. Ersterem entnahm Housmarque so ziemlich alle Hüpfaufgaben, die meist pixelgenau und mit etwas Geduld zu bewältigen sind. Seitlich von Wänden abspringen, sich an Vorsprüngen hochziehen oder mit den Füßen voraus am Boden entlangrutschen gehört noch zu den leichtesten Übungen. Schwer erkenntlichen Bodenpieksern entgehen, krabbelndem Ungeziefer ausweichen und komplizierte Todesmaschinerie in Sekundenbruchteilen umschiffen fällt schon schwerer, zumal die sehr dunkel gehaltene und manchmal kontrastschwache Grafik das Erkennen solcher Fallen nicht erleichtert.

Kombiniert mit der Farbregelung für Geschosse und Gegenspieler wird der Bildschirmtod zum ungeliebten, rücksichtslosen Mitbewohner, der nie abwäscht, einkauft oder den Müll runterträgt, sondern euch seinen stinkigen Pizza-Atem in den Nacken pustet.

Outland - Geheimtipp-Nachschlag aus dem Indie-Ofen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 30/361/36
Geschafft! Wenn ihr solche Zwischenspeicher Totems erreicht, fällt euch meist ein Stein vom Herzen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diesen Rüpel werdet ihr nie los. Oh nein, er grinst hämisch an jeder Ecke und freut sich diebisch, wenn ihr mal wieder zu hastig voranschreitet. Egal, wie viele Lebenspunkte ihr im Laufe des Abenteuers mit in Vasen gebunkerten Münzen erwerbt, wie geschickt ihr Gegner mit einem vertikalen Schwerthieb in die Luft befördert, um ihm anschließend Saures zu geben, und egal wie akribisch ihr den farbigen Kugelhagel einer astralen Batterie analysiert. Es gibt einfach zu viele mögliche Fehlerquellen, zu viele Fettnäpfchen, in die ihr unbedacht hineintreten könnt.

Und je weiter ihr Outland erforscht, desto schlimmer wird es. Anfangs wähnt man sich noch in Sicherheit, da das Farbspiel brav im Rahmen bleibt und übersichtliche Wechsel vorgibt. Sobald ihr jedoch Passagen durchqueren sollt, in denen rote und blaue Projektile gleichzeitig herumschwirren, schlimmstenfalls noch beschützt durch einen Schwarm Gegner beider Farben, murmelt ihr bei jedem Sprung und jedem Schwertstreich ein Stoßgebet. In Outland ist nichts so essenziell wie ein gutes Auge, Millimeterarbeit am Joypad und punktgenaues Timing.

Outland - Geheimtipp-Nachschlag aus dem Indie-Ofen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 30/361/36
Ich glaub ich brauch ne Brille: Bei Obermotzen zoomt die Kamera ziemlich weit raus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zum Glück hat ein Ableben recht milde Konsequenzen. Ging der Held über den Jordan, landet er beim zuletzt gefundenen Zwischenspeicher-Totem und startet den Abschnitt erneut. Allerdings wachsen die Abstände zwischen den Speicherpunkten im Laufe des Spiels ständig an, wodurch man spätestens nach dem Bergfest Steine von Herzen plumpsen hört, wenn man endlich wieder einen Checkpoint vor Augen hat: Uff, geschafft!

Selbst die Spezialkräfte des Helden mindern den beschriebenen Effekt nicht. Zumal ihr sie erst mühselig in den Katakomben von Outland finden müsst, bevor ihr sie verwenden dürft. In bester Metroid-Tradition führen euch die Programmierer von Housemarque durch beinahe alle Welten, ohne euch gleich das ganze Menü zu servieren. Einige Abschnitte bleiben nämlich so lange unzugänglich, bis ihr die passende Fertigkeit erworben habt, um sie zu betreten.

Angefangen bei einem Stampfsprung, mit dem ihr poröse Böden durchbrecht, über eine Rammattacke, der bröckelige Wände nachgeben, bis hin zu einem Spezialsprung, der euch von einem magischen Katapult zum nächsten befördert. Weitere Sonderkräfte wie das Feuern eines dicken Flammenstrahls , besonders harte Schwertstreiche oder das Aufbauen eines Schutzschildes helfen dagegen bei den Scharmützeln mit göttlichem Getier und finsteren Bossen, die nicht selten überdimensionale Ausmaße erreichen.

Ach, das bin ja ich!

Was uns zu einem, der wenigen ernsthaften Kritikpunkte bei Outland bringt. So schön und stylisch einen die schwarz gehaltenen Umgebungen mit ihren farbigen Ornamenten und erdfarbenen Hintergründen auch bezaubern, sie bieten oft zu wenig Kontrast, wodurch man schnell den ein oder anderen Witwenmacher übersieht – vornehmlich Stacheln, die aus dem Boden fahren. Zoomt die Kamera aus dem Bild heraus, wie es bei den besonders großen Obermotzen meist der Fall ist, so wird es noch fuzzeliger.

In manchen Szenen meint man sogar auf einem 37-Zoll-Screen, eine Brille zu benötigen, weil man den Helden schlichtweg nicht vom restlichen Getümmel zu unterscheiden vermag. Da will man gar nicht an eine unscharfe 50-cm-Röhre denken, an die so mancher noch seine PlayStation 3 oder seine Xbox 360 klemmt. Ein wenig mehr Kontrast für Fallen und Protagonisten – vielleicht durch einen farbigen Rahmen oder etwas Ähnliches – wäre nicht die schlechteste Idee gewesen.

Outland - Geheimtipp-Nachschlag aus dem Indie-Ofen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 30/361/36
Bei solch geringen Kontrasten gehen einige Todesfallen schnell unter
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schon gar nicht, wenn zwei Spieler sich an die eingestreuten Koop-Missionen wagen, in denen das Chaos perfekt zu sein scheint. „Ach, das bin ja ich!“ dürfte wohl der am häufigsten zitierte Satz einer Mehspieler-Sitzung sein.

Der zweite Kritikpunkt geht an das Drumherum. Es fällt leider schwer, einen direkten Bezug zum Hauptdarsteller und zu seiner schweren Bürde zu entwickeln. Man liest seine Geschichte, hört sich das hochtrabende Geschwafel des Erzählers an, nickt bestätigend und hat keine drei Minuten später doch wieder vergessen, worum es eigentlich ging. Da wäre mehr drin gewesen.

Bedauerlich, wenn man sieht, wie sensibel Hausmarque in allen anderen Belangen arbeitete. Allein über die Feinheiten der Steuerung könnte man absatzweise schwärmen, so schnell, flüssig und präzise jagt man das kleine Strichmännchen durch die Landschaft. Jede Falle lässt sich nach eingehender Beobachtung analysieren und ist mit entsprechendem Geschick verlustfrei zu umschiffen.

Outland - Geheimtipp-Nachschlag aus dem Indie-Ofen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 30/361/36
Sackgasse? Iwo, notfalls springt der Held von den Wänden ab.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nie hat man auch nur ansatzweise das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Im Gegenteil, Grafik und Ambiente versetzen euch in höchste Konzentration, lassen euch mit Hingabe um jeden Pixel feilschen. Wunderbar, und bereits ausreichend, um ein gewisses Suchtpotenzial zu wecken. Dieses Spiel will man unbedingt knacken, wenn man sich erst einmal eingefummelt hat.

Apropos fummeln: Xbox-360-Zocker, die sich den neuen Special-Edition-Controller mit dem drehbaren D-Pad geleistet haben, können sich in Outland von dessen Präzision überzeugen. Das neue Steuerkreuz schneidet in diesem Härtetest hervorragend ab. Nicht zuletzt, weil der Held auf digitale Eingaben schneller reagiert als auf analoge Befehle. PlayStation-3-Jünger hatten mit ihrem Steuerkreuz ja noch nie ein Problem.