Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 68: VerunSicherung

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29. April 2010 11:40 Uhr

Sichtet man psychiatrische Fallstudien über den Anlass von impulsgesteuerten Gewalthandlungen, dann fällt selbst dem Laien eine Häufung bestimmter Motive auf. „Mutti wollte mich um Acht ins Bett schicken.“ - „Der Spielstand konnte nicht mehr geladen werden.“ - „Wenn es wenigstens wie Musik und nicht wie ein geplatzter Darm geklungen hätte.“ - „Der Save war corrupt.“ - „Die Parklücke trug meinen Namen.“ - „1.000 Spielstunden in einer Sekunde verloren.“ - „Dieser Dreckskolumentyp hatte es nicht anders verdient.“

VerunSicherung

Die Datensicherung. Eingefleischte Onlinespieler ordnen sie längst der primitiven Steinzeit zu. Intelligente Schachspieler haben sie mit der Erfindung der gleichnamigen Spielzeit einschränkenden Uhr geschickt zu umgehen gewusst. Alle anderen jedoch sind der willfährigen Gnade eines korrekten Abspeicherns des Spielstandes ausgeliefert. Wehe, wenn dem PC-Händler die Festplatte nicht ganz so fest geraten ist. Tragisch, wenn die Spielentwickler beim Speichern ein paar klitzekleine Bytes vergessen haben. Und fatal, wenn die Gesetzgebung für diese beiden Berufsgruppen keine Lynchjustiz zulässt.

An mein erstes Mal erinnere ich mich noch ganz genau. Es war bei Civilization. Dessen genaue Nummer muss ich allerdings schuldig bleiben, da in meinem Gehirn diese Information zwischenzeitlich durch den Anblick eines berühmten Fotomodels überschrieben worden ist. Was hatte ich damals wochenlang Spaß gehabt (Civilization, nicht Model) und die übergroße (immer noch Civilization) Weltkarte war auf dem besten Weg meiner Totalherrschaft unterworfen zu werden.

Doch unvermittelt schlug das Schicksal in Form eines mit abgespeicherten Datenüberlaufs zu. Jedes Mal wenn ich denselben Spielstand erreichte, schmierte nicht nur das Spiel sondern auch meine Selbstbeherrschung ab. Selbst viel früher vorgenommene Datensicherungen trieben mich immer wieder in denselben Bytegau. Meine Unschuld war verloren und fortan wandte ich mich von Batman ab und machte mir Jokers Lebenseinstellung zueigen.

Mein jüngster Einweisungsgrund lautete „plötzlich fing das Ruckeln an“ und stammte aus einer zurückliegenden Sims 3 Begegnung. Aus heiterem Himmel, schleichend, aber bemerkenswert, gaben sich meine Sims immer mehr der stotternden Fortbewegung hin. Der Bug versteckte sich nicht im Spiel, sondern in den Saves. Dadurch wurde er nicht nur unumgehbar sondern durch seine allumfassende Vernichtungskraft zur seelischen Körperverletzung.

Schön, was man in dem Spiel alles für prächtige Häuser bauen konnte. Putzig, die Mengen an individuell erscheinenden Sims, die man darin einladen durfte. Und gigantisch die Stunden, die man vergeudet hatte, wenn all das vorher Genannte dank einer nicht existent anmutenden Sicherungsqualitätssicherung unter dem Mantel der schleichenden Unspielbarkeit begraben wurde.

Ein Blick auf den letzten Save File ließ mich glauben, mein Verstand wäre unbekannt verzogen. 35 Megabyte wurden mir da genannt. Fünfunddreißig?! Ja was speicherten die denn da alles ab? Wurde etwa mein bisheriges Spiel als MPEG mitgefilmt und immer wenn ein alter Spielstand geladen werden sollte, dann wurde das Game bis zu dem entsprechenden Zeitpunkt zurückgespult?

Kommentare 11
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VigarLunarisVigarLunaris04.05.2010 08:25
Save often - save early. Das war mal ein ganz berühmter Spruch :)

Bei manche sollte es lauten - Save often - PRAY a lot and early.
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R0bs0N01.05.2010 05:05
Ohhh JA, da hat mic Anno1404 das ein oder andere mal in den Wahnsinn getrieben. Das brachte mich dann dazu die 15min Auto-Sicherung einzuschalten, doof nur das dass speichern alleine schon 3-4 min dauerte. Im schlimmsten Fall war aber mal eben ne halbe bis dreiviertel stunde weg und das war mir die wartezeit alle 15 min wert :D
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Cholerix30.04.2010 21:53
Das gibts irgendwie in jedem Spiel. Es sind halt immer Winzigkeiten deren Vorkommen einmal in tausend Partien ist. Und 35 MB sind eigentlich garnicht so viel wenn man sich die Save-Dateien von Strategiespielen anschaut. Den rekord hält bei mir Supreme Commander mit fast 300 MB! Innerhalb von zwei Wochen hat man da 4 GB Speicherstände.
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woldeuswoldeus30.04.2010 01:04
mein schlimmster speicherverlust war bei pokemon rot. alle 151 (ja, hatte sogar mew drauf, dank ner spielemesse und nem gewinnspiel!) einfach weg, weil mein onkel kein englisch kann,mal pokemon testen wollte und ohne es zu wollen speicherte.,dabei wollte ich nur bei besuch meine verwandschaft ein bisschen neidisch machen... das tut mehr weh als alle anderen verlorenen spielstände. backup? ach nee, heute keine lust....
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Martin Magnus29.04.2010 23:40
"Wurde etwa mein bisheriges Spiel als MPEG mitgefilmt und immer wenn ein alter Spielstand geladen werden sollte, dann wurde das Game bis zu dem entsprechenden Zeitpunkt zurückgespult?"

Olnigg wie wir ihn lieben.
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Nikome29.04.2010 18:08
Speichern? Super Mario Brothers am Gameboy. Bis ich das mal endlich durch hatte und die vielen Versuche auf dem Weg dahin bei denen entweder RL, Batterien oder Abstürze (wortwörtlich denn ansich waren Gameboy Spiele ja recht robust programmiert, aber wenn das Ding runterfiel oder mit beispielsweise einem Türrahmen kollidierte...) dazwischen kamen...

Dagegen waren korrupte Speicherdateien bei Colonisation - dem besseren Civilisation :p - mit der Angewohnheit einfach 50 verschiedene Speicherdateien zu führen recht einfach unter Kontrolle zu halten.
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Kleine Randanekdote:29.04.2010 14:12
Apropos Speichern: Vor über 5 Jahren loggte ich zum 1. Mal in ein Onlinespiel ein - WoW. Da ich absolut keine Ahnung von Onlinespielen hatte, war mir das Speichersystem eines MMOGs auch völlig fremd. Ich hatte einen Schurken und stelle mich damals; nicht lachen, immer ins Freie und aktivierte die Tarnung, damit ich beim Einloggen nicht von den Monstern angegriffen werde...

Ich brauchte erst ein paar Wochen, bis ich mich mit der permanenten Speicherung "anfreundete" und ihr vertraute. :)

Für Offlinespiele eigentlich eine schöne Sache, so eine Speicherung, denn wenn man es vergißt, dann ist es auch kein Drama. Besonders speicherintensiv waren RPGs wie Venetica. Vor und nach jedem Kampf hieß es erstmal: Speichern. Denn selben Streß hatte man quasi bei allen Gothic-Teilen, besonders beim Addon zum 2. Teil ging ohne Speichern gar nichts, das Spiel war knochenhart abseits der Wege. ;)

Mr. Klacker
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Dark LinkDark Link29.04.2010 13:07
Naja ich hatte da mal so ne Silberne Pokemon Edition in der ich alle Viecher hatte, beim Speichern ist dann die Batterie Ausgegangen, und wäm Speicher zerfressen ^^
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chthon29.04.2010 12:42
Du vergisst die savesungültigmachenden Patches.

Erinnnere mich noch an das Gothic 3 debakel.
Da quält man sich Stundenlang durch eine grauen- und fehlerhafte Welt um dann vom Supportteam die erfeuliche Meldung zu bekommen das die jetzt einen Patch erstellt habe die die schlimmsten Fehler beseitigt, man jedoch dann die alten Spielstände nicht mehr verwenden könne.

Ergebnis: reiner konzentrierter Haß
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ZamzamahZamzamah29.04.2010 12:19
Schonmal nen Legend of Zelda: Ocarina of Time Spielstand mit 19 Herzen verloren? >.<

Aber diese Kolumne erinert mich an die alten Baldurs Gate 2 Tage.
Da spielt man den ganzen Nachmittag und vergiist die Quicksavetaste. Absturz. => Zorn!

Danke für das bisschen Nostalgie :)
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Dark LinkDark Link29.04.2010 12:07
Das kommt mir irgendwie alles ein wenig bekannt vor ;-)
Aber mal wieder sehr lustig ^^
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