Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 79: Zwischenprüfung

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02. September 2010 11:55 Uhr

Personen, die planen im Rahmen ihrer späteren Berufsausübung in die Scheinwerfer der Öffentlichkeit zu treten, können nicht gut genug darauf vorbereitet werden. Denn es vermag einzig einem sehr gebildeten Bevölkerungsteil gelingen, es nicht nur einem einzigen Vorgesetzten, sondern einer kompletten Gesellschaft recht machen zu können. Um hierbei den Gelderwerb auf Dauer abzusichern, bedeutet es zwangsläufig die eigene Persönlichkeit und das Rückgrat der jeweiligen Sache unterzuordnen.

Wen mag es angesichts solch hoher Berufsanforderungen noch verwundern, dass die Zwischenprüfungen der Studiengänge Politologie und Demagogie als die schwierigsten des deutschen Hochschulwesens gelten. Wer beim Wellenreiten zwischen Volksmeinung und Versprecherklippen nicht untergehen und ein Meister des realen Mob-Managements werden will, der hat einen steinigen Ausbildungsweg vor sich. Hier wird entschieden, ob man später in führender Funktion im Bundeskanzleramt oder als Gemeinderat im abgetrennten Veranstaltungsraum der örtlichen Gaststätte landen wird.

Als Beispiel dieses fast unmenschlich zu nennenden Ausbildungsgangs seien vorab die Prüfungsfragen des Wintersemesters 2010/2011 der Fakultät Politikwissenschaften der Universität Bautzen veröffentlicht.

Fragenbereich 1) Gewaltmonopol des Staates

Existiert ein Recht auf das Gewaltmonopol des Staates nicht nur in seiner Anwendung, sondern darüber hinaus auch in seiner medialen Darstellung?

Fallbeispiel: Ein Staat befindet sich im Kriegszustand mit einer terroristischen Vereinigung. Daraufhin veröffentlicht eine Softwarefirma ein Computerspiel, in dem man die Rolle ebendieses Terrorgegners annehmen und virtuell die Personen der eigenen Rechtsorgane töten kann.

a) Entwickeln Sie geeignete Redewendungen, um offiziell Ihrem Abscheu Ausdruck zu verleihen, ohne irgendwelche weitere konkrete Gegenreaktion vornehmen zu müssen.

b) Wie kann man Familienangehörige der eigenen Kriegsstreitkräfte in die Argumentationsführung miteinbeziehen und welche Vermeidungsstrategien gibt es, um nicht auch auf die vielfache Anzahl von Zivilopfern auf der Gegenseite eingehen zu müssen?

c) Wieso müssen Sie konkrete Bezüge auf bereits existierende Spiele unbedingt vermeiden? Weshalb könnte Software, die eine Auseinandersetzung zwischen Polizei und organisierter Kriminalität zum Thema hat, Ihnen die Argumentation extrem erschweren? Wie würden Sie auf den Anwurf der Scheinheiligkeit reagieren, weil Sie sich all die Jahre zuvor bei der virtuellen Ermordung von Polizeibeamten nicht zu Wort gemeldet haben?

Kommentare 21
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Sir-PeterSir-Peter21.10.2010 18:12
absolut gute Kritik,auch die bezüge stimmen,siehe Taliban als Spielechar
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Ach Olnigg,...05.09.2010 20:18
..., ich habe auch schon versucht, mich mit Gamern über Politik und Ungerechtichkeit in der realen wie auch der Online-Welt zu unterhalten bzw. ihnen das Thema als "essenziell" begreiflich machen zu wollen und es war ein reines Desaster!

Alleine schon die dummen Blicke bei "reales Leben" waren der Hammer.

Sieh es ein: Die Zukunft dieses Landes besteht aus Leih-/moderner Sklavenarbeit und Hartz XX. Weil alle Zocken wichtiger finden...
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VigarLunarisVigarLunaris04.09.2010 07:49
So müssen wir leider feststellen das unsere Aufklärung in diesem Falle die Lage kaum beurteilen konnte. Wenn wir mehr Mittel für den Wehretat aufwenden könnten, hätten wir auch bessere Bordkameras und hätten somit nicht nur das Mädchen sondern auch deren Bruder erlegen können. Schade eigentlich oder?

Oki das war böse nun aber seien wir mal Ernst und vorallem Ehrlich - so läuft es immer.
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Aber egal, wie notwendig es ist immer ein Übel,03.09.2010 14:23
War manchmal ein notwendiges Übel sein. Aber egal, wie notwendig es ist immer ein Übel, nie ein guter. Wir werden nicht lernen, miteinander in Frieden leben durch das Töten des jeweils anderen Kindern.

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War manchmal ein notwendiges Übel sein.03.09.2010 14:22
War manchmal ein notwendiges Übel sein. Aber egal, wie notwendig es ist immer ein Übel, nie ein guter. Wir werden nicht lernen, miteinander in Frieden leben durch das Töten des jeweils anderen Kindern.
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distopia03.09.2010 01:11
Ich musste bei
"Daraufhin erklärt der Vatikan dem Islam den Krieg ..."
auch estmal Tränen lachen. Dann aber entsinnte ich mich eines Besseren. Wie war das denn nochmal, als die Amis 2003 im Irak einmarschiert sind? Hatten die nicht auch so einen "triftigen" Grund?
(keine Frage, Saddam musste weg. Aber das Warum war dermaßen unglaubwürdig, dass es schon nach Dummheit schrie.)
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mithamitha02.09.2010 19:35
Nu muss der Autor den Bezug zu Medal of Honor schon in den comments erklären. War scheinbar zu hoch für die Leserschaft hier :(

Auch wenn man Medienkritik momentan überall liest, finde ich diese Glosse trotzdem gut.

Halbwegs ontopic: Hab grad nebenbei diese Story gelesen: www.nytimes.com/.../05hacking-t.html
(Achtung, wahrscheinlich zu lang für 90% der Leser...)
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Bozak02.09.2010 19:22
Wer beim Wellenreiten zwischen Volksmeinung und Versprecherklippen nicht untergehen und ein Meister des realen Mob-Managements werden will

*Bauklötzer staun* Gleich mal fürs Zitatebuch übernehm!
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Okalmon02.09.2010 18:51
Raidiri... Bei dem "Dolch in den Rücken bekommen" muss man sich aber vorne anstellen... ;-)

@alter Grantler:

Keine Lust mal wieder auf ein Brett? :-)
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Okalmon02.09.2010 18:47
Raidiri... Bei dem "Dolch in den Rücken bekommen" muss man sich aber vorne anstellen... ;-)

@alter Grantler:

Keine Lust mal wieder auf ein Brett? :-)
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GarryGarry02.09.2010 18:47
Olnigg nimmt mir die Worte aus dem Mund: Das Thema ist ein absolutes gamona Thema, und zwar spätestens dann, wenn die Berichterstattung rund um Medal of Honor zunimmt. Denn hier wird man gegen die Taliban spielen können und kann meines Wissens sogar die Taliban selber spielen.
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OlniggOlnigg02.09.2010 17:09
@Keith
Google ist dein Freund und zwar bei den Zauberworten "Taliban Medal of Honor" ;)
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xanijaxanija02.09.2010 16:38
*seufz* und ich dachte, ich könnte ohne Ironie-Smilies davonkommen... ;)
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RaidiriRaidiri02.09.2010 15:27
@xanija och weglaufen brauchste nicht, denn Olnigg zu sagen, dass er früher besser war ist total trendy bei Gamona geworden. Da mußte dich eher hinten anstellen als wirklich Dolche in den Rücken zu erwarten ;)

BTW: Mir gefällt der sich weiterentwickelnde Olnigg :) Über schlechte Spiele lästern kann jeder, Politsatire ist da schon was anspruchsvoller.
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xanijaxanija02.09.2010 15:05
Olnigg, Deine früheren Sachen waren besser, diese häufigen Glossen scheinen Dir nicht gut zu tun, außerdem sind die Themen nix für Dich, Du solltest weiter diese bissigen Satiren machen, die Du früher auf Deiner HP gemacht hast. Die Qualität Deiner Texte hat total nachgelassen!!!1111elfeins

Ich bin sicher, das hat Dir vorher noch keiner gesagt und ich finde, es ist allerhöchste Zeit, dass Du das endlich mal erfährst, wirklich.

Und jetzt muss ich dringend weg, ich habe das Gefühl, dass hier sonst gleich irgendwelche Dolche in meinem Rücken stecken.
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AlarnaAlarna02.09.2010 14:57
Wundervolle Politsatire!

Der reale Bezug zu Spielen springt einem aber ins Auge, wenn man die Nachrichten verfolgt.... wer das nicht tut, sollte es nachholen, dann versteht man den Zusammenhang auch.
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reaperofyoureaperofyou02.09.2010 13:51
Nunja, dass Fall 3 nicht gerade realistisch ist, ist verständlich, aber gerade Fall 1 ist mehr als aktuell und in der Realität vertreten. Finde die Glosse sehr gelungen. Es veranschaulicht mit einem Augenzwinkern die Arbeit, die die Politiker tagtäglich machen.
Selbst die Diskussion um Spiele ist den Leuten scheiß egal. Auch die Spiele und deren Inhalt sind egal. Es geht nur ums PR^^
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ZamzamahZamzamah02.09.2010 13:36
Na wenn da mal keine Seitenhiebe gegen die Comments der letzten Glosse dabei waren! ;)

Das Thema passt sehr wohl zu gamona:
Medien + Militarisierung der Spiele usw.

Der Absatz von Voodjin war super!
Zur Qualität sag ich lieber nix, sonst komm ich rüber wie ein Perma-Meckerer...
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VoodjinVoodjin02.09.2010 13:16
Ein gefangener Taliban rutscht unmittelbar nach mehrstündigem Waterboarding auf einer dadurch
Ein gefangener Taliban rutscht unmittelbar nach mehrstündigem Waterboarding auf einer dadurch verursachten Pfütze aus und bringt dabei einen Mitarbeiter des Wachpersonals ebenfalls aus dem Gleichgewicht. Bei dessen unglücklichem Aufkommen auf dem Boden löst sich ein Schuss aus der ungesicherten Dienstwaffe und trifft einen zu Studienzwecken anwesenden Militärpfarrer mitten ins Herz. Daraufhin erklärt der Vatikan dem Islam den Krieg und im Rahmen eines klassischen Kreuzzugs wird ein Genozid am Kopftuchuniversum begonnen. Federführend ist hierbei ein jüdischer Einzelkämpfer namens Gaza Nightmare und sein sprechender Kampfpanzer Sixday.

Bei der Stelle hab ich Tränen gelacht. Sehr geil! :D
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also02.09.2010 13:14
olnigg bezieht seine glosse ja auf die taliban diskussion. soviel zum realitätsbezug.
was mich nur wundert, ist , das ein medienmensch über die manipulierbarkeit der massen philosophiert.
wie naiv muss olnigg bisher durchs leben gegangen sein?
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Hm...02.09.2010 12:49
Also, mal ganz am Anfang, das Thema selbst ist natürlich nicht gerade ein typisches Gamona-Thema und meiner Meinung nach paßt es auch überhaupt nicht in dieses Format, ganz ehrlich. Zu ernst, zu real und hat mit dem Thema Spiele und Co soviel gemeinsam wie Obama mit erfüllten Versprechungen...

Aber natürlich hast Du auch Recht. Die Medien sind Instrumente, die man so stimmen kann, daß je nach Geschehnis der Eine oder Andere der Böse oder der Gute ist. Soweit, so klar. Allerdings; und hier machst Du leider einen Denkfehler, transportierst Du Deine Botschaft erstens mit dem falschem Medium; der Presse (haha, die sind ja so glaubwürdig), und zweitens ist der Hintergrundrahmen nur fiktiv.

Hättest Du ein tatsächliches Beispiel gewählt, wäre es wesentlich einfacher, einen Bezug zum Thema herzustellen. So liest sich das alles sicher richtig, aber wie soll man sich dazu eine Meinung bilden, wenn ein tatsächlicher Vorfall dazu fehlt?

Deshalb finde ich diese Glosse nicht so gelungen, obwohl der Kern und der Sinn dahinter absolut richtig ist.

Keith
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