Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 109: Moderne Freibeuter

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05. Mai 2011 11:25 Uhr

Es ist immer wieder faszinierend anzusehen, mit welcher Fachkompetenz es hochqualifiziertem Ingenieurswesen gelingt, selbst die diffizilste Technik zu beherrschen. Wenngleich sich der Imperativ des Gehorsams noch nicht bei allen Atomen und Bytes herumgesprochen hat, so kann doch eine 90-prozentige Erfolgsquote bereits als zivilisatorischer Etappensieg bezeichnet werden.

In den Augen der Industrie wird des Normalbürgers Streben nach Perfektion gänzlich überbewertet. Was bedeuten schon mittelgroße Landstriche, die aufgrund der Aufsässigkeit atomarer Verfallsprozesse unbewohnbar werden, angesichts der gigantischen Größe unseres Planeten? Und wer will sich schon ernsthaft über entführte Kennwörter und Kontodaten aufregen?

Höchstens Menschen, die Angst haben müssen, dass deren selbst bei Spielen verwendete Masterpasswörter zu viel über die Nulllinie ihres Intellekts verraten könnten. Oder Konsolenspieler, deren missbrauchter Kreditrahmen so klein ist, dass er bei einem öffentlichen Bekanntwerden akut zur Erstickungsgefahr unvermittelt in Lachkrämpfen ausbrechender Banker beiträgt.

Screenshot zu: Ausgabe 109: Moderne FreibeuterWenn die Segel achterlichen Wind haben und die Flaggen auf den Masten vom genauen Gegenteil künden, dann herrscht beim Designer geistige Windstille.

Opfer sind zum Lernen da, denkt nicht nur die fernöstliche Wirtschaft und verlegt die Qualitätssicherung ihrer Erzeugnisse weg von der Planung hin zur nachträglichen Schadensbegrenzung. So werden im Vorfeld der Produktentwicklung Millionen eingespart und die Milliardenbeträge des sehr seltenen Katastrophenfalls belasten erst dann Gewissen und Bilanzen, wenn sie benötigt werden.

Wer aber meint, lediglich Großkonzerne würden diesen neuen Japanese Way of Life beherrschen, der irrt gewaltig. Selbst kleinere Firmen wie Koei haben die Signale der Zeit verstanden und offenbaren einen vorbildlichen Weg der Gewinnmaximierung.

Hier nahm man einen fünf Jahre alten Ladenhüter namens Uncharted Waters Online in die Hand - ein Spiel, welches bislang einzig im asiatischen Sprachraum vertrieben worden war. Normalerweise käme keine am geistigen Wohlergehen der Kundschaft halbwegs interessierte Unternehmensführung auf die Idee, nach so langer Zeit einem solchen Konzept-Oldtimer plötzlich weltweiten Auslauf zu gewähren. Doch wer so denkt, der ist in einer leitenden Position so fehl am Platz wie ein Stromausfall in einem Flugzeugcockpit. Überdurchschnittliche Gewinne entstehen eben nicht aus kalkulierter Berechnung, sondern aus rücksichtslosem Wahnsinn heraus.

Kommentare 5
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Sir-PeterSir-Peter06.05.2011 15:24
erinnert mich lebhaft an das Bounty Bay Online Gegurke.das ich 2002 verlies,war Frogsters 1.MMO-Flop
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VoodjinVoodjin05.05.2011 23:02
Und sollte eines Tages der Gentechnik ihr erstes Hoppala unterlaufen, dann möge man doch bitte
Und sollte eines Tages der Gentechnik ihr erstes Hoppala unterlaufen, dann möge man doch bitte unsere neuen lilahäutigen Mitbürger nicht als weiteres Fehlprodukt betriebsblinder Bilanzfanatiker verstehen, sondern als manifestierte Aufforderung zu mehr Toleranz. Einer Toleranz nicht nur gegenüber den neuen andersfarbigen Mitmenschen, sondern auch gegenüber hochbezahltem Führungspersonal mit seinen geringfügigen Schwächen in der Berufsausübung.

Sehr schön. :)

Man kann offenbar wirklich mit Scheiße Geld machen. Ich glaube ich werde auch mal ein Entwickler.
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Kousaka Kirino05.05.2011 12:38
Lieber Olnigg du vergisst das der "neuen Japanese Way of Life" in den USA geboren wurde ;) Und damit der alte American Way of Life ist.
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auch Gastauch Gast05.05.2011 12:38
Denkmeuterei


^^
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LyasaLyasa05.05.2011 12:23
schön und die highlights diese woche sind die bildunterschriften :P
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