Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 40: Phrasereien

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25. August 2009 12:00 Uhr

Unter einer Phrase versteht man gemeinhin eine leere Floskel oder ein haltloses Geschwätz. Zumeist ist sie negativ besetzt und der Pixel nicht wert, auf der sie zu lesen ist. Zu den bekanntesten Phrasen dürfte das Steuersenkungsversprechen vor der Wahl und der nachfolgende Amtseid zählen. Entgegen landläufiger Meinung ist allerdings ein Push-up-BH nicht dazuzurechnen. Es ist an der Zeit, sich heute ausführlicher mit den fünf einschlägigsten Phrasen aus der Spielewelt zu befassen.

1. Phrase: „It’s done, when it’s done.”

Würde diese Aussage von einem Autobahnbauarbeiter getätigt, dann hätte sie die unmittelbare Plattwalzung desselben durch die Kraftfahrzeuge Stau geplagter Reisender zur Folge. Doch ist im Bereich der Computerspiele nicht die bescheidene Terminzurückhaltung das Problem. Hier erzürnt keineswegs das völlige Fehlen eines zumindest geplanten Abschlusstermins, sondern die Wortwörtlichkeit der Behauptung an sich.

Oder kennen Sie eine Software, die zum Release tatsächlich „done“ war? Eine Software, bei der kein Notpatch nachgeschoben wurde, kein groß angekündigtes Feature gestrichen werden musste und kein Kunde das dubiose Gefühl hatte, dass Packungsaufdruck und Inhalt so viel gemeinsam haben wie Immobilienbesitz mit einer Sandburg.

Wäre ein “It’s done, when we believe it’s done” nicht viel ehrlicher? Oder sollte man gleich sagen: “It’s done, when we make believe it’s done.”

2. Phrase: „Unser Spiel ist für Solo- und Gruppenspieler.“

Developer der Onlinesparte sind nicht zimperlich, wenn sie die Zielgruppen für ihr Produkt definieren. Je mehr Features die doppelseitige Anzeige versprechen kann, umso mehr dumme Karpfen werden aus dem Kundenteich gefischt.

Wer hat nicht schon darüber geflucht, als er in kleingruppiger Zweisamkeit am Ende einer wunderbar stimmungsvollen Questreihe plötzlich einem Bossmob begegnete, welcher zu seiner Vernichtung ganze Kaserneninhalte beansprucht hat? Auf der anderen Seite geschieht es auch nicht selten, wenn in allzu sololastigen Games der Gruppen suchende Spieler vor lauter Spinnweben beginnt, sich für Spiderman zu halten.

Screenshot zu: Ausgabe 40: PhrasereienGruppenzwang für Superhelden

Wäre es denn wirklich so schlimm sich für eine Seite der Medaille entscheiden zu müssen? Die Nennung des tatsächlichen Spielschwerpunktes mag zwar die Erstverkaufskassen etwas erleichtern, aber der Wegfall des werbetechnisch fatalen Forengegenwindes wäre auch nicht zu unterschätzen.

Kommentare 12
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pedant15.09.2009 14:38
Wir leben aber tatsächlich bereits seit dem 1.1.2001 im dritten Jahrtausend. Genauso wie wir seit dem genannten Tag im 21. Jahrhundert leben...
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bleicher04.09.2009 22:34
da gibts noch ein Versprecher -
"Offene Welt" ;)
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P0sP0s30.08.2009 13:59
Also für mich klingt Auto auch wie reiner Flame...

Naja... und Olniggs Glosse hat schon genau das passende Logo. Denn mehr ist es nicht...
meine Meinung
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Automatix28.08.2009 18:35
@Sau...

Hättest Du diesen Text mal besser auch verworfen. Wo ist denn nun eigentlich Dein (Gegen-)argument? Was soll man darauf antworten? Der Kern Deiner Aussage, alles runterschlucken, sich alles gefallen lassen, weil ist halt so? Amen, Bruder... so nicht!
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Hans Sausage28.08.2009 02:33
Nach einigen Überlegungen und verworfenem Text nur so viel zu WoW: Wenn du es spielst, dann sei ein Mann und heul nicht im internet rum, wo ich es lese und ne Stunde lang Antworten schreibe und dann verwerfe! Kann´s denn wahr sein!...

Zu den Drachen in der Kolummne: ich hatte beim GW2 trailer, den Eindruck, dass gewisse Parallelen zur Wirklichkeit gezogen werden, und die Drachen haben daher eine nicht ganz unwichtige Symbolfunktion. Das hätte mit einem sich selbst inspirierenden Designer nicht funktioniert.
Andererseits: ist schon schlimm, dass jeden Monat der "allerletzte" Drache aus seinem Jahrtausende alten Schlaf erwacht..
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Sir-Peter26.08.2009 22:20
danke für diese schöne ,geistreiche Glosse
oh wie war ist leider all das
LG Peter
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blacksun8425.08.2009 16:16
Schöne Glosse. Steckt viel Wahres drin und zwischen dem häufigen Forenruf nach Neuem und den Verkaufszahlen von neuen Konzepten liegen leider Welte. Viele haben lieber den tausendsten dummen Wolf vor der Flinte als endlich mal einen halbwegs cleveren Orc, dem es mal einfallen würde, dass ein Kampf alleine mit der Axt gegen einen Hexenmeister mit Dämon im Zerfetztzerreißausweidundseeletrinkmodus nicht sehr clever ist. Allerdings sind auch 9 von 10 Spielern eben jener Hexenmeister oder sonstwas in diversen Spielen mittlerweile nicht fähig genug, um mehr als einen dieser auf Selbstmord getrimmten Gegner zu schaffen.
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Raskor25.08.2009 16:06
Es gibt zwei arten von fortschritt, den langsamen und akribischen und den Geniestreich. Wir wünschen uns meistens letzeres, aber ersteres entspricht meistens den Tatsachen.

Mann kann also nicht erwarten, dass jedes neue spiel top inovativ ist. Es ist wohl eher so das man einmal pro jahr mal etwas besonderes sieht und etwa einmal pro Jahrzehnt den ersehnten "Geniestreich".
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Drok25.08.2009 13:40
@ Joachim: genau richtig, wenn man kommerziellen Erfolg anstrebt. Aber wer will schon zu große Risiken eingehen, jeder muss schließlich von irgendwas leben. Daher liebe ich Mount&Blade, weil es gewagter ist. Die Piranhas verstehe ich allerdings auch, wenn Olnigg schreibt im neuen Teil macht man riesige Rückschritte zum alten Gothic. Ich freu mich drauf - kack, jetzt bin ich auch kommerziell :)

Drok
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Phrase: Episch...25.08.2009 12:58
Ich kann es nicht mehr hören und lesen, seit der blizzard'schen Volkskrankheit "WoW" gibt es kaum ein Wort, was so einprägsam für die heranwachsende Vergnügungsgesellschaft war wie dieser Begriff.

Vor fast genau fünf Jahren begann der Siegeszug durch die Foren, als Blizzard von besonders seltener Beute sprach. Ein epischer Gegenstand war so selten, daß selbst die Erwähnung der Farbe Lila schon nervöse Zuckungen und Augenlidkrämpfe hervorrief, in schweren Fällen auch Schreien und Glucksen.

Jeder wollte wissen, wie sich das anfühlt, so ein Epic! Doch dann, ich erinnere mich noch genau, kamen die Heuler auf den Plan, die Casuals, die für minimalen Aufwand und mit geringsten strategischen Fähigkeiten das selbe haben wollten die die Dauerzocker. Sie wurden erhört!

Mittlerweile werden Epics unter's Volk geworfen wie Gratiskugelschreiber und selbst einer geistigen Amöbe ist es möglich, sich episch zu fühlen. Blizzard hat den epischen Gedanken massentauglich transformiert und die Gehirne der kindlichen Kundschaft auf Gleichstrom gestellt.

Episches Buff-Food, epische Pfeile, epische Pets... alles, was Blizzard unter's Volk bringt, ist natürlich episch, selbst die Verschiebungen...

Nein, also ganz ehrlich und jetzt frei von der Seele, ich kann es nicht mehr hören. Ich hasse Lila. Ich hasse Epics und alle, die sowas besitzen. Ich trage Blau, weil das jetzt seltener ist als all das andere Zeug.

Danke Olnigg für die Glosse, ich habe gelacht, geweint und mit den Armen gerudert, daß kommt bei mir eher selten vor. Es ist alles wahr, es ist alles so trauig...

Automatix
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VoodjinVoodjin25.08.2009 12:55
@Joachim
Stimme ich Dir vollkommen zu. Der großteil der Default-User wollen doch nichts anderes als eben immer die selben aufgewärmten Konuzepte sehen, scheißegal wie oft diese in der Vergangenheit schon vorgekaut wurden. Innovationen werden immer misstrauisch beäugt und meist endet das Ganze dann in einem finanziellen Fiasko für die Entwicklungsfirma. Da kann ich gut verstehen, wenn die Spieleentwickler eher auf Altbewärtes setzen und auf Nummer sicher gehen wollen. Den was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht, leider.
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Joachim25.08.2009 12:27
Im bezug auf deinen letzten Absatz , es gab diese andersartigen , diese neue Ideen oder gar Neukreationen ... Aber all diese Spiele sind gescheitert.... Das liegt nun beim besten willen nicht an der unfähigkeit der Designer , Programierer . Nein es ist die Masse der Spieler die immer wieder zu einem 0815 WoW greifen anstatt dem Neuen mal eine Chance zu geben .
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