Röhrende Motoren, fette Bässe, Dreck und waghalsige Sprünge: Rennspiel-Veteran Codemasters schickt mit „Onrush“ abermals einen Fun-Racer auf die Piste. Doch macht der virtuelle Abnutzungskrieg wirklich Spaß?

Im Arcade-Rennspiel gibt's immer dann Punkte, wenn ihr andere Fahrzeuge zu Schrott fahrt. Klingt genau nach eurem Geschmack? Dann schaut euch den Trailer an:

Onrush - Race, Wreck, Repeat2 weitere Videos

Der britische Entwickler Codemasters kennt sich in Sachen Rennspiele aus wie kaum ein zweites Unternehmen: Bereits 1998 rollte das erste Colin McRae Rally an den Start, die Dirt-Reihe zählt heute zu den erfolgreichsten Racern überhaupt und seit 2009 arbeiten die Briten auch an Spielen zur Formel 1. Allerdings steht nicht immer nur der Realismus auf dem Programm, gelegentlich gibt es auch Ausflüge in den Spaß-Bereich, etwa mit den „Micro Machines“, die seit 1991 über die Fahrbahn brettern. Mit Onrush will Codemasters nun erneut ein actiongeladenes Arcade-Rennspiel an den Start bringen. Klappt das? Die klare Antwort: Jein.

Onrush im Test: Hier dreht sich alles um actionreiche Rennen gegen feindliche Fahrer. Jagt eure Gegner über die Strecke oder springt einfach von oben auf die Karren.

Einfacher Einstieg

Bevor ihr überhaupt in das Menü des Spiels kommt, erwartet euch ein kleines Tutorial. Etwas Gas geben, etwas Lenken, ein paar unbedeutende Gegner von der Strecke pusten – das reicht als kleine Einführung in Onrush.

Man erfährt sofort: Es existiert keine Rundenzahl, keine Start- und Ziellinie, ja nicht einmal wirkliche Platzierungen. Ihr fahrt und erfüllt verschiedene Aufgaben, je nachdem, welchen Modus euch das Spiel gerade vorgibt. Zur Auswahl stehen für die wilde Raserei insgesamt acht Fahrzeuge: zwei Motorräder und sechs Autos. Jedes Fortbewegungsmittel wirbt mit unterschiedlichen Fähigkeiten, mit denen ihr Gegner schikaniert oder eure Team-Mitglieder unterstützt. Teams? Ja, ihr fahrt in Onrush niemals alleine, sondern immer in Gruppen mit jeweils sechs Fahrern.

Von der Straße pusten

Die Fahrzeuge stellen so etwas wie Klassen dar, wie man es sonst nur aus Rollenspielen kennt. Jede Klasse besitzt dabei zwei Basisfähigkeiten und eine Art ultimativen Angriff. Beispiel: Das Motorrad „Outlaw“ stampft auf Wunsch nach einer Sprungschanze auf und beschädigt gegnerische Raser in der Nähe – was vor allem den Kollegen bei Ramm-Attacken hilft. Beim ultimativen Angriff entzieht der „Outlaw“ den Feinden einfach die Turboleiste – die im Spiel so etwas wie den Dreh- und Angelpunkt aller Aktionen darstellt. Dazu aber gleich mehr. Jedes Vehikel kommt aber mit ganz eigenen Fähigkeiten daher. Gut: Damit ihr am Anfang nicht den Überblick verliert, bietet „Onrush“ allerlei nette Erklärungsvideos.

Im Einzelspieler erhaltet ihr vor jedem Match Herausforderungen. Bei mehreren Rennen in Folge steigen auch die Aufgaben, wie hier bei der Weekender-Herausforderung.

Simples Spielprinzip

Die bereits erwähnte Turboleiste ist für jedes Rennen wichtig. Denn nur bei aktivem Turbo baut ihr Punkte für den ultimativen Angriff auf, und auch nur so haltet ihr mit den anderen Fahrern mit. Die Leiste füllt ihr mit unterschiedlichen Aktionen: Zerstört gegnerische Fahrzeuge oder springt besonders cool über Abhänge. Außerdem gurken auf der ganzen Karte graue Autos und Motorräder umher, die euch keinen Schaden zufügen, dafür aber wie Schmeißfliegen von der Strecke donnern, sobald ihr gegen sie fahrt – auch das erzeugt Turbo.

Wer dieses Prinzip verinnerlicht, der hat auch schon das komplette Game verstanden. Richtig blöd allerdings: Nach einem Takedown greift euch das Spiel nicht unter die Arme – im Gegenteil. Schießt ihr einen Gegner von der Strecke, dann genießt ihr dies in Zeitlupe, könnt dafür aber euer Fahrzeug kaum noch steuern. Gerade bei riskanten Manövern landet ihr deswegen in der Regel selbst im Gebüsch oder in einer Felswand und müsst bis zum nächsten Einstieg warten. Das haben andere Spiele wie Burnout 3: Takedown vor etlichen Jahren besser hinbekommen, denn diese setzten das Fahrzeug für kurze Zeit auf eine Art Schiene, bis der Spieler wieder bereit für die Fahrt war.

Abwechslung wird auch bei den Karten großgeschrieben. Erst fahrt ihr über eine riesige Schlucht, ein paar Sekunden später rast ihr darunter durchs Flussbett.

Vier Modi für ein Halleluja

Für die erhoffte Abwechslung sorgen bei Onrush vier verschiedenen Spielmodi. Bei „Overdrive“ sammelt ihr mit verrückten Aktionen und Turbo Punkte, bei „Lockdown“ fährt vor dem Fahrerfeld eine Zone. Das Team, das diesen Bereich für einige Sekunden hält, ergattert einen Punkt. In „Countdown“ läuft eine Uhr gnadenlos gegen euch – den Timer füllt ihr durch Zeittore wieder auf. Wer zuerst auf Null fällt, verliert. Wirklich cool spielt sich auch der „Switch“-Modus, bei dem alle Fahrer mit dem Motorrad beginnen. Wer crasht, der wechselt eine Wagenklasse höher, verliert aber ein Leben. Das Team, das zuerst keine Leben mehr besitzt, ist raus. Aber keine Sorge: Egal, welchen Modus ihr auch spielt, ihr dürft immer und zu jederzeit mitfahren, auch nach dem gefühlt hundertsten Crash. Nicht überspringbare Wiederholungen und fünf Sekunden Wartezeit bis zur Rückkehr nagen jedoch am Nervenkostüm.

Tolle Action und packende Rennen. Nur in Sachen Umfang und Möglichkeiten schwächelt der Titel etwas. Leider fehlt ein Splitscreen für lokalen Mehrspieler völlig.Fazit lesen

Mehrspieler ohne Splitscreen

Trotz dieser vier tollen und recht abwechslungsreichen Modi lahmt das Spiel in puncto Umfang. Der Einzelspieler erzählt grob die Geschichte der Entstehung von Onrush als Weltevent, begleitet von kleinen Videos. Im Endeffekt fahrt ihr aber immer und immer wieder über immer die gleichen Strecken und erfüllt immer dieselben Aufgaben für Punkte, mit denen ihr weitere Events freischaltet. Das macht zwar dank der großartigen Präsentation Spaß, einen Innovationspreis gewinnen die Macher aber sicherlich nicht.

Für erfolgreiche Fahrten und entsprechende Level-Stufen erhaltet ihr Lootboxen mit neuen Skins, Emotes, Tricks und Grabsteinen für Fahrer und Fahrzeuge. Das geht am Anfang noch schnell, später dauert es jedoch recht lange.

Auch im Mehrspieler-Modus folgt ihr dieser Devise und fahrt und fahrt und fahrt. Die menschlichen Gegner sorgen dabei natürlich für etwas mehr Chaos und Abwechslung. Optisch unterscheidet ihr euch von euren Gegnern durch unterschiedliche Fahrzeug-Designs und Charaktere mit besonderer Kleidung. All diese Dinge schaltet ihr über Lootboxen frei, die ihr nach jedem Levelaufstieg im Spiel erhaltet, oder aber über Ingame-Währung. Alle Änderungen sind rein optischer Natur, Einstellungen und Feintuning am Wagen existieren nicht. Auch könnt ihr mit Freunden zusammen und gegeneinander fahren – jedoch nur online! Gemütlich auf der Couch mit Kumpels wetteifern? Nicht bei Onrush! Eine Schande, denn gerade solche Games sind prädestiniert für Splitscreen-Action – das haben Spiele wie Blur und Split/Second: Velocity schon vor vielen Jahren vorgemacht.

Ordentlich was unter der Haube

Grafisch hat Codemasters solide Arbeit abgeliefert, doch die teils gigantischen Strecken ziehen ohnehin in wenigen Sekunden an euch vorbei. Die Karten sind sehr abwechslungsreich: Egal, ob riesiger Damm, hügelige Berge und Schluchten oder ein Fabrikgelände mit massiven Silos – es gibt immer etwas zu entdecken. Effekte und Takedowns – also Abschüsse von Gegnern – überzeugen außerdem auf ganzer Linie. Die Framerate bleibt dabei immer auf einem angenehm hohen Niveau. Richtig Klasse: Unterschiedliches Wetter sowie Tages- und Jahreszeiten machen verdammt viel Spaß, auch wenn eine Fahrt in tiefster Nacht eher zum Blindflug wird.

Gute, schlechte, aber vor allen Dingen neue Spiele im Juni:

Bilderstrecke starten
(11 Bilder)

Bei Musik und Geräuschen dröhnt euch das Spiel hingegen regelrecht von der Couch. Fette Beats aus den Genres Rock und House heizen die rasante Fahrt ordentlich an, Motorgeräusche und Crashs sorgen zusätzlich für Spannung.