2009 wird das Jahr der taktischen Militärsimulationen. Neben Armed Assault 2 von Bohemian Interactive erscheint nach derzeitigen Planungen im Sommer auch Operation Flashpoint 2: Dragon Rising von Codemasters, das die Rechte an der Marke hält, jedoch mit einem völlig neuen Entwicklerteam ins Rennen geht. Die Macher des mit über vier Millionen Mal verkauften Vorgängers werkeln schließlich am oben genannten Konkurrenzprodukt.

Im Hause des britischen Entwicklerteams hält man sich jedoch ganz landestypisch vornehm zurück und will zu all den schwelenden Gerüchten und Streitigkeiten keine Stellung nehmen. "No Comment", heißt es lapidar. Wir hingegen haben einiges von unserem Besuch in Southam zu erzählen, wo wir gemeinsam mit anderen europäischen Magazinen Operation Flashpoint 2 erstmals anspielen durften.

Operation Flashpoint: Dragon Rising - Launch Trailer17 weitere Videos

Work in progress

Im Codemasters Hauptquartier herrschte reges Gedränge an den Gamepads. Jeder Redakteur wollte sich Impressionen aus erster Hand sichern, doch selbst PC-Medien mussten auf die Konsolensteuerung zurückgreifen, da die PC-Fassung noch nicht mit Maus und Tastatur angespielt werden konnte. Dies war jedoch nicht die einzige Einschränkung, mit der man bei diesem ersten Blick auf Operation Flashpoint 2 leben musste: Nur sehr wenige Missionen waren überhaupt spielbar, Vehikel gab es noch gar nicht und über einige Inhalte, wie den Koop-Modus, kann, bzw. darf noch gar nicht im Detail berichtet werden.

Operation Flashpoint: Dragon Rising - Emotional, realistisch, hardcore

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 109/1141/114
Operation Flashpoint 2 soll realistischstes Militär-Feeling bieten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Folge war, dass in den kurzen Spielsessions ständig dieselben Einsätze und Abläufe zu sehen waren, die uns letztendlich einen nur oberflächlichen Eindruck der Taktik-Simulation vermittelten. Vergleiche zwischen PC- und Konsolenversionen sind uns aufgrund der räumlichen Trennung vor Ort und unterschiedlicher technischer Rahmenbedingungen (z.B. Bildschirme / Auflösungen) zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht möglich - was allerdings nicht auf die recht häufigen Programm-Abstürze zurückzuführen ist.

War is dirty

Executive Producer Sion Lenton wird daher auch nicht müde zu betonen, dass es sich bei der gezeigten Fassung um "work in progress" handelt. Was wir zu sehen bekommen, sieht dennoch alles andere als schlecht aus. Man nimmt dem internationalen Team daher durchaus ab, dass man die "hochgesteckten visuellen Ziele" bei internen Versionen bereits erreicht hat.

Packshot zu Operation Flashpoint: Dragon RisingOperation Flashpoint: Dragon RisingErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

So erleben wir detailliert gezeichnete Infanterie-Soldaten und Spec-Ops, die sich auf der Insel Skira bewegen, auf der wir eine enorme Weitsicht bewundern. Mit 220 Quadratkilometern bietet das Eiland genug Spielwiese und zudem eine ganze Palette verschiedener ökologischer Terrains, um unterschiedliche Anforderungen an die Gamer zu stellen.

Operation Flashpoint: Dragon Rising - Emotional, realistisch, hardcore

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Krieg ist schmutzig - wohl wahr!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allerdings kommt es auch häufiger zu hässlichen Pop-up-Effekten, teilweise fehlen die Bodentexturen sogar ganz. Bei dieser frühen Spielversion sind die von Codemasters eingeräumten Probleme beim Streaming der Inhalte zwar nicht weiter beunruhigend, im fertigen Spiel dürfen solche Fehler jedoch nicht mehr vorkommen. Erst recht, da Codemasters die Schlachten auf "Mittel- und Ferndistanz" auslegt und solche Aspekte dann besonders wichtig sein würden.

Allerdings will man nach eigenen Angaben am gewohnten OF-Feeling nichts ändern und dem Vorgänger treu bleiben. Es soll also keinerlei Abkehr vom Prinzip "One Shot - One Kill" geben. Operation Flashpoint 2 soll ganz klar die Hardcore-User ansprechen und sich nicht in Richtung Arcade-Shooter bewegen. "Arcade-Shooter sind zu einfach", behauptet Lenton denn auch in einem persönlichen Gespräch gegenüber gamona.

Operation Flashpoint: Dragon Rising - Emotional, realistisch, hardcore

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 109/1141/114
Die KI funktionierte in userer Vorab-Version noch nicht optimal.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Trotzdem implementiert man ein mehrstufiges Schadenssystem, um das Spiel zugänglicher zu gestalten. Werdet ihr oder einer der bis zu drei KI- bzw. menschlichen Mitspieler nur angeschossen und nicht mit dem ersten Treffer ausgeschaltet, robbt ihr hinter die nächste Deckung und hofft auf Rettung, für die euren Freunden jedoch nur eine begrenzte Zeitspanne zur Verfügung steht. Die Kombination altbewährter Spielmechaniken und neuer Technologien - die Säulen des Titels - sollen Gamer "so nah an den Krieg bringen, wie es überhaupt denkbar ist", erzählt Senior Producer Brant Nicholas enthusiastisch.

Unfassbar realistisch: die erste Militärsimulation, die den Krieg auch auf Konsolen entfacht.Ausblick lesen

Man möchte der "öffentlichen Wahrnehmung von Krieg" so nahe kommen wie möglich und nimmt diesen Anspruch sehr ernst. Neben des augenscheinlichen Eindrucks von ausgewaschenen Farben ("War is dirty") und harten Kontrasten, wirbelt das Geschehen auf dem Schlachtfeld jede Menge Staub und Rauch auf. Außerdem ist die Authentizität immens wichtig, weshalb man ein besonderes Gewicht auf Details bei Ausrüstung und Fahrzeugen legt.

Handgranaten detonieren demzufolge nicht mit einer großen Explosion und sind nach einer Sekunde Geschichte, sondern explodieren realitätsgetreu eher unauffällig, hinterlassen dafür aber eine sichtbeeinträchtigende Staubwolke. Allerdings hat das Streben nach Originaltreue selbst in Operation Flashpoint 2 seine Grenzen: Bei Fahrzeugen gilt das Pick Up & Play-Prinzip. Sie sollen einfach steuerbar sein und sich ohne große Eingewöhnungszeit bedienen lassen.

Künstliche Intelligenz mit Fehler

Ein weiteres wesentliches Kriterium für die gelungene Kriegssimulation ist, wie Codemasters mehrfach betont, zugleich einer der am schwierigsten umzusetzenden Spielinhalte: die KI-Soldaten. Um sie menschlich wirken zu lassen, sollen sie nicht nur die Lage einschätzen und sich dementsprechend verhalten - also vorrücken, flankieren oder sich zurückziehen - sondern auch unabhängig von geskripteten Ereignissen agieren und Fehler verursachen können.

Operation Flashpoint: Dragon Rising - Emotional, realistisch, hardcore

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Auf den riesigen Schlachtfeldern lohnt der Transport per Hubschrauber.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In der gezeigten Fassung geschah das aber doch etwas zu häufig, und so ließen sich Feinde beim Versuch, ihre Kameraden zu retten, teilweise zu einfach über den Haufen ballern. Manchmal reagierten sie gar nicht oder nur verzögert.

Dafür befolgen unsere Teamkameraden die einmal gestellten Befehle umgehend (sofern sie nicht gerade mit Sterben beschäftigt sind...), was via entschlacktem Interface bereits nach wenigen Momenten recht intuitiv von der Hand geht. Und das, obwohl mehrere Befehlslevels vielschichtige Kommandostrukturen verbergen. Vieles davon zeigt sich euch jedoch nur dann, wenn es auch tatsächlich einsetzbar ist und vereinfacht damit die Navigation im Menü sowie die allgemeine Ergonomität.

Operation Flashpoint: Dragon Rising - Emotional, realistisch, hardcore

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 109/1141/114
Granateneinschläge sollen eher realistisch denn spektakulär werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Abhängig davon, welchen Schwierigkeitsgrad ihr wählt, stellt euch das Interface auch mehr oder weniger Hilfen zur Verfügung. Je fordernder ihr spielen wollt, desto weniger unterstützende Anzeigen werden eingeblendet. Außerdem beeinflusst das auch das Verhalten des Spiels im Bezug auf automatische Speicherstände.

Von dieser Wahl unbeeinflusst bleibt jedoch das mitgeführte Waffenarsenal von zwei Hauptwaffen, einer Pistole sowie einem Nahkampfmesser. Eine "magische Tasche", in der man Dutzende Schießprügel versteckt, soll es hier nicht geben. Einige Geschütze wie der Raketenwerfer benötigen sogar einige Sekunden, bis sie zusammengebaut und einsatzfähig sind.

Apropos Waffen: Operation Flashpoint 2 wird nicht nur unterschiedliche Arten von Munition enthalten, mit der man Objekte (also auch Deckung) penetrieren kann, alle Projektile unterliegen außerdem einem realistischen Ballistik-Modell, sodass es auch zu tödlichen Querschlägern kommen kann, wenn man sich hinter der falschen Deckung verschanzt - wie uns Sion Lenton ungewollt in seiner Vorführung demonstriert und dafür prompt einige Lacher erntet.