Der zweite Punkt ist, dass die Balance zwar diesmal besser geraten, aber immer noch weit davon entfernt ist, optimal zu sein. Es gibt Ausrüstung, die genauso gut nicht im Spiel sein dürfte, es würde keinen Unterschied machen, weil sie komplett unnütz ist. Es gibt Fallen, die den Orks meilenweit am grünen Hintern vorbeigehen. Dann wiederum gibt es Items, ohne die man gar nicht erst anzutreten braucht. Wenn das an sich interessante Arsenal durch so offensichtliche Faktoren beschnitten wird, ist das einfach nur ärgerlich.
Ärgerlich ist ebenfalls, dass der Umfang von Orcs Must Die! 2 etwas dürftig ist. Mit gerade mal 15 Levels ist der Storymodus geschlagene neun Missionen kürzer als Teil eins (wiederum ein Umstand, der durch eine Unterscheidung beider Charaktere relativiert werden könnte). Die Weberinnen des Ordens, die im ersten Teil kleine Skill-Bäume anboten, in denen man gegen Geld Passivboni freischalten konnte, sind ersatzlos gestrichen worden. Aus einem Nachfolger Komplexität zu entfernen, das ist fast nie eine gute Idee.
Wenn man seine Gänge mit Fallen auskleidet und die anstürmende Brut in einem kunterbunten Durcheinander zerlegt wird, kommt richtig Stimmung auf.Und zu allem Überfluss sind große Teile von Orcs Must Die! einfach wiederverwertet worden, sodass man alle naslang Animationen, Designs oder Sprüche hört, die man schon 2011 auswendig gelernt hat. Das erklärt sich natürlich aus der kurzen Entwicklungszeit, denn wenn man in nicht mal einem Jahr einen Nachfolger zu einem durchaus aufwändigen Titel rauspumpen muss, bleibt eben so manches auf der Strecke. Das, was wirklich neu ist, ist durchaus gelungen, es ist nur eben nicht so besonders viel, sondern fühlt sich eher nach einem Add-on für den Vorgänger an – dafür will man aber von uns etwa 15 Euro.
Immerhin kann man einige der Karten in einem zweiten Spielmodus angehen, dem Endlosmodus, in dem man sich möglichst lange gegen unzählige Feinde halten muss. Belohnt wird man mit zusätzlichen Upgrades, also durchaus kein reiner Selbstzweck und nochmals eine motivierende Nummer. Außerdem kann man im Klassikmodus Karten aus Orcs Must Die! mit den neuen Items spielen, was auch ganz niedlich ist.
Mit dem zweiten spielbaren Charakter geht einher, dass man jetzt mit Freunden im Koop-Modus die Karten gemeinsam zocken kann. Das ist in Verbindung mit dem neuen, größeren Fallenarsenal natürlich ein enormer Spaß, der allerdings wieder daran krankt, dass Zauberin und Kriegsmagier genau genommen keine eigenen Stärken und Schwächen haben. Doch wenn man sich abspricht und so verschiedene Werkzeuge mit in die Schlacht bringt, erlangt das Spiel noch mal eine Spur Tiefe, davon abgesehen, dass es immer schön ist, jemand anderem die Schuld geben zu können.
Am Ende hatte man 'ne Menge Spaß mit OMD2, aber es bleibt ein gewisser Nachgeschmack.Doch gerade hier wird klar, dass Orcs Must Die! 2 mit ein paar Kniffen so viel mehr sein könnte. Gerade, wenn man den sich aufdrängenden Vergleich zum Überraschungshit Dungeon Defenders zieht, fragt man sich, warum bei Robot Entertainments neuerlichem Tower-Defense-Spektakel nach all dem Spaß ein fahler Beigeschmack bleibt. Es liegt nicht daran, dass OMD!2 schlecht wäre, ist es ganz und gar nicht.
Es liegt daran, dass ein Witz nicht besser wird, wenn man ihn wiederholt. Der erste Teil einer neuen Reihe, eben wie Dungeon Defenders oder Orcs Must Die!, kommt aus dem Nichts und kann uns überraschen, aber das Szenario ist bei einer Fortsetzung ein ganz anderes. Wir, die wir gierige Raubtiere sind, wollen bei einem zweiten Teil immer mehr, immer größer, besser, schöner. Diesen Anspruch erfüllt OMD!2 nur bedingt und hinkt deshalb, obwohl es das bessere Spiel ist, in Sachen Wirkung seinem Vorgänger hinterher.
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