Unlängst wurden die Schlagzeilen der Zeitungen und die Fonts der Nachrichtenportale von einem einzigen Wort beherrscht: Hehlerei. Weil es der Staat gewagt hatte, ursprüngliches Diebesgut zur Korrektur von fantasievollen Steuererklärungen heranzuziehen, sahen sich Unmengen von selbst ernannten Rechtsexperten zum Demokratiewarnruf veranlasst. Was ihnen nicht zu verdenken ist. Wo ihnen doch durch daraus entstehende Nachzahlungen die finanziellen Mittel genommen werden, mit denen sie ansonsten die Steuerpolitik in Form von geschickt platzierten Parteispenden beeinflussen könnten.
Onlinespieler können darüber nur müde lächeln. Ist es gerade im Bereich der MMORPGs seit tausend nächsten Generationen guter Brauch, verkaufsträchtige Spielkonzepte und Zuspruch findende Designentwürfe zu entwenden und ohne Skrupel unter dem Mäntelchen des rechtmäßigen Besitzes weiterzuveräußern. Angesichts dieser Art der binären Hehlerei wird so richtig deutlich, wie schwer fassbar der Begriff eigentlich ist und welch großen Anfahrtsweg so manche persönliche Wahrnehmung hinter sich bringen muss, um bei den Tatsachen einzutreffen.
Als Beispiel sei das dieser Tage erschienene Allods Online genannt. Offiziell befindet es sich zwar in der Open-Beta-Phase, was allerdings bei F2P-Titeln nichts anderes bedeutet, als dass der kostenpflichtige Item-Shop noch nicht eröffnet ist. Wer diese neue Onlinewelt erstmalig betritt, der dürfte sich augenblicklich selbst der Demenz verdächtigen. Denn die vermeintlich einzige Erklärung für das auf dem Bildschirm Sichtbare wäre der versehentliche Start des „World of Warcraft“-Clients.
Die Grafik der eckigen Rundungen, das User Interface, die Talentbäume, die Item-Icons, die Questpräsentation und noch vieles mehr bis hin zum blaugelben Logo legen die Vermutung nahe, als wäre der lang verschollene Zwillingsbruder von WoW nach Hause zurückgekehrt. Für alkoholdominierte Stammtischargumentierer dürfte der Fall hiermit abgeschlossen sein. Allods Online ist der WoW-Klon Nummer 547 und würde mit einer Scheiterhaufenteilnahme noch viel zu milde bestraft werden. Doch nur wer frei von Schuld ist, zünde das erste Streichholz an. Alle anderen mögen den nachfolgenden Screenshot etwas genauer betrachten:
Die Kreativquelle des MarkführersSchiefe Häuser und eine Farbpalette, die in ihrer optischen Wirkung bestens geeignet ist, um Notfallfahrzeuge zu einem schnellen Weiterkommen zu verhelfen? Ein Bodenbewuchs, so plastisch wie Badezimmerkacheln? Bäume, kantig genug um sich damit rasieren zu können? Und zu guter Letzt zwei eckige Fässer im sehr einprägsamen Mehreckdesign? An was erinnert uns das alles? Falsch. Dies hier ist nicht WoW-Klon Nummer 548 sondern ein Screenshot aus dem guten alten Etherlords. Ein Spiel, das in den Jahren 2001 und 2003 für reichlich Unterhaltung sorgte. Blizzard veröffentlichte WoW übrigens im Jahre 2004.
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
Bitte machen sie weiter so.
Mir ist durchaus beswusst, dass Allods Online Anlass zu wesentlich mehr Text gibt. Aber das Thema Cash Shop steht meiner Meinung nach erst am Anfang, (zumal in Europa der Einkaufskorb derzeit noch leerbleiben muss) und so wird das Spiel erst später zum zentralen Thema werden.
Heute taugte Allods für mich nur als Gegenargument für all diese wissensbegrenzten Alles-von-WoW-geklaut-Chatvergiftern ;)
Die WoW Grafik basiert zu einem großen Teil auch auf der Wc3 Grafik, der Comic- style, Bäume, Animationen. Dabei ist das Wc3 Design wieder nur eine Weiterentwicklung von Wc2, aus dem jahr 1995. Wobei die ganze Warcraft Thematik natürlich von Warhammer übernommen wurde und Grundlage für für alle MMoEPGs sowieso von Meridian 59 stammt usw.
Man kann natürlich noch den grad des Ideenklaus subjektiv bestimmen und dann entscheiden ob etwas weiterentwickelt oder kopiert wurde.
Mir persönlich ist es ziemlich egal wer sich wo bedient, solange Spiele dabei herauskommen die auch Spaß machen :D
Erstens zeigt uns Olnigg das WoW eigentlich nur ne dreiste kopie von Etherlords ist;
Zweitens das die meisten WoW Spieler warscheinlich so dumm sind ein Spiel aus 2001 für nen WoW-Klon zu halten (weshalb Olnigg direkt nochmal drauf hinwies das WoW nach unserer Offiziellen Zeitrechnung erst später erschien);
Und drittens, dass Allods Online zwar wie ein WoW aussehen mag (wobei man ja, wie in punkt 2 gesagt, eher davon sprechen müsste das WoW ein Etherlord klon ist), aber bessere Inhalte besitzt.
Für mich sieht es nach feinstem WoW bashing aus.
Und dafür liebe ich Olnigg (unter anderem)