Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 56: The Greedy Generation

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28. Januar 2010 11:55 Uhr

Deep Space Brain

Hr. Olnigg: Ist nicht diese Modultechnik der Grund dafür, dass Sie Kompromisse innerhalb ihrer Fließbandproduktreihen eingehen müssen und bestimmte Anfordernisse überhaupt nicht realisieren können? So entspricht der Weltraum in Star Trek Online genau dem Gegenteil von dem, was wir Menschen uns darunter vorstellen. Binnen Minuten zu durchfliegende Mini-Sektoren im karierten Schulblockdesign mit Unmengen an Raumschiffbegegnungen lassen doch im direkten Vergleich dazu den Aufenthalt auf einem gut frequentierten U-Bahnhof wie eine langjährige Einzelhaft erscheinen?

Mr. Needham: Die Unendlichkeit in einem endlichen Medium erwarten zu wollen, verrät allerhöchstens die mangelnde Sachkenntnis des Betrachters. Analysiert man die Serien und die Filme um Star Trek statistisch genau, dann erhält man ein völlig anderes Bild. Lediglich ein Bruchteil der Handlung spielt sich direkt im Weltraum ab. Die überwiegenden Szenenbilder zeigen das Raumschiffinnere, Planetenoberflächen und Raumstationen. Die Begrenzung des STO-Universums ist geradezu zwingend notwendig gewesen, um sich von den Inhalten der Fernsehserien nicht zu weit zu entfernen. Nicht unser Produkt ist falsch, sondern die Erwartungshaltung der Konsumenten.

Hr. Olnigg: Wenn Sie sich so strikt an die Vorlage halten, wie rechtfertigen Sie dann das Übermaß an gewaltorientierter Konfliktlösung in STO? Gene Roddenberry legte doch stets Wert darauf zu zeigen, dass die Menschheit der Zukunft Gewalt allenfalls als letztes Mittel der Selbstverteidigung einsetzt. Warum ist in Ihrem Produkt davon nicht mehr viel zu spüren?

Mr. Needham: Weil die Menschheit der Gegenwart lieber Tritte als Worte austeilt. Bei allem Respekt vor Gene Roddenberrys Lebenswerk darf dies nicht als Maß der Dinge missverstanden werden. Selbst die Bibel musste über die Jahrtausende hinweg diverse Interpretationsversuche durch die Päpste erfahren, deren direkte Folgen den unzähligen Massengräbern zu entnehmen sind. Wir überzeugten den Rechteinhaber von Star Trek davon, dass sich im 25. Jahrhundert endlich wieder die Lobbyisten der Rüstungsindustrie Geltung verschaffen würden. Niemand kann uns vorwerfen, wenn wir uns akribisch genau an das von uns selbst geschriebene Drehbuch halten.

Hr. Olnigg: Ein weiterer Kritikpunkt sind die unzähligen Ladebildschirme. Innerhalb von Raumstationen erinnert das häufige Einblenden von Monitor füllenden Pausenbildern viel zu sehr an Opas Diavortrag über den letzten Mallorcaurlaub. Basiert dieser Angriff auf des Spielers Sehmuskel mehr auf technischen oder eher menschlichen Unzulänglichkeiten?

Mr. Needham: Die Entscheidung hin zur trennenden Ordnung des Spielaufbaus resultiert selbstverständlich aus der Summe unserer Erfahrungen. Gerade die inzwischen mit Lebensjahren etwas üppiger ausgestattete Star-Trek-Klientel dürfte unser Konzept der kognitiven Regenerationsphasen sehr begrüßen.

Hr. Olnigg: Wenn Sie gestatten, wollen wir nun einen Blick auf das Vertriebskonzept von Star Trek Online werfen. Hier fällt zuallererst die mit einer enormen Bandbreite von Bonus-Items ausgestattete Vielfalt von unterschiedlichsten Versionen diverser Distributoren auf. Ist das Ziel eine Umsatzsteigerung durch Ausnutzung der Trekkie-Sucht zum Mehrboxkauf?

Screenshot zu: Ausgabe 56: The Greedy GenerationSchwebende Jungfrauen waren gestern. Heute sind’s Newbie-Astronauten.

Mr. Needham: In einer freien Marktwirtschaft ist der Eigentumserwerb dem eigenen Kaufimpuls und nicht dem Vorhalten einer Waffe zu verdanken. Es widerspricht dem Grundgedanken einer jeden Demokratie, Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Bürger zu nehmen. Wohin langjährige Planwirtschaft führen kann, sollten doch vor allem Sie in Deutschland bestens wissen.

Hr. Olnigg: Die Offerte eines Lifetime-Abonnements inklusive dem Bonus eines Blechzombies, welche wie zufällig nur bis einen Tag vor dem offiziellen Releasetermin angeboten wird, dürfte dann auch Ihrer Vorstellung von Freiheit entsprechen. Wenn die Entscheidung für das fertige Produkt noch vor dem fertigen Produkt zu erfolgen hat, zeugt das dann nicht von einer gewissen Dreistigkeit?

Mr. Needham: Ich darf auf den eingangs erwähnten Mercedes der S-Klasse hinweisen, für den weit vor seiner Markteinführung bereits Unmengen an Blindbestellungen existierten. Wie könnten wir von den Cryptic Studios auf die vermessene Idee kommen, unser Verhalten gegen die merkantile Praxis auszurichten?