Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 2: Johannes Ricke

41
09. September 2008 12:00 Uhr

Nicht ins Farbnäpfchen treten

Könnten also all die Johannes Rickes dieser Welt jetzt bitte darüber nachdenken, ob es wirklich im Sinne einer von Kriegsversehrten freien Welt ist, immer und überall recht haben zu wollen?
Wenn jemand anderes soeben das eigene Lieblingsspiel durch die sachliche Schilderung seiner persönlichen Erlebnisse negativ bewertet hat, ist dies dann wirklich ein Freibrief für einen Lügenvorwurf und muss denn die eigene Erwiderung sogleich von Beleidigungen durchsetzt sein wie ein Speiseeis von Salmonellen nach drei Stunden Hochsommerhitze?

Wenn in einem technischen Forum seitenweise über Hardware X oder Treiber Y geklagt wird, sind das dann alles tatsächlich fantasierende Whiner, nur weil man selbst die Gnade der bugfreien Spielgeburt hatte?
Wenn ein Mitspieler leise die Kritik äußert, dass angesichts einer im Fünfminutentakt erlebten Hinrichtung durch Gankgurus ihm die Suche nach Spielspaß ein wenig zu herausfordernd erscheint und man selbst dank einer allumfassenden Cheatausstattung gleiches nicht nachvollziehen kann, wer zwingt einen dazu, dies mit einem „Dann hau doch ab“ zu kommentieren?

Die Beispiele könnten so mannigfaltig wie die Hautstruktur der eingangs erwähnten und seitdem verschollenen Großmutter weitergeführt werden. Aber ich denke, schön langsam erinnern Sie sich, diesem Johannes Ricke bereits irgendwo einmal begegnet zu sein. Und sei es bei einem Blick in den eigenen Personalausweis.
Ein Johannes Ricke hat die Wahrheit für sich gepachtet und seine phlegmatische Denkstruktur käme niemals darauf, Fantasie oder Einfühlungsvermögen in den mitmenschlichen Umgang einfließen zu lassen. Ganz zu schweigen davon, dass er die rote Zwei auf grünem Grund stets in seinen und niemals in den Argumenten des Gegenübers vermuten würde.

Ein Johannes Ricke mag meinungspolitisch so standhaft wie eine Litfasssäule sein. Doch leider steht seine einseitige unabänderliche Kommunikationsführung dieser in nichts nach.
Und wissen Sie, was das Schlimmste an der ganzen Sache ist?
So oft, wie mir ein Johannes Ricke begegnet, bin ich versucht daran zu glauben, dass genetische Massenproduktion längst Bestandteil unseres Alltags geworden ist.

Inzwischen ist ein Johannes Ricke in vielen Foren dieser Welt Normalität.
Deshalb frage ich mich, wenn so etwas normal ist, wäre es dann nicht an der Zeit, sich von der Masse abzuheben? Und von mir aus auch um den Preis, dass der einzige Weg als nicht normal zu gelten der ist, dem Wahnsinn zu verfallen.