Sichtet man psychiatrische Fallstudien über den Anlass von impulsgesteuerten Gewalthandlungen, dann fällt selbst dem Laien eine Häufung bestimmter Motive auf. „Mutti wollte mich um Acht ins Bett schicken.“ - „Der Spielstand konnte nicht mehr geladen werden.“ - „Wenn es wenigstens wie Musik und nicht wie ein geplatzter Darm geklungen hätte.“ - „Der Save war corrupt.“ - „Die Parklücke trug meinen Namen.“ - „1.000 Spielstunden in einer Sekunde verloren.“ - „Dieser Dreckskolumentyp hatte es nicht anders verdient.“
Die Datensicherung. Eingefleischte Onlinespieler ordnen sie längst der primitiven Steinzeit zu. Intelligente Schachspieler haben sie mit der Erfindung der gleichnamigen Spielzeit einschränkenden Uhr geschickt zu umgehen gewusst. Alle anderen jedoch sind der willfährigen Gnade eines korrekten Abspeicherns des Spielstandes ausgeliefert. Wehe, wenn dem PC-Händler die Festplatte nicht ganz so fest geraten ist. Tragisch, wenn die Spielentwickler beim Speichern ein paar klitzekleine Bytes vergessen haben. Und fatal, wenn die Gesetzgebung für diese beiden Berufsgruppen keine Lynchjustiz zulässt.
An mein erstes Mal erinnere ich mich noch ganz genau. Es war bei Civilization. Dessen genaue Nummer muss ich allerdings schuldig bleiben, da in meinem Gehirn diese Information zwischenzeitlich durch den Anblick eines berühmten Fotomodels überschrieben worden ist. Was hatte ich damals wochenlang Spaß gehabt (Civilization, nicht Model) und die übergroße (immer noch Civilization) Weltkarte war auf dem besten Weg meiner Totalherrschaft unterworfen zu werden.
Doch unvermittelt schlug das Schicksal in Form eines mit abgespeicherten Datenüberlaufs zu. Jedes Mal wenn ich denselben Spielstand erreichte, schmierte nicht nur das Spiel sondern auch meine Selbstbeherrschung ab. Selbst viel früher vorgenommene Datensicherungen trieben mich immer wieder in denselben Bytegau. Meine Unschuld war verloren und fortan wandte ich mich von Batman ab und machte mir Jokers Lebenseinstellung zueigen.
Mein jüngster Einweisungsgrund lautete „plötzlich fing das Ruckeln an“ und stammte aus einer zurückliegenden Sims 3 Begegnung. Aus heiterem Himmel, schleichend, aber bemerkenswert, gaben sich meine Sims immer mehr der stotternden Fortbewegung hin. Der Bug versteckte sich nicht im Spiel, sondern in den Saves. Dadurch wurde er nicht nur unumgehbar sondern durch seine allumfassende Vernichtungskraft zur seelischen Körperverletzung.
Schön, was man in dem Spiel alles für prächtige Häuser bauen konnte. Putzig, die Mengen an individuell erscheinenden Sims, die man darin einladen durfte. Und gigantisch die Stunden, die man vergeudet hatte, wenn all das vorher Genannte dank einer nicht existent anmutenden Sicherungsqualitätssicherung unter dem Mantel der schleichenden Unspielbarkeit begraben wurde.
Ein Blick auf den letzten Save File ließ mich glauben, mein Verstand wäre unbekannt verzogen. 35 Megabyte wurden mir da genannt. Fünfunddreißig?! Ja was speicherten die denn da alles ab? Wurde etwa mein bisheriges Spiel als MPEG mitgefilmt und immer wenn ein alter Spielstand geladen werden sollte, dann wurde das Game bis zu dem entsprechenden Zeitpunkt zurückgespult?
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
Bei manche sollte es lauten - Save often - PRAY a lot and early.
Olnigg wie wir ihn lieben.
Dagegen waren korrupte Speicherdateien bei Colonisation - dem besseren Civilisation :p - mit der Angewohnheit einfach 50 verschiedene Speicherdateien zu führen recht einfach unter Kontrolle zu halten.
Ich brauchte erst ein paar Wochen, bis ich mich mit der permanenten Speicherung "anfreundete" und ihr vertraute. :)
Für Offlinespiele eigentlich eine schöne Sache, so eine Speicherung, denn wenn man es vergißt, dann ist es auch kein Drama. Besonders speicherintensiv waren RPGs wie Venetica. Vor und nach jedem Kampf hieß es erstmal: Speichern. Denn selben Streß hatte man quasi bei allen Gothic-Teilen, besonders beim Addon zum 2. Teil ging ohne Speichern gar nichts, das Spiel war knochenhart abseits der Wege. ;)
Mr. Klacker
Erinnnere mich noch an das Gothic 3 debakel.
Da quält man sich Stundenlang durch eine grauen- und fehlerhafte Welt um dann vom Supportteam die erfeuliche Meldung zu bekommen das die jetzt einen Patch erstellt habe die die schlimmsten Fehler beseitigt, man jedoch dann die alten Spielstände nicht mehr verwenden könne.
Ergebnis: reiner konzentrierter Haß
Aber diese Kolumne erinert mich an die alten Baldurs Gate 2 Tage.
Da spielt man den ganzen Nachmittag und vergiist die Quicksavetaste. Absturz. => Zorn!
Danke für das bisschen Nostalgie :)
Aber mal wieder sehr lustig ^^