Eines war bereits recht früh klar: Operation-Flashpoint-Veteranen mussten sich von dem Anspruchsdenken verabschieden, der dritte Teil würde an alte Zeiten anknüpfen und eine vollwertige Militärsimulation abliefern. Red River sollte Spieler zwar "so nah wie möglich an die Erfahrung, ein US-Marine zu sein, heranführen", so Entwickler Codemasters, sas Spiel sei aber keine Militärsimulation, sondern ein "First-Person-Taktik-Shooter".

Das britische Studio hat sich an seine eigenen Vorgaben gehalten, doch kann das Endresultat tatsächlich überzeugen?

Halt die Klappe, Sergeant!

Dass sich die Operation-Flashpoint-Reihe von seinen Wurzeln entfernt hat, wissen Anhänger spätestens seit "Dragon Rising", das sich hinsichtlich der kriegerischen Authentizität sowie Komplexität bereits meilenweit vom erfolgreichen und beliebten Vorgänger distanzierte. Red River, für das übrigens Games for Windows erforderlich ist, schlägt nun in genau die gleiche Kerbe, verstärkt dabei aber vor allem die Qualität im Bereich Präsentation und 4er-Koop.

Operation Flashpoint: Red River - Harte Kerle müssen auch mal einstecken können7 weitere Videos

Was jedoch mit als Erstes auffällt, sind zwei unheimlich nervige Dinge: Erstens wird hier ständig und quasi ohne Unterbrechung geflucht und mit derber Sprache agiert, dass man schnell den Ton herunterdrehen möchte. Der für unsere Bravo-Einheit zuständige Sergeant Knox beleidigt seine Männer und die Bewohner von Tadschikistan - dem Einsatzort - beinahe ohne Unterlass.

Operation Flashpoint: Red River - Weniger Taktik - mehr Spiel?

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Boah! Wann ist diese dämliche Fahrerei endlich vorbei?
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Die Wirkung dieser unflätigen Ausdrucksweise nutzt sich jedoch sehr fix ab. Selbst wenn mal ein guter Spruch gelingt, geht er in den endlosen Schimpftiraden und dem ewigen Geprolle einfach unter. Man wünscht sich, den aus dem Humvee klingenden Heavy-Metal-Soundtrack (u.a. Megadeth und Pantera) lauter drehen zu können - geht aber leider nicht.

Und da wären wir bereits beim zweiten Punkt: Viel zu oft und viel zu lange sitzen wir uns in diesen Vehikeln den Hintern platt, minutenlang fahren wir im offenen (!) Fahrzeug durch die wüstenähnliche oder bergige, jedenfalls meist sehr karge, Landschaft und warten auf den nächsten Einsatz. Dauert eine Mission 60 Minuten, verbringen wir davon gut und gerne 15 untätig im schaukelnden Vehikel, ohne dass diese Fahrten abzubrechen wären. Und das ist entschieden zu viel.

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Kein Call of Duty

Wie seinen Vorgängern gelingt es jedoch auch Red River, ein dichtes und glaubwürdiges Szenario zu erschaffen, in dem das von uns geleitete Viermann-Feuerteam nur ein kleines Rädchen im großen Konflikt darstellt. Während andere Einheiten wie Charlie- und Alpha-Squads an diversen Frontabschnitten vorrücken, erhalten wir eigene Aufgaben in unserer Mikrowelt des Krieges. Behaupte Position X, rücke vor nach Y und schalte jeglichen feindlichen Widerstand aus, sichere die Route für den Konvoi. Vom Run-and-Gun moderner Ballerspiele à la Call of Duty ist bei Operation Flashpoint nichts zu spüren.

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Auch Luftangriffe gehören gelegentlich zum Befehls-Repertoire.
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Obwohl: Gerannt wird hier ständig und ausdauernd. Oft müsst ihr minutenlang von einem Wegpunkt zum nächsten latschen, bis überhaupt etwas passiert. Eure Männer folgen euch dabei und ihr seid dafür verantwortlich, die KI-Kameraden per Befehlsmenü taktisch geschickt an den Feind heranzuführen, die Mitstreiter zu positionieren und sie gemäß ihrer Bestimmung einzusetzen. Wo soll der Scharfschütze hin, wo geht der Granatwerferschütze in Stellung, wo der MG-Schütze? Greift ihr nicht zum normalen Gewehr, übernehmt ihr eine dieser Rollen, das Kommando bleibt jedoch immer euch überlassen.

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Meeediiiiiiiiiiiiiiiiic!
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Codemasters hat das Klassensystem für Red River einer kleinen Renovierung unterzogen und will den Spielablauf dadurch vermutlich motivierender gestalten. Zwar war es auch schon früher möglich, seinen Soldaten vor Einsätzen mit unterschiedlichen Ausrüstungsgegenständen zu versorgen, nun erhaltet ihr durch erfolgreiche Taten und verschiedene Nebenaufträge Erfahrungspunkte und schaltet zusätzliche Waffen oder Gadgets frei.

Auf diese Weise erweitert sich zum einen das Spektrum der zur Verfügung stehenden Alternativobjekte, zum anderen steigert ihr die Kenntnisse eurer Spielfigur in Bereichen wie Schussgenauigkeit oder Sprintausdauer. Und es lohnt sich wirklich, Punkte in die Ausbildung der Marines zu investieren, gerade was die Präzision betrifft, haben sie teils drastischen Nachholbedarf. Schon komisch für professionelle Soldaten, aber sei’s drum.

So richtig geht Red River nur im Koop-Modus und härtestem Schwierigkeitsgrad ab.Fazit lesen

Man sollte in Red River ohnehin nicht allzu viel hinterfragen, was nun diese Ausbildung der Figuren im Feldeinsatz betrifft oder ihre Missionen. Dann könnte man nämlich fragen, wie man Kollateralschäden an Zivilisten vermeiden soll, wenn diese im ganzen Spiel weit und breit überhaupt nicht auftauchen... Da konzentriert man sich in bester Soldatentradition lieber darauf, einfach Befehle auszuführen - und diese an die eigenen Untergebenen weiterzugeben.

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Ihr könnt euren KI-Kameraden zahlreiche Befehle geben. Ohne geht es aber auch, sie folgen euch meist wie Schoßhündchen.
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Allerdings könnt ihr euch im normalen Schwierigkeitslevel auch lediglich auf die Erledigung der gestellten Aufgaben konzentrieren. Euer KI-Team folgt euch dann wie ein Rudel gut abgerichteter Schoßhündchen. Sie leisten sich weder allzu große Schwächen noch verfügen sie über eine beneidenswerte Präzision. Gegner, die ihnen vor die Flinte laufen, schießen sie sauber über den Haufen. Alles, was weiter entfernt liegt, ignorieren sie entweder oder treffen nichts.

Kassieren sie selber Streifschüsse oder sterben gar, ist das kein Beinbruch. Wenn ihr sie nicht heilt, sind sie am nächsten Checkpoint komplett wiederhergestellt oder sie schaffen das Jesus-Wunder und erstehen wieder auf.

Erst im Koop so richtig heiß

Allerdings tendieren sie leider immer noch dazu, euren Avatar durch die Gegend zu schieben. Liegen wir etwa in einer guten Position mit Blick auf die herannahenden Aufständischen oder Kontrahenten der Chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA), schubsen uns die KI-Kameraden häufig herum, weil sie es auf die gleiche Stellung abgesehen haben.

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Diesmal haben wir den Hinterhalt gelegt...
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Viel besser funktioniert das natürlich, wenn ihr via Koop-Modus (mit Dropin/Dropout-Feature) auf menschliche Mitspieler zurückgreift, die geordnet vorrücken, sich taktisch absprechen und gegenseitig beistehen. Wer auf diese Weise in die Schlacht zieht, wird mit Red River deutlich mehr Spaß haben, als die Kampagne solo durchzuspielen.

Die Feuergefechte sind jedoch meist spannend, weil unsere Kontrahenten ebenfalls recht gut zielen und immer wieder mit überraschenden Hinterhalten für unübersichtliche Situationen sorgen. Zudem ist die Wirkung eines feindlichen Treffers hier deutlich spürbarer als in actionorientierten Shootern: Unser Gewehr verreißt und wir bluten aus - je nach Grad der Verletzung schnell oder langsam. Erleiden wir eine besonders schlimme Verwundung, kann uns nur noch der Einsatz eines der Teamkollegen vor dem Rücksetzpunkt retten.

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Nicht zu fassen, aber das hat es tatsächlich gegeben!
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Leichtere Wehwehchen repariert ihr hingegen selbst. Leider ist das Verhalten der Gegner nicht immer glaubwürdig. So beobachten wir oft, dass sie an festen Stellungen stets die gleiche Route verwenden. In solchen Situationen läuft Red River Gefahr, in anspruchsloses Tontaubenschießen abzudriften. Gut ist dagegen das allgemeine Gunplay ausgefallen. Bei Geschossen kommt vor allem über größere Distanzen ihre ballistische Flugbahn zum Tragen, was für höheren Anspruch beim Ballern sorgt.