Kennen Sie das? Da wird man mit einem überraschenden Ereignis konfrontiert und stellt sich fassungslos die Frage, wie das sein kann? Zum Beispiel, wenn ich mich frage, wieso ausgerecht heute ein Pickel auf meiner Nase sprießt, wo doch da vorne im Bus meine zukünftige Kopfkissentesterin sitzt?
Oder warum mein Steuererklärungsformular aus 1000 Zeilen mit Absetzungsgründen besteht und ich in keine Einzige davon etwas eintragen kann? Und wieso darf der Staat für mich 27.541 Euro Schulden machen, wo ich persönlich bei jeder Bank Hausverbot habe?
Speziell in der Spielebranche ist eine regelmäßig gestellte Frage, woher viele Firmen ihren Release-Wahnsinn beziehen? Wie kann es sein, dass Spiele unmittelbar nach dem Erscheinen grafiktechnisch von der Perfektion so weit entfernt sind, wie Bodenläuse von der Zimmerdecke? Hat da die komplette Qualitätssicherung einen verfrühten Winterschlaf gehalten oder ist mal wieder der zur Verfügung stehende Etat vorzeitig aufgebraucht worden, weil die adipöse Unternehmensleitung nicht das Spiel sondern den Pizzalieferanten einem Stresstest unterzogen hat?
Ein Hersteller, der unmittelbar nach der Spieleveröffentlichung nicht nur sporadisch, sondern flächendeckend mit Inkompatibilitäten von Grafiktreibern unterschiedlichster Hersteller und Plattformen kämpft, der muss sich vorhalten lassen, ob er den „ausführlichen Beta-Test“ in den nächstgelegenen Zoo outgesourct hat? Oder musste man bereits mit Eintritt in den Family&Friends-Alpha-Test die Überprüfung einstellen, weil Mitarbeiter ausdünstungsbedingt weder über Familie geschweige denn Freunde verfügen?
Oder sind sich diese Hobbycoder sogar bewusst, welcherart Bytepest sie auf die Welt loslassen? Stellen sie hausintern fest, dass ihr Spiel nur bei 2 von 3 Computern vor sich hinruckelt bis abstürzt und hoffen dann darauf, dass nur jede dritte Spielbox verkauft wird? Und wie ist das bei den Konsolen? Können hier nicht Grafikfehler noch viel schwerer übersehen werden? Oder ist das eine Frage der Framerate? Nein, ich meine jetzt nicht die des Grafikprozessors sondern ich frage danach, wie hoch die Framerate der Verantwortlichen ist? Wenn ein Gehirn nur noch eine Leistungskapazität von 5 Gedanken pro Stunde ausführen kann, ist es dann von dem Vorwurf des Vorsatzes freizusprechen?
Doch wollen Sie wissen, was mich am meisten verwundert? Haben Sie sich mal die üblichen Rechtfertigungshinweise zu Gemüte geführt, in dem sich zum Beispiel die Bosse darüber beklagen, von den Grafikkartenherstellern die verkehrten Treiber zur Programmentwicklung zu Verfügung gestellt bekommen zu haben? Allen Grafikkartenherstellern? Alle machen denselben Fehler? Wie kann man, wenn man soeben das Kind mit der Wanne ausgeschüttet hat, dann auch noch dem Wasserwerk die Schuld geben? Wie schäbig ist das denn? Und wieso hatte Pinocchio gleich wieder diese lange Nase? Warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, Voodoo-Puppen im Boss-Design auf den Markt zu bringen? Könnte man damit nicht ein Vermögen verdienen?
Weiter frage ich mich, wieso so oft kurz nach Release bereits die ersten Programmergänzungen zur Verfügung stehen? Wenn Grafikoptionen vorher so selten wie Heizdecken im Solarium waren und dort von einem Tag auf den anderen plötzlich die Vielfalt der grafischen Individualisierung wuchert, dann muss man sich doch wundern oder etwa nicht? Hat man das vorher nicht zulassen wollen, weil man den durchschnittlichen PC-Spieler für dümmer als den Personalchef der jeweiligen Firma hält? Und wenn man binnen weniger Tage dann weiter in der Lage ist, eklatante Performanceverbesserungen in einen Patch zu packen, dann fragt sich, warum dieser geringe Zeitaufwand nicht bereits in die eigentliche Programmentwicklung integriert wird?
Wer könnte auf all die Fragen eine bessere Auskunft geben, als die jeweiligen Firmenhäuptlinge persönlich? Hört man auf diese Frage nicht immer öfter die Antwort, dass der PC nicht mehr als Leadplattform für Spiele angesehen wird? Doch was bedeutet das genau? Soll das heißen, dass alle Entwicklungsarbeit in die Konsolenversionen gesteckt wird und die Portierung auf den PC erst ganz am Ende durch den Firmenhausmeister erfolgt?
Wenn man sowieso den meisten Umsatz mit den Konsolen erwirtschaftet, wieso macht man sich dann trotzdem noch die Mühe der Anpassung? Gibt es da nicht andere Firmen, die auf eine PC-Version bewusst verzichten, weil man den eigenen Ruf nicht durch ein halbherzig erstelltes Produkt ruinieren möchte? Oder will man sich selbst diese paar mickrigen Cent nicht entgehen lassen? Sind es vielleicht mehr als ein paar Cent? Würde dieses Mehr an
Cent nicht ein Mehr an Sorgfalt rechtfertigen? Und ist Pfusch aus Geldgeilheit heraus denn immer noch nicht therapierbar?
Wissen Sie, was in diesem Zusammenhang die grausamste aller Fragen ist? Obwohl, soll ich Ihnen das wirklich antun? Also gut, warum sollten Sie auch nicht genauso leiden wie ich? Was ist, wenn man den Verantwortlichen nicht einmal offen sagen darf, was für unfähige Entscheider sie sind, weil das nur ihre Rachsucht und nicht ihr Umdenken aktivieren würde?
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
SyndicatePC, XBox 360, PS3: 23.2.2012 Test lesen
The Witcher 2: Assassins of KingsXBox 360: 17.4.2012
Sie haben da einen Fehler gemacht: "einem Stresstest unterzogen hat". Mit der Aussage "Wir unterziehen etwas einem Stresstest" meint man in der deutschen Sprache, dass man ein mangelhaftes Objekt nur zum Schein testet, um eine verunsicherte Öffentlichkeit über einen vorbestimmten Zeitraum hinaus zu täuschen. Es ist also damit kein ernsthafter, objektiver Test gemeint.
Liebe Grüße,
Herr Bahiro
als kleiner beispiel kann man die elder scrolls reihe nehmen (die nie bugfrei war was durch modbarkeit aber auch nie ein problem war) selbst hier hat sich von morrowind auf oblivion die masse der spieltechnischen bugs zum schlechten verändert ...
von extrem beispielen wie gothic will ich gar nicht reden (gothic 2 -> 3)
das problem ist es wird einfach von der "neueren" generation zocker einfach hingenommen
beispiel davon sind zB spiele die jährlich erscheinen und bei denen teilweise trotzdem bugs vom vorgänger eingebaut sind ... UND trotzdem werden diese gekauft und die bugs "übersehen"
das einzige gegenbeispiel das mir einfällt ist blizzard. ich hatte bisher noch nie irgendwelche drastischen bugs in blizzard spielen und wenn man sich diese spiele anguckt und mit anderen entwicklern vergleicht fällt das bug problem noch viel stärker ins auge!
(im übrigen hervorstechend waren schon immer die deutschen entwickler deren release versionen teilweise einen unspielbar status erreichen siehe s2 oder g3)
Das kann man aber nicht im allgemeinen über spiele aus Deutschland sagen. Die spiele von sunflowers waren immer recht fehlerfrei...
als kleiner beispiel kann man die elder scrolls reihe nehmen (die nie bugfrei war was durch modbarkeit aber auch nie ein problem war) selbst hier hat sich von morrowind auf oblivion die masse der spieltechnischen bugs zum schlechten verändert ...
von extrem beispielen wie gothic will ich gar nicht reden (gothic 2 -> 3)
das problem ist es wird einfach von der "neueren" generation zocker einfach hingenommen
beispiel davon sind zB spiele die jährlich erscheinen und bei denen teilweise trotzdem bugs vom vorgänger eingebaut sind ... UND trotzdem werden diese gekauft und die bugs "übersehen"
das einzige gegenbeispiel das mir einfällt ist blizzard. ich hatte bisher noch nie irgendwelche drastischen bugs in blizzard spielen und wenn man sich diese spiele anguckt und mit anderen entwicklern vergleicht fällt das bug problem noch viel stärker ins auge!
(im übrigen hervorstechend waren schon immer die deutschen entwickler deren release versionen teilweise einen unspielbar status erreichen siehe s2 oder g3)
super glosse wieder ;)
Danach entscheide ich über einen Kauf und hoffe natürlich das alles klappt bei der Installation und in weiterer Folge auch im Spiele Verlauf. Kritische Herangehensweise wäre natürlich in unser aller Interesse, aber sind wir uns ehrlich, es gibt so viele Kunden, die kaufen ein Game "blind", das muss einfach gespielt werden, egal ob es Bugverseucht ist oder nicht, die Gründe dafür sind vielfälltig, und daher ein ständiges Problem für den Rest der Spielerschaft die an die Sache nüchtern und sachlicher heran geht, bevor es zum Kauf kommt. Wir Konsumenten haben es in unserer Macht, mit unserem Geld zeigen wir den Publishers ob wir ihre Produkte gut finden, oder eben nicht, nur so kann ein Umdenken stattfinden, aber ehrlich wer macht das schon immer?
Publisher mögen keine schlechten Bewertungen, weil die schädlich fürs Geschäft sind. Dummerweise liefern Test-Zeitschriften aber keine realistischen Bewertungen - oder welche mit Bug-Punkteabzug - weil sie sonst keine Vorabversionen mehr kriegen. Oder man droht ihnen damit und mit Verlust der normalerweise geschalteten Werbung.
Prinzipiell sollten wir vielleicht dafür mal auf die Straße gehen und demonstrieren oder alternativ keine Zeitschriften mehr kaufen, bis dieser Wunsch nach einer solchen Bewertung erfüllt wird.
Ich les ja schon zwischen den Zeilen ob ein Spiel viele Bugs hat und verzichte dann dankend auf den Kauf aber die meisten gucken auf die Bewertung: 85! GEIL! Muss ich haben und das wars dann.
Bei einem (Gebraucht-)Auto ist es ähnlich, aber etwas komplexer. Der ADAC bietet u.a. einen Gebrauchtwagencheck an, nach dem man sich relativ sicher sein kann, das einem nichts untergejubelt wird.
Nun steht da diese Game-Verpackung - und bevor sich die 5+ GB oder was heute so üblich ist nicht auf meiner Platte befinden, ich im Zweifel noch nen Account für Onlinebla angelegt habe und auch schon Patch 1.1 draufgewandert ist ... sehe ich vom Produkt nichts ausser Verpackung, Merchandise und Anleitung, if any.
Wie soll der mündige Kunde da bitte vorher prüfen wieviele Insekten sich drin versteckt halten? Weil Tests, da sind wir uns denke ich einig, sind eher, um mal PotC zu zitieren, "mere guidelines". Metacritic wäre vielleicht besser, aber damit da ein Urteil steht, will man wieviele Stimmen haben - und dann haben die es auch kaufen müssen.
Einfacher gesagt: Haben wir überhaupt eine Chance? Weil Rückgabe wenn ich es schon mit Code registriert habe (weil ich muss) geht wohl nicht.
Wenn es Fehlerhaft ist geht es in Deutschland schon... aber das Theater dann im MediaMarkt und co. ist sehr interessant... nach genügend Druck und dem Gespräch mit dem Filialleiter geht es dann plötzlich doch...
Der Großteil der Leute hat aber keinen Bock auf das Kasperletheater und lassen es in der Ecke verotten oder verkaufen es bei eBay fürn Bruchteil...
Da ist wieder der Holzhammer. Leider hat sich die Softwareentwicklung in den letzten 15 Jahren etwas geändert und wenn ich als Konzernlenker die Wahl habe, unfertige Spiele rauszubringen oder die Firma zu schließen, weil mir die Kapitalgeber keinen Kredit mehr geben, weiß ich, was ich machen würde.
Lustig wird es, wenn dann diese Vollidioten die "Piraterie" für den Umsatz- und Gewinnschwund verantwortlich machen...
Das ist allerdings richtig. (Auch wenn ich die Vollidioten streichen würde),
Ansonsten klasse Glosse. Allerdings vermute ich in solchen Fällen, dass die nötige rote Ampel erst gar nicht beim Projektleiter ankam, weil keiner sich getraut hat, die Wahrheit nach oben zu melden.
Da vergisst Du aber etwas, IMO. Wenn ich eine Vase kaufe, kann ich relativ sicher Mängel feststellen (Risse, Kratzer). Ergo kann ich handeln, oder nicht kaufen _bevor_ ich etwas auspacke.
Bei einem (Gebraucht-)Auto ist es ähnlich, aber etwas komplexer. Der ADAC bietet u.a. einen Gebrauchtwagencheck an, nach dem man sich relativ sicher sein kann, das einem nichts untergejubelt wird.
Nun steht da diese Game-Verpackung - und bevor sich die 5+ GB oder was heute so üblich ist nicht auf meiner Platte befinden, ich im Zweifel noch nen Account für Onlinebla angelegt habe und auch schon Patch 1.1 draufgewandert ist ... sehe ich vom Produkt nichts ausser Verpackung, Merchandise und Anleitung, if any.
Wie soll der mündige Kunde da bitte vorher prüfen wieviele Insekten sich drin versteckt halten? Weil Tests, da sind wir uns denke ich einig, sind eher, um mal PotC zu zitieren, "mere guidelines". Metacritic wäre vielleicht besser, aber damit da ein Urteil steht, will man wieviele Stimmen haben - und dann haben die es auch kaufen müssen.
Einfacher gesagt: Haben wir überhaupt eine Chance? Weil Rückgabe wenn ich es schon mit Code registriert habe (weil ich muss) geht wohl nicht.
Wunderbar formuliert. xD
Wieder eine schöne Glosse und 100% war.
Das funktioniert leider nur, wenn man größtenteils unabhängig ist. Firmen, die unter dem wachsamen Auge der Investoren ihre Spiele produzieren, können (bzw. dürfen) sich oft keine Verzögerungen leisten. Und die Investoren sind keine Spieler, sie interessiert nur der Ertrag. Publisher sind oft selbst ziemlich unter Druck und müssen ihren Entwicklern Beine machen, damit alles rechtzeitig fertig wird. Das die Qualität dabei oft auf der Strecke bleibt, ist nur logisch.
Ich sage nur: "Früher hätte es das nicht gegeben! Da waren auch die Gummistiefel noch aus Holz!"
Es muss nicht jedes Jahr ein neues NFS / FIFA / whatever geben. Alle 2 Jahre tun es doch auch. Klar dadurch wird nicht unbedingt jeder Bug beseitigt, aber die Qualität könnte steigen.
Oder wenn man schon der Meinung ist, jedes Jahr einen Ableger eines Franchises zu bringen, dann sollte man die Mitarbeiter erhöhen, anstatt Stellen / Studios zu streichen. Ich bin immer noch der Meinung Qualität = Umsatz / Gewinn.
ich vermute es handelt sich um rage
Klar, ich kenne auch bugverseuche Games und hätte gerne so manchen
PC-Spiel dem Herstellen mit gewalten zurück gegeben, doch
sollten mittlerweile die großen Hersteller halbwegs ausgegorene Produkte
anbieten. Immerhin haben wir PC-Spieler den vorteil das wir nach einem halben Jahr
das gewünschte Game meistens für den halben Preis bekommen. Bis dahin wurden auch die meisten Bugs gefixt. Da sehe ich uns klar als Gewinner!
Aber Führer und Marketing wissen alles (besser) und sind unfehlbar.
Gesunder Menschenverstand ist in den Konzernen (nicht nur in der Spielebranche) inzwischen ein Kündigungsgrund *fg*.
Lustig wird es, wenn dann diese Vollidioten die "Piraterie" für den Umsatz- und Gewinnschwund verantwortlich machen...
Kritik, selbst konstruktive, wird halt viel zu oft als persönlicher Angriff verstanden. (oder eher, man will es so verstehen, weil dann kann man vom Inhalt ablenken indem man sich über den Angriff aufregt)
Wieder sehr gelungen, Herr Olnigg :)