Vorsch(l)auer
Vanguard war ein konzeptionell geniales MMORPG. Umfassende Charaktervielfalt, mannigfaltige Handwerks- möglichkeiten, innovative Spielmechaniken und das alles in einer gigantisch großen Welt. Nur schade, dass Sigil damals das Geld ausgegangen ist und vorzeitig ein halbfertiges und fehlerstrotzendes Produkt auf den Markt werfen musste. Seinerzeit sind in den internen Foren die Beta-Tester gegen den selbstzerstörerischen Frühstart Sturm gelaufen.
Was das alles mit Fallen Earth zu tun hat? Zum Zeitpunkt dieser Glossenerstellung gilt für dieses, allzu wahre, Endzeitszenario die NDA. Alles klar?
Innerhalb der virtuellen Welten dürfte die Bezeichnung „WoW-Killer“ unstrittig das Unwort des letzten Jahrhunderts sein. Von jedem Neuspiel, das in Asialand einigermaßen erfolgreich ist, wird erwartet, dass es Blizzards grobkörnigen Farbkasten endlich beerdigen wird. So auch von Aion. Doch warum eigentlich?
Optisch betrachtet wird Aion zwar nicht mehr mit Kohle betrieben, aber die Erfindung der grafischen Kernfusion kann man ihm auch nicht gerade zusprechen. Da wurde die Messlatte bereits viel höher gelegt und der Blender „schöne Rüstungen“ vermag über den Massenselbstmord des Bodenbewuchses aufgrund Vereinsamung nicht hinwegzutäuschen.
Beengendes AionWeiter wären da nur acht Endklassen, die zudem so abwechslungsreich zu skillen sind, wie ein Bahngleis ohne Weichen. Überschaubare Low- und Mid-Level-Gebiete, welche das eingangs beschriebene Busphänomen der Überfüllungshämatome nun auch in der virtuellen Welt ermöglicht. Der extrem lineare Zonenaufbau, die kindersichere Questabarbeitung und ein Hüpf-Salto-Paradies für debile Zielgruppen versprechen die abschließende Sabotage der Kundenlangzeitbindung.
Doch soll das handwerklich perfekt ausgeführte Aion nicht zu stark vorverurteilt werden. Die sehr fantasievoll gestaltete Welt und ihr augenscheinlicher PvP-Schwerpunkt dürften genügend Abnehmer finden und der Erfolg dieser durch zahlreiche Flugverbote geprägten Welt auch im Westen garantiert sein. Aber warum ausgerechnet die Mehrheit der WoW-Spieler vom Regen in die Traufe wechseln sollte, vermag niemand zu erklären.
Mag es einen Zeitpunkt gegeben haben, wo man angesichts bestimmter Spieldesigner die Wiedereinführung der Folter gewünscht hatte, so können einem die Piranhas heute leid tun. Jeder Serienmörder und sogar Bankster wird eher begnadigt, als dass jene sich die „Gothic 3“-Geschehnisse nicht mehr vorhalten lassen müssen. Doch gerade deren Bewährungshelfer hat ganze Arbeit geleistet. Das neue Risen verspricht den konsequenten Rückschritt in die gothische Steinzeit und die Fanwelt atmet auf. Hinzugerechnet der vorbildliche Verzicht auf DRM und schon wird der Blindkauf beinahe zur Pflicht.
Die RisensauereiAlso überhaupt kein Haar in der neuen alten Inselsuppe? Nicht ganz. Denn bei so viel Tradition droht die Gefahr eines Dauer-Deja-Vus. Weniger als drei Jahre Entwicklungszeit zeugen nicht gerade von einem kompletten Neuanfang. Wo ewig grüßt die Robe und der Joint, da könnte allzu leicht ein angeschimmeltes „The Secret of Gothic Island“ entstehen.
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen