„Es ist kein Geheimnis, dass die Spieleindustrie eine der wichtigsten Motoren der Kultur- und Kreativwirtschaft ist“, lautete das Eröffnungszitat unseres Kulturstaatsministers Bernd Neumann anlässlich der Vergabe des dritten Deutschen Computerspielpreises.
Bevor jetzt die Frage aufkommt, ob er das vor oder nach der Eröffnung des Buffets einschließlich zugehöriger Alkoholika ausgesprochen hat, sei zu dessen Ehrenrettung darauf hingewiesen, dass er schlauerweise verschwiegen hat, welches Land dieser Erde er genau damit meint.
Während in Amerika und Asien die spielbaren Bytes politisch schon längst als Grundpfeiler der Exportwirtschaft entdeckt und anerkannt worden sind, versucht die zentraleuropäische Provinz Deutschland zumindest einmal im Jahr, das schlechte Gewissen mit einer Alibiveranstaltung zu beruhigen. Dieses zum Fremdschämen einladende Ereignis nennt sich Deutscher Computerspielpreis und wird meinen tippenden Fingern zuliebe im Folgenden als Deutscheis abgekürzt.
Nicht nur bei Computerspielen muss der Inhalt stimmen.Zum Deutscheis dazu gehört die Lara. Die Lara ist ein zweiter deutscher Computerspielpreis, der ursprünglich einmal eine Konkurrenz gewesen ist und später aufgrund akuten Spinnwebenbefalls einverleibt werden musste. Dieses Jahr ist die Lara für alles Internationale zuständig und der Deutscheis richtet alles Inländische. Seltsamerweise hat der Deutscheis fast doppelt so viele Preiskategorien wie die Lara. Wir finden also hier in Deutschland mehr Auszeichnungswertes als in der ganzen restlichen Welt. Das mutet ähnlich überheblich an, als würde unser Nachbarland Österreich alljährlich sein schönstes Korallenriff auszeichnen wollen.
Richtig bauernschlau geht es bei den Preisgeldern zu. Diese werden im Rahmen des Deutscheises an hiesige Firmen ausgezahlt, wohingegen die Vergabe der Lara undotiert bleibt. Ganz schön schlau, unsere Kultur. Den Deutschen das Geld und für die Ausländer den feuchten Händedruck. Würde Schweden mit seinen millionenschweren Nobelpreisen genauso verfahren, dann wäre von der Weltgesundheitsorganisation WHO schon längst das ganze Land wegen Verdachts auf Rinderwahn unter Quarantäne gestellt worden.
Doch soll hier nicht nur genörgelt werden, denn der Deutscheis bot auch zwei positive Überraschungen. Zuerst eine Software, die gleich in den zwei Kategorien „Bestes Jungendspiel“ und „Bestes deutsches Spiel“ jubeln durfte. „A New Beginning“ macht Kinder froh und Erwachsene ebenso. Inhaltlich passt dieses Adventure mit den Themen Klimakatastrophe und erneuerbare Energien perfekt zu den Schlagzeilen dieser Tage.
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
SyndicatePC, XBox 360, PS3: 23.2.2012 Test lesen
The Witcher 2: Assassins of KingsXBox 360: 17.4.2012
Und es kotzt mich immer noch an dass Dragon Age Origins nicht gewonnen hat denn das Spiel hätte es mehr als verdient
Bei dem Satz habe ich meine Cola auf die Tastatur geprustet. :D
*hust* sehr zweideutig *hust* ^^
Na weil...äh...die Flügel..nech? Also sie repräsentieren die Ideen, die alle Entwickler und deren Kunst äh beflügeln. Ah so ein bla bla, was weiß ich schon. ^^
yihaa,that made my day
jut wie immer Glossengott-Olnigg
großartig, lol
und nebenbei crysis wird niemals gewinnen (ausser vielleicht international aber da dürfte die konkurrenz zu groß sein), weil sie doch immer noch die preise vom "pädagogischen" standpunkt aus verteilen! (oder ist das nicht mehr so?)
Ist es offiziell noch, aber die Zuhilfenahme von LARA schafft eine nette Grauzone. So weit ich mich erinnere ist der LARA-Award eine nicht staatlich geförderte Auszeichnung und dem entsprechend auch nicht an die illusorischen Regeln des Deutscheis gebunden.
Berechtigte Frage!
@topic
Mit dem LARA-Award hat sich die Sache etwas gebessert. Sie ist zwar immer noch weit von "gut" entfernt, aber immerhin besser als nichts. So lange auch in den nächsten Jahren kein Amoklauf geschieht (was allgemein gut wäre, nicht nur für die Spiele), der im Medienrummel ausgeschlachtet wird, frei nach dem Motto "wer hat noch nicht, wer will noch mal?", könnte langsam ein Verständnis für die Spielebranche in der Bevölkerung und den Medien entstehen. Die Politik kommt dann von selbst. Prinzipientreue ist weniger wichtig als Stimmungstreue.
und nebenbei crysis wird niemals gewinnen (ausser vielleicht international aber da dürfte die konkurrenz zu groß sein), weil sie doch immer noch die preise vom "pädagogischen" standpunkt aus verteilen! (oder ist das nicht mehr so?)