Es gibt Spiele, die hat man kaum eingelegt/installiert, da weiß man schon, dass man sich gar nicht weiter mit dem Titel beschäftigen mag. Doof nur, wenn einem im Nachhinein einfällt, dass das sein Job ist und man keine andere Wahl hat. Also „Pirate Warriors 2“ wieder in die Verpackung zurückgelegt und „Unlimited World Red“ in die zweite Runde geschickt... Unterm Strich: kein guter Tausch.

One Piece: Unlimited World Red - Deluxe Edition - Bald auf Switch, PS4, PC3 weitere Videos

Ich werde König der Piraten

Um es direkt geklärt zu haben: „One Piece: Unlimited World Red“ ist kein grottenschlechtes Spiel. Da gibt es bessere Kandidaten auf diesen „Ehren“-Titel. Doch es ist eine Enttäuschung. Eine Enttäuschung für jeden, der die positive Entwicklung sieht, die Animegames durchgemacht haben und weiß, wie viele hochwertige Titel es da draußen gibt.

Spätestens nach dem – für Fans – recht eindrucksvollen „Pirate Warriors 2“ waren die Erwartungen relativ groß. Doch leider wurde nichts aus dem „echten“ One-Piece-Adventure. Stattdessen bekommt ihr ein halbgares Spiel, dessen Zielgruppe irgendwo zwischen sechs und zwölf angesiedelt sein dürfte. Paradox, da selbst die jüngsten OP-Fans der ersten Stunde mittlerweile zwanzig sind.

One Piece: Unlimited World Red - "Unlimited" ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort

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Patrick Redfield, der rote Graf.
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Und daran ist dieses Mal nicht die Hintergrundgeschichte schuld. Zwar wirkt sie wie eine Füllerfolge aus der Animeserie oder einem der nicht so gut gelungenen Filmumsetzungen, doch versucht man wenigstens sich an die Vorlage zu halten und ein Abenteuer zu erzählen, dass gut und gern zwischen den einzelnen Staffeln spielen könnte.

So trifft die Strohhutbande diesmal auf den roten Graf, einem Piraten, der so mächtig ist, dass er sich seinerzeit sogar mit Gol D. Roger und Whitebeard anlegen konnte. Über viele Jahre saß er in Impel Down gefangen, doch nach Blackbeards großer Befreiungsaktion hat er sich wieder auf die Grandline gewagt und verfolgt seine finsteren Pläne.

Packshot zu One Piece: Unlimited World RedOne Piece: Unlimited World RedErschienen für 3DS, PlayStation Vita, PS3, Wii U, PC, PS4 und Nintendo Switch kaufen: Jetzt kaufen:

Nicht wirklich einfallsreicher als die Storyline des zehnten OP-Films, aber besser als das, was die meisten Spiele dieses Anime auf die Beine stellen. Großer Pluspunkt: der Graf und sein kleiner Freund, der Waschbär Pato, stammen aus der Feder von Serienschöpfer Eiichiro Oda. Leider ist diese „Füller-Story“ und die beiden Antagonisten auch schon das Beste, was dieser Zeitenrauber zu bieten hat.

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Die Kampfeinlagen sind leider mehr als simpel.
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Pixel-Kloppies

Da seid ihr nun. Auf einer kleinen Insel angekommen, die den Ausgangspunkt eurer Reise und eurer wilden Schlachten darstellt. Hier sehen die Gebäude noch aus, als seien sie aus Lego erbaut und die NPCs wie schrecklich entstellte Unfallopfer. Die Grafik ist ja generell schon kein Hit, aber hier wird klar, wo die ungeteilte Aufmerksamkeit liegt.

Alle wichtigen Orte und Charaktere wurden hübsch aufpoliert und detailverliebt umgesetzt. Alle anderen sollten sich freuen, wenn sie keinen Spiegel zur Hand haben. Das ist leider ein Problem in „One Piece: Unlimited World Red“, das sich von Beginn an bis zum Ende zieht. Man sieht dem Titel jede Sekunde an, dass es nicht viel Zeit auf Äußerlichkeiten verschwendet hat. Leider reichen ein paar gut umgesetzt Charaktere nicht, um die Augen über Stunden der Spielzeit zu schonen.

Witzige Klopperei für Kinder. Ältere Fans gehen an der Ideenlosigkeit zu Grunde.Fazit lesen

Auf der Playstation ist es noch schlimmer. Keine Sekunde vergeht, in der man nicht überzeugt ist, dass dieses Spiel niemals auf etwas anderem als einem Handheld hätte erscheinen sollen. Aber man wollte wohl einen größeren Markt abdecken oder die „Pirate Warriors 2“-Fans abgreifen. Ich weiß es nicht und möchte es auch nicht wissen. Es sieht einfach nur pixelig und unschön aus. Fertig.

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Und die Grafik ist auch nicht wirklich rosig.
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Im Prinzip kein Prinzip

Was macht ihr nun in dieser Welt, die nicht so wirklich schön aussieht und deren Geschichte euch auch nicht aus den neumodischen Edeltretern hauen wird? Na, ihr lauft rum. Hier und dort, da und da hinten auch. Ihr springt und rennt durch das kleine Dorf auf der kleinen Insel und sammelt kleinen Scheiß und führt kleine, unterirdisch nervige Unterhaltungen.

Einen Moment erinnert es an das „Open World“-Prinzip aus „Naruto: Ultimate Ninja Storm“, in welchem der namensgebende Held auch durch sein Dorf und die Landschaft rennen konnte/musste und jede Menge Kram eingesammelt hat.

Und nichts anderes tut ihr auch hier. Ihr lauft wie der Honk im Kreis, besucht bekannte Locations – wie das Rasthaus – und nehmt kleine Aufträge an. Wie: „Bau doch mal eine Taverne“ oder „Sammel Pflanzensamen und pflanze die hier im Garten ein“. Welch ein Spaß. Rohstoffe aus Truhen und Gegenständen kloppen und dann Gebäude bauen, in denen ich weitere Rohstoffe bauen und kaufen kann. So kennen wir One Piece. Immer unterwegs. Immer am sammeln.

Bumm. Zack. Peng.

Natürlich besteht das Spielprinzip nicht daraus, dass ihr euch in einem kleinen Dorf die Hacken blutig lauft. Nein, es wollen Abenteuer erlebt werden. Und so macht ihr euch auf die Suche nach den anderen Strohhüten, die betäubt und entführt wurden. Zum Glück hat Kapitän Ruffy großes Vertrauen in die Überlebenskünste seiner Kameraden und findet die Zeit, vorher im Gasthaus abzuhängen und mit den hässlichen Gesichtsbaracken in der Nachbarschaft zu reden.

Danach folgt Action. Oder sowas ähnliches wie Action. Oder zumindest... Nein, eigentlich nicht. Eigentlich folgt nur eine minimalistische Version dessen, was man bereits kennt. Der rote Graf erschafft mit der Hilfe des kleinen Waschbären Pato „realistische“ Versionen von Orten, an denen die Strohhutbande bereits kämpfen musste. So gibt es ein Wiedersehen mit Alabasta, der Fischmenscheninsel und und und.

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Das Spiel erscheint bei uns am 27.6.2014 auf dem 3DS, PlayStation Vita, PS3 und der Wii U.
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Das ist an sich schon nicht sehr einfallsreich und steht im starken Kontrast zu den neuen Charakteren, die von Oda speziell für dieses Adventure erschaffen wurden. Hätte man diesem Aufwand eine entsprechende Geschichte, eine entsprechende Welt geliefert, wären Grafik und Gameplay vielleicht nicht mehr ganz so schrecklich zu ertragen gewesen.

Aber so kloppt ihr euch durch drücken von drei Tasten durch Welten, die in früheren Besuchen deutlich besser ausgesehen haben. Ihr haut ein paar Gegenstände aus denen dann Objekte rausfallen, trefft alle Jubeljahre mal eine Gruppe von Feinden und haut diesen den Unsinn aus dem Kopf und sucht nach „Wörtern“; im Grunde auch nur Fähigkeiten, die euren Charakter stärker machen.

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Der Vergleich mit "Pirate Warriors" liegt nahe. Doch große Schlachten gibt es hier nicht. Dafür große Gegner.
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Nach und nach spielt ihr neue Charaktere frei und könnt irgendwann mit der ganzen Bandbreite der Strohhutbande spielen. Einer seid ihr, zwei folgen euch und machen stets minimalen Schaden beim Feind, während sie selbst unsterblich sind. Bis ihr fallt. Dann wechselt ihr zu einem eurer Freunde und das – quasi – Dauerdrücken von Angreifen und Ausweichen geht in die nächste Runde. Bis euch klar wird, dass ihr eigentlich nur noch ausweicht. Daraus besteht drei Viertel der Kämpfe.

Kämpfe, die leider in keinem Verhältnis zu der Vorlage stehen. Wer One Piece kennt und sieht, wie Ruffy mit „Gear 2“-Angriffen auf einfache Soldaten einprügelt und diese schlichtweg nicht umfallen wollen, während sie gleichzeitig ein Fünftel eurer Lebensleiste pro Angriff zerfetzen … Nun, ja. Der weiß wohl wovon ich rede.

Das Prinzip sieht dabei ähnlich aus wie in „Piarte Warriors 2“. Jedoch habt ihr es nicht mit gigantischen Gegnermassen zu tun, sondern kleinen Gruppen von Feinden, die in einer Art „Open World“ bekämpft werden. Manchmal auf freiem Feld, manchmal auf begrenzten Raum. Doch so unpassend das Kräfte-Balancing für ein One Piece ist, so simpel ist auch die Steuerung im Vergleich zu „PW 2“. Die große Bandbreite an Attacken wird vermisst und das Spielprinzip so schnell mehr als eintönig.

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Zu dritt unterwegs, statt wie bisher alleine. Bringt aber nicht wirklich Abwechslung ins Spiel.
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Boss-Hoss

Neben all den negativen Kritiken, die ich hier dümmlich grinsend um mich schmeiße, gibt es auch immer wieder einen kleinen, durchaus positiven Punkt. „One Piece: Unlimited World Red“ kann mit Bossen aufwarten, die sehr viel cooler sind, als alles was normalerweise in einem OP-Game so geboten wird. Selten stimmen die Größenverhältnisse wie sie sich Oda ausgedacht hat. Doch hier ist ein Whitebeard so beeindruckend wie er sein muss.

Das gilt auch für alle anderen Figuren und macht die Endkämpfe – für einen OP-Fan – durchaus interessant. Gigantische Attacken und ein Spektakel aus fliegenden Fäusten. Optisch sehr beeindrucken, spielerisch so anspruchslos wie die Kämpfe gegen die Gegnermassen. Im Grunde attackiert euch der Feind mit den immer gleichen drei lieblos ausgeführten Angriffen und ihr drückt „Ausweichen“ bis der Finger blutet. Dann nutzt ihr die Lücke in der Abwehr, zimmert dem Gegner ein paar wohl gezielte Schläge ins Gedächtnis und dann beginnt der verhasste Ablauf von vorn.

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Vielleicht der beste Teil der "Unlimited"-Reihe. Gut ist er dadurch aber auch nicht.
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In der Arena des Grauens

Eigentlich der einzige richtig gute Grund, sich diesen Titel zu beschaffen. Neben der Singleplayer-Kampagne, die schon einige Stunden zeit frisst, gibt es noch den Arena-Modus. In verschiedenen Modi tretet ihr mit vielen freischaltbaren Charakteren gegen mächtige Feinde an. Ob einer gegen einen, zwei gegen zwei oder in einem furiosen Royal Rumble.

Das sieht nicht schöner aus als der Rest des Spiels und die Steuerung bleibt der gleiche Drei-Tasten-Mist wie zuvor. Dafür ist die Abwechslung größer und der Spielspaß ist nach einer halben Stunde noch kein Geschenk für die Tonne. Viel länger hält er zwar nicht durch, doch für eine gemütliche Runde am Abend könnte es reichen... Wenn man stark schmerzbefreit ist.