Wenn Anime-und Manga-Hits eine Videospieladaption erhalten, müssen Entwickler wie auch Fans den größtmöglichen Kompromiss eingehen. Zum einen soll die Spielumsetzung für die Originalserie werben und Neulinge ansprechen. Zum anderen soll damit der treuen Fangemeinde wie auch dem Haupttitel Respekt gezollt werden. Besonders bei einem fast 20 Jahre existierenden Epos wie One Piece, das vom Piratenjungen Strohhut-Ruffy und seiner Suche nach dem titelgebenden Schatz erzählt, dürfte es aber schwer werden, beiden Ansprüchen gerecht zu werden.

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Je weiter die Geschichten der Serien fortschreiten, desto schwieriger lässt sich bei der Spielentwicklung eine Lösung auf die Frage nach dem idealen Mittelweg finden. Im Falle der Piratensaga ergibt sich angesichts des beachtlichen Umfangs von mittlerweile über 750 Kapiteln eher die rhetorische Frage, ob eine Videospielhandlung diesen Ausmaßen überhaupt jemals gerecht werden kann.

One Piece: Burning Blood - Wenn sich Piraten gewaltig eine überbraten

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Wie schon beim Genrekollegen J-Stars Victory VS.+ lassen sich Teile der Umgebung, wie es sich für einen klassischen Shounen-Fight gehört, in Schutt und Asche legen.
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Kreativschmiede Koei Tecmo hat es vor einigen Jahren bei den Pirate-Warriors-Ablegern immerhin mit verschiedenen Ansätzen versucht. Mal hielt man sich lose an die Ereignisse der Hauptgeschichte. Mal wurden sie zugunsten einer sehr offenen Interpretation um neu erdachte Szenen und Charaktere ergänzt. Das letztere Prinzip ähnelt vom Konzept her den Filler-Folgen bei der Animeserie, bei denen die Autoren versuchen, die neuen Handlungsstränge möglichst an den kanonischen Inhalt anzupassen. Nicht immer stößt diese Idee auf positive Resonanz und doch ist es bei den verschiedenen umgesetzten Medien wie Verfilmungen, Romanen oder Hörspielen eine beliebte Vorgehensweise, um Interesse für das ursprüngliche Originalmedium, den Manga, zu wecken.

One Piece: Burning Blood, die neueste Adaption von Spike Chunsoft, will primär Serienkenner ansprechen und folgt daher dem Prinzip des letzten Warriors-Teils, der sich sich erzählerisch eher an den Ereignissen des Originals orientiert hat. Doch während die Warriors-Serie den Fokus auf Massenschlachten gesetzt hat, versucht Burning Blood sich auf die alten Wurzeln der ersten One-Piece-Spiele zurückzubesinnen und setzt auf überschaubare Mann-gegen-Mann-Kämpfe.

In der Kampagne gibt es den sogenannten „Paramount War“-Modus, der sich auf den 22. großen, gleichnamigen Handlungsabschnitt (alternativ auch als Marine Ford Arc bekannt) bezieht. Dieser Handlungsbogen gilt als einer der größten Höhepunkte der Serie und setzte zum damaligen Zeitpunkt durch nationale wie auch internationale Manga-Verkaufsrekorde neue Maßstäbe. Aufhänger der Geschichte ist die bevorstehende Hinrichtung von Ruffys Bruder Ace. Der ist Teil der legendären Whitebeard-Piratenbande, die infolge des Todesurteils Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um ihr Mitglied zu befreien. Die Rettungsaktion, an der sich auch Strohhut-Kapitän Ruffy beteiligt, gipfelt schließlich in einem großen Aufeinandertreffen und einer Seeschlacht gegen die autoritäre Marine. Innerhalb dieser Kampagne durchlauft ihr aus der Sicht verschiedener Charaktere – Helden wie auch Antagonisten – einzelne Stationen auf einer Karte und müsst zahlreiche Arenakämpfe gegen die jeweils andere Partei bestreiten.

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Piratenkaiser Whitebeard ist erzürnt und kennt keine Gnade gegenüber denen, die seinem Schützling Ace nach dem Leben trachten.
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Nix mit Button-Mashing

In vielen Abschnitten der Kampagne stehen euch festgelegte Teampartner zur Seite. Diese unterteilen sich in passive Verbündete, die durch das Auffüllen eurer Special-Leiste für verschiedene Status-Buffs sorgen, und Kameraden, die euch im Kampf aktiv beistehen. Auch wenn es sich so anhören mag, wird hier allerdings nicht gemeinsam als Gruppe auf den Putz gehauen. Zwar besteht ein Team aus maximal drei Personen, gekloppt wird allerdings wie eingangs angedeutet nur im Solokampf. Erst durch Knopfdruck bringt ihr euren Verbündeten ins Spiel, der den Platz eures aktuellen Kämpfers einnimmt. Ganz zu Beginn macht sich die Notwendigkeit der Partnerwechsels vielleicht noch nicht bemerkbar. Sobald ihr aber bei stärkeren Gegnern immer mehr in Bredouille geratet, werdet ihr für diese Funktion stets dankbar sein.

Herausfordernde Kämpfe gepaart mit Shounen-typischem Pathos und brachialer Action machen Burning Blood zwar nicht zu einem herausragenden, spielerisch jedoch grundsoliden Prügler.Fazit lesen

Zum einen könnt ihr den Tausch eurer Teammitglieder nutzen, um Zeit zu gewinnen, damit sich der pausierende Charakter regeneriert, während der andere für ihn weiterkämpft. Aber auch als Erweiterung einer langen Angriffskette erweist sich dieser Wechsel als taktisch äußerst hilfreich. Besonders wenn der Gegner nach mehreren Treffern noch gerade so auf den Beinen steht und zum Gegenschlag ausholen will, kann der einspringende Partner die vorige Schlagabfolge fortsetzen und das K.O. besiegeln. Wie kampfentscheidend so eine winzig kleine Energieleiste und ein paar Sekunden sein können, macht sich unter anderem bei den Dreier-Kämpfen bemerkbar, wenn alle Vertreter des Teams regelmäßig zum Einsatz kommen. Landet ihr am Anfang einer Schlagabfolge einen frühen Treffer, könnt ihr durch weitere Aktionen eine Menge zusätzlichen Schaden auslösen, was nicht selten den kompletten Energiebalken auf ein winziges Drittel reduzieren kann. Das mag sich kombolastig anhören, ist aber letzten Endes nur von der richtigen Reaktion beziehungsweise dem richtigen Knopfdruck zum rechtzeitigen Moment abhängig.

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Manche Genre-Kollegen brüsten sich mit einer großen Charakterauswahl, die mittlerweile sogar gelegentlich dreistellig ist. Bei One Piece: Burning Blood liegt alles noch im überschaubaren Rahmen.
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Wendet ihr beispielsweise dieselbe Angriffskette bei einem Gegner an, der rechtzeitig blockt, kann sich das Blatt sehr schnell zugunsten eures Rivalen wenden. Der letzte Schlag einer Kette macht zwar mehr Schaden, ist aber auch meist der, bei dem eure Figur am meisten Zeit zum Ausholen braucht. In diesen wenigen Sekunden seid ihr eurem Gegner schutzlos ausgeliefert. Kontert er wiederum mit einer Angriffskette, kann es euch schnell passieren, dass ihr trotz anfänglichen Vorteils alsbald am Boden liegt. Ihr werdet auch früh genug feststellen, dass es in den meisten Fällen gar nicht so viel bringt, den Gegner mit Spam-Schlagangriffen oder im Dauerfeuer mit Distanzattacken einzudecken. Zwischen einem gezielten, aufgeladenen Angriff, der besonders gut gegen verteidigende Kontrahenten geeignet ist, und dem Schaden, der durch viele leichte Angriffe verteilt wird, liegen Welten. Mit Button-Mashing kommt ihr hier also nicht sehr weit.

Dies ist nur eine von vielen taktischen Kampfgrundlagen in Burning Blood und zugegebenermaßen werdet ihr nicht alles auf Anhieb nach ein paar Tutorial-Abschnitten verinnerlicht haben. Da ihr aber durch abwechselnde Kämpfer immer wieder Gelegenheiten erhaltet, euch neu auszuprobieren, werdet ihr auch nach und nach ein Gespür für das richtige Timing eurer unterschiedlichen Angriffsfähigkeiten bekommen.

Eine weitere taktisch interessante Facette ist die Einführung eines Schere-Stein-Papier-Prinzips für Teufelskraft- und Haki-Nutzer. So können Logia-Teufelskraft-Nutzer, die in der Serie beispielsweise als eine der stärksten Teufelskraftgruppen gelten, für gewisse Zeit den physischen Schaden der Gegner absorbieren, sind allerdings gegen die übernatürlichen Haki-Konterangriffe sehr anfällig. Der Einsatz im richtigen Moment kann dem Kontrahenten auch schon mal einen großen Batzen an Energie kosten. Auch hier müsst ihr euch individuell mit den verschiedenen Charakteren und ihren jeweiligen Fähigkeiten auseinandersetzen, damit ihr mit der Zeit die geeigneten Gegenmaßnahmen gegen diverse Angriffe herausfindet.

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Auch Manga-typische Soundwords dürfen für die passende Untermalung einer Actionszene nicht fehlen.
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Die Kämpfe in den anderen Modi verhalten sich dabei nicht anders als in der Kampagne. Der Unterschied ist nur, dass ihr in den Freien Kämpfen sämtliche Charaktere auswählen könnt, die ihr bereits in der Kampagne freigeschaltet habt. Ansonsten bietet Burning Blood noch einige nette Möglichkeiten wie den Steckbrief-Modus, bei dem ihr verschiedene Konditionen erfüllen müsst, um wertvolle Steckbriefe und die dazugehörigen Charaktere zu gewinnen. Im Colosseum Tournament könnt ihr Kämpfe mit bis zu neun Mann pro Gruppe bestreiten. Klingt zuerst ganz spaßig. Dadurch, dass ihr den Ring aber nur abwechselnd betreten könnt, können einzelne Runden auf Dauer schon sehr kräftezehrend sein.

Bringt das Fanblut in Wallung

Ob Neulinge letzten Endes auch Spaß an dem sehr Fan-fokussierten Ableger finden, wird wohl davon abhängen, wie aufnahmefähig sie für die geballte Ladung an Nacherzählung sind. Die komplett animierten Cel-Shading-Zwischensequenzen machen zumindest einen optisch sehr ansprechenden Eindruck, wirken teilweise sogar weitaus cineastischer als im Anime und können durchaus Lust auf mehr machen. Leider lässt sich das nicht von den überwiegend bebilderten Textbox-Erzählsträngen behaupten. Durch die krassen Sprünge zwischen beiden narrativen Darstellungsweisen werden einige dramaturgische Momente zudem ihres flotten Erzählflusses beraubt.

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Optisch können sich die Zwischensequenzen sehen lassen. Vor allem, wenn die Teufelskräfte zum Einsatz kommen, fliegen ordentlich die Fetzen.
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Inhaltlich wird der „Marineford“-Handlungsbogen mit all seinen Ereignissen und der kunterbunten Charakterkonstellation für diejenigen, die nicht in der Materie stecken, sehr schwer nachzuvollziehen sein. Das ist aber auch dem eingangs erwähnten Problem des Handlungsumfangs geschuldet. Gerade wegen der narrativen Schwächen, die sich ganz besonders in den distanzierten Textabschnitten zeigen, kommen die einzelnen nacherzählten Handlungsabschnitte einer reinen Synopsis gleich. Daher können Neulinge ihre Probleme damit haben, eine gewisse Empathie gegenüber den Figuren zu empfinden.

Hinzu kommt der eher spärliche Umfang der Kampagne, die sich innerhalb weniger Stunden absolvieren lässt. Daher wird die Langzeitmotivation stark davon abhängen, ob man die Muße dafür besitzt, sich individuell mit den einzelnen Figuren zu beschäftigen. Diese bieten allein durch ihre Fülle (44 an der Zahl) immerhin viele Variationen an eindrucksvoll animierten Angriffs-Movesets. Diese Vielfalt kann die Kampagne nicht bieten. Hier beschränken sich einzelne Handlungsstränge von den Figurenauftritten her lediglich auf einen Bruchteil der Gesamtauswahl. Zudem bekommt man innerhalb der etwa sieben bis zehn Kämpfe pro Strang fast ausschließlich dieselben Gegner in verschiedenen Kombinationen zu sehen. Wer seinen Lieblingscharakter hier als aktive Spielfigur vermisst, muss mit anderen Modi vorliebnehmen. Das sind aber Kleinigkeiten, die euch wohl kaum stören sollten, sofern ihr euch damit arrangieren könnt, die meiste Zeit im Multiplayermodus zu versenken.