Wer sich in den letzten zehn Jahren auch nur geringfügig mit Videospielen beschäftigt hat, sollte zumindest einige Namen im Gedächtnis behalten haben. Blizzard, Lucas Arts, Valve – allesamt Spieleschmieden, die damals Genrepioniere waren und heutzutage Kultstatus erreicht haben. Auch Square Enix darf sich mit Fug und Recht in dieser Liste einreihen. Noch heute halten die Japaner die Messlatte für Rollenspiele ganz weit oben. Final Fantasy, Dragon Quest oder Chrono Trigger.

Diese Franchises stehen einfach für Innovation und Spielspaß. Doch von Lobeshymnen für Rollenspiele scheint man in Fernost genug zu haben. So wagt Square mit einem RTS-Titel den ersten Schritt in ein neues Genre. Order of War heißt das im zweiten Weltkrieg angesiedelte Experiment, an das (zumindest in Verbindung mit dem Namen Square) hohe Erwartungen geknüpft sind. Doch wie spielt sich das japanische Pendant zu Company of Heroes?

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Gut kopiert…

Man mag es für einfach und wenig kreativ halten, wenn der Redakteur diese Frage mit „eben genauso“ beantwortet. Leider gibt es jedoch keine passendere Antwort. Schon auf den ersten Blick wird deutlich wie weitreichend bei der Konkurrenz gespickt wurde. Angefangen von der grundlegenden Spielidee, über das Design der Einheiten, bis hin zur grafischen Gestaltung. Ein Déjà-vu-Erlebnis für den Strategen.

Order of War - Ungewöhnlich: Strategie aus dem Hause Square Enix

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Aus Deutscher Sicht gibt es kaum Zeit für Gegenschläge. Man versucht stets gegen die feindliche Übermacht die Stellung zu halten.
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Doch steigen wir erst einmal in das Herzstück des Titels, die Kampagne, ein. Diese ist gegen Ende des zweiten Weltkrieges angesiedelt und lässt den Ausgang aus zwei Perspektiven miterleben. Ihr stürzt euch wahlweise auf Seite der Deutschen, die gegen eine sowjetische Übermacht ums Überleben kämpfen, oder auf Seiten der Amerikaner, welche die Achsenmächte am Rande der Niederlage haben, ins Gefecht. Zweimal neun Missionen bieten euch dabei einen umfangreichen Rahmen. Die Sowjetunion ist leider nicht spielbar.

Missionstechnisch wartet Order of War mit wenig Frischem auf, fordert Taktiker aber dennoch – wenn auch nur bedingt. So muss beispielsweise eine deutsche Artillerie vor heranrückenden russischen Panzern beschützt werden bis weitere Unterstützung eintrifft. Nur mit Müh und Not verteidigen wir das Geschütz und den zugehörigen Kontrollpunkt, müssen aber einiges an Ressourcen für Verstärkung ausgeben.

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Die Unterstützung aus der Luft kommt gerade zum rechten Zeitpunkt. Mit Bomben jagen wir die feindlichen Stellungen in die Luft.
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Denn wie in Company of Heroes verzichtete man auch hier auf Basisbau, sondern zahlt mit Ressourcenpunkten für zusätzliche Truppen. Pro Kontrollpunkt erhält man nur eine bestimmte Anzahl Punkte, die wiederum in Einheiten umgetauscht werden können. Die Wahl welche Einheit zur Verstärkung gerufen wird, hängt dabei ganz von der taktischen Marschroute ab. Dies wird bei unserem Gegenschlag deutlich.

Von den Großen kopiert, zum Durchschnitt degradiert. Square Enix präsentiert mit Order of War definitiv kein RTS-Meisterwerk, aber auch keinen schlechten Titel.Fazit lesen

Ein Brückenkopf im Norden ist das Ziel, welches wir mit den verbleibenden Einheiten einnehmen sollen. Es bieten sich verschiedene Optionen. Entweder wir marschieren mit unserer Armee gebündelt gen Norden, in der Hoffnung, dass die sowjetischen Schützen heute nicht allzu treffsicher sind - hier fällt unsere Wahl auf Kriegsmaschinerie mit starker Panzerung. Oder wir splitten die Einheiten und versuchen den Brückenkopf von zwei Seiten aus in die Zange zu nehmen - dabei könnte uns eher die gut getarnte Infanterie von Nutzen sein. Unterm Strich jedoch kein Hexenwerk, versteht sich. Auch für den Neuling auf dem Schlachtfeld nicht.

…reicht manchmal nicht

Mehr als diese durchschnittlich anspruchsvollen Manöver bietet Order of War nicht. Schnell zeigt sich die Kehrseite des Plagiats: Das Design der Einheiten ist zwar gelungen, alle Truppen haben ihre Vor- und Nachteile. Das Balancing ist jedoch nicht tiefgründig genug, als das Waffenreichweite, Geschwindigkeit und Panzerung in hohem Maß Einfluss auf das Geschehen haben könnten.

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Das Aufrüsten der Einheiten mit gewonnenen Kampagnenpunkten verliert leider schnell seinen Reiz.
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Der Möglichkeit, Einheiten nach jeder Mission durch erworbene Punkte zu verbessern, verblasst also rasch. Es reicht meist dem Gegner mit der eigenen zahlenmäßigen Überlegenheit und gebündelter Feuerkraft zu trotzen. Wer braucht schon schnellere Einheiten, oder gar eine bessere Panzerung? Angesichts von heftigen Artillerieschlägen, gewaltiger Luftunterstützung und reichhaltigem Nachschub in der Hinterhand, wohl eher niemand.

Dabei hatten die Entwickler den Strategen versprochen, durch die Übermacht der Gegner stets auf anspruchsvolle Manöver angewiesen zu sein. Doch diese Not ist kaum spürbar. Wird es eng, kommen Fallschirmjäger vom Himmel oder Panzer vom Rand der Karte. Bekommen haben Strategen also nur eine taktisch träge Schlachtplatte. Und eben dieses taktische Niveau spiegelt sich auch in den Missionszielen wider. Entweder man verteidigt einen Kontrollpunkt, beschützt einen Konvoi, oder führt selbst einen Angriff aus – mehr Abwechslung ist nicht geboten.

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Mit Strategie und Taktik zum Erfolg? Nicht wirklich. Meist reicht es die Soldaten einfach mehrere Ziele auf einmal angreifen zu lassen.
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Leider verkommt dabei auch die Idee hinter den Kontrollpunkten. In Company of Heroes fand man verschiedene Punkte für Munition oder Geld vor. Dies machte das Schlachtfeld schon fast zu einem Schachbrett, bei dem jeder Zug wohl überlegt war. In Order of War hingegen gibt es nur eine Art von Kontrollpunkten. Diese sind dafür zwar weniger zahlreich auf der Karte platziert (damit sich Nachschub und Einheiten auf dem Feld die Waage halten), der strategische Anspruch wird dadurch aber erheblich gebremst.

Das unterstreicht auch der Multiplayermodus, der unter ähnlichen Problemen leidet wie die Kampagne. Den Ausgang eines Matches entscheidet mitunter nicht der taktisch klug agierende General, sondern derjenige, der schnell Kontrollpunkte einnimmt und rasch Verstärkung ordert. Erst mit vier Spielern wird die Partie taktisch anspruchsvoller und lässt den Eindruck verblassen, man spiele einen actionreichen Titel wie Command & Conquer.

Die schönen und hässlichen Seiten des Krieges

Dennoch hat Order of War auch seine positiven Seiten. Der Titel bietet eine einfache Steuerung und überzeugt mit einer herrlichen Übersicht über das Gelände. Für Letzteres sorgt eine nach allen Seiten schwenkbare Kamera, die zusätzlich eine sogenannte Theaterfunktion bietet. Ganz wie im Film heftet sich die Kamera im Cinema-Modus dicht an die Fersen der Infanterie, fliegt über die ratternde Panzerdivision und erzeugt damit hollywoodreife Szenen.

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Durch den Theatermodus schwenkt die Kamera nahe an den Ort des Geschehens. Hier kleben wir unseren Soldaten an den Fersen.
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Doch wenngleich auch die Kamerafahrten spektakulär erscheinen, so wird besonders im Theatermodus deutlich, dass Order of War technisch bei weitem nicht auf der Höhe der Zeit ist. Die Einheiten lassen Details vermissen und wirken klobig wie Opas Zinnsoldaten. Das Gelände ist einfallslos gestaltet worden, vorallem die Texturen wirken lieblos und blass. Dass das Design mit der trägen Kriegsstimmung einhergeht, mag für manche ein atmosphärisches Schmankerl sein.

Grafikfetischisten werden mit den Worten matschig und trist urteilen. Denn bis auf einige Bauernhöfe, ein paar Wälder und Strohhaufen liegt das Schlachtfeld brach. Wirklich berauschend sind auch die Effekte nicht. Explosionen gab es bereits in spektakulärerer Form in vergangenen Titeln und Rauch haben wir auch schon realistischer emporsteigen sehen. Ganz so schlimm steht es um die Steuerung nicht. Die Tastenbelegung ist einfach, die Befehle an die Truppen gehen leicht von der Hand. Die KI reagiert prompt, wenn auch ab und an Fehler bei der Wegfindung auftauchen. Wirklich störend sind diese jedoch nur in Städten und Dörfern, da unsere Einheiten gerne Mal an Häuserkanten anecken.

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Wegfindungsfehler oder Grafikbug? Unsere Einheiten sitzen am Strand von Omaha Beach im Sand.
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Schön immerhin, dass die Tastenbelegung noch einmal auf dem Bildschirm auf Knopfdruck angezeigt wird; der Blick ins Handbuch entfällt. Für Neulinge empfiehlt sich überdies das gut durchdachte Tutorial, welches die wichtigsten Befehle in drei Kapiteln näher erläutert und eine kurze Übersicht über die Steuerung bietet. Mehr Positives konnten wir dem Titel jedoch nicht abgewinnen. Das zeigt sich auch an dem, was aus den PC-Lautsprechern dröhnt. So sind beispielsweise die heroischen Musikstücke ganz ansprechend arrangiert, man fragt sich jedoch spätestens nach der dritten Mission, ob die Entwickler mehr als vier Stücke auf Lager haben.

Die Synchronisation fällt ebenfalls mau aus. Abgesehen von technischen Fehlern, die Musik und Synchro immer wieder verstummen lassen, merkt man den Sprechern ihre Mühen kaum an. Die Imitation eines deutschen Akzentes (im Deutschen!) fällt diesen redlich schwer, die Amerikaner verlieren sich oft im Denglischen. Müde plappern sie zudem die Befehle herunter und erwecken dadurch den Anschein, der Krieg sei bereits verloren, beziehungsweise gewonnen und stehe nicht am Scheideweg.