Die Tat an sich ist es nicht, die mich heute umtreibt. Denn wenn ein dem Namen nach erwachsener Mensch in seiner Villa Waffen und Munition in Mengen hortet, um die ihn jeder professionelle Wachschutz beneiden würde, dann ist das für mich nicht einmal mehr ein verwundertes Heben der Augenbraue wert.
Wenn an einem Ort, wo Durchschnittseltern normalerweise Verhütungsmittel oder die Bibel oder im päpstlichen Horrorfalle beides gleichzeitig aufbewahren, sich plötzlich ein zum Serienmord befähigender Metallgegenstand befindet, dann erzeugt solchermaßen Fahrlässigkeit bei mir allenfalls ein kopfschüttelndes Unverständnis.
Wenn das Ego eines Heran(ver)wachsenden nur dazu ausreicht, seine Frustration mit Gewalt an wehrlosen Mädchen auszulassen, dann ist dieser in meinen Augen nur einer unter vielen Verrückten auf diesem Planeten, über die ein Wort zu verlieren einzig den Sicherheitskräften und Psychiatern zugestanden sei.
So grausam die Ereignisse für die Betroffenen, so mitleiderregend sie für die Schaulustigen und so praktisch sie für die Politikerinteressen auch sein mögen, das für mich Beunruhigendste an diesem Verbrechen ist dessen Tendenz zur Regelmäßigkeit. Und wo das Besondere zur Normalität mutiert, da vermag ich anstatt Worten nur noch Taten einen Sinn abzugewinnen.
Anders sieht das Ganze allerdings im Bereich Medien aus. Denn wer meint, das Wort Amok dürfe nur in Zusammenhang mit einer Straftat verwendet werden, der sollte seinen Informationsquellen etwas genauer auf die Finger sehen. Was sich hierzulande die Onlinepresse gerade im oben genannten Zusammenhang an steuernder Meinungsmache geleistet hat, habe ich in einer solch geballten Masse bisher noch nicht erlebt. Ein banales Beispiel gefällig?
Es existiert ein offener Brief der Eltern von fünf getöteten Schülerinnen, in dem ein Forderungskatalog an den Gesetzgeber gestellt wird. Jenem können detaillierte Verbesserungsvorschläge über die Bereiche vom Schusswaffengebrauch bis hin zu medialer Verantwortung entnommen werden. Alles in allem ein Papier, dessen Inhalt überraschend konstruktiv gestaltet ist. Gerade unter dem Aspekt, dass es von trauernden Angehörigen verfasst wurde.
Doch was machen die Medien daraus?
Betrachten wir zuerst einmal den onlinigen Ableger eines Nachrichtenmagazins, dessen früherer investigativer Journalismus oft begeistern konnte. Die zugehörige Internetmeldung zu dem offenen Brief sah folgendermaßen aus:
„Opferfamilien aus Winnenden verlangen Killerspiel-Verbot“ Eine Schlagzeile, die zwar im Kern nicht lügt, aber die Wahrheit absurd verzerrt. Es fehlt der Hinweis über all die anderen ebenfalls geforderten Veränderungen. Denn würde man den offenen Brief einem Statistiker zum Austoben geben, dann erhielte man folgende Daten:
Der Brief besteht aus 4337 Buchstaben. Hiervon beschäftigen sich 1630, also weit mehr als ein Drittel, mit den Bereichen Fernsehen, Foren und Berichterstattung. Ein weiteres knappes Drittel in Form von 1244 Zeichen widmen sich der Thematik Schusswaffen und Sport. Ganz im Gegensatz hierzu werden die Killerspiele mit übersichtlichen 280 Buchstaben bedacht. Und auf diese sechseinhalb Prozent stützt der kompetente Berichterstatter von heute seine Schlagzeile?!
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Während meine kindheit (siehe unten) war Fernsehen gross im kommen. Bonanza, Leute von der Shilo-Ranch. Alles Sachen in denen Probleme mit Waffengewalt gelöst wurden. Alle Jungs in meinem Alter sind mit Holz- oder Platikpistolen draussen rumgerannt ( ja, DAMLAS konnte man noch draussen unter AUFSICHT der ELTERN spielen ;) ) Kleines Geheimniss: Mein alter Herr war bei der Fremdenlegion und hat mir viel üer Krieg und Gewalt erzählt und hat mir TROTZDEM im EINstelligen Alter den umgang mit Luftgewehr beigebracht. Obs nen Fehler war?...:) (zumindest wurde ich noch keiner Straftat belangt (toitoitoi :)
Waren, sind und bleiben Kinder und Heranwachsende nicht grausam, JA. Wenn du aber kein Elternhaus hast das sich um dich kümmert, tja, da helfen alle Rufe nach verbote nix
grüsse
Wen man außerdem als "Verrückten" oder als "Opfer" abstempelt ist meines Erachtens Definitionssache.
Eine sehr passende Aussage eines Klassenkameraden von mir war es, auch wenn es vielleicht nicht die niveauvollste war: "Ist euch eigentlich aufgefallen, dass alle Amokläufer aussehen wie Typen, die die ganze Zeit in der Schule gemobbt werden?"
Die Schuld das es soweit kam war nicht nur die des Jungen, erst Recht nicht die der bösen Killerspiele, sondern es lag an den Eltern, den Freunden (falls überhaupt vorhanden) und den Klassenkameraden. Das er über all die Jahre also heran(VER)wachsen ist, finde ich garnicht so schlecht formuliert.
ich galub du hast nix verstanden, gar nix o0
also so überhaupt nix. wirklich nich.
Wenn das Ego eines Heran(ver)wachsenden nur dazu ausreicht, seine Frustration mit Gewalt an wehrlosen Mädchen auszulassen, dann ist dieser in meinen Augen nur einer unter vielen Verrückten auf diesem Planeten...
Alleine damit geben Sie sich auf genau das selbe Gossenniveau herab wie Bild und Co.!
Man wird nicht als Opfer geboren, man wird zum Opfer gemacht! Und wenn man nunmal nicht das Glück hat, mit einer starken Persönlichkeit gesegnet zu sein und nicht das Glück hat, dass einem Mobbing am Arsch vorbei geht und ebenfalls nicht das Glück hat, dass einem einer zuhört, ist man deswegen Verrückt?!
Wohl kaum!
Bloss weil das gefühlte gesamte Unglück der Welt auf einen herabregnet und man dann ebenfalls noch das Unglück hat, eine Waffe ohne Probleme besorgen zu können um das was einen Tag ein, Tag aus fertig macht und innerlich zerstört selbst zu zerstören, ist man deswegen verrückt?!
NEIN!
Die Welt ist verrückt dass es überhaupt soweit kommen konnte, dass millionen Leute tagtäglich WEGschauen, die Opfer fördern oder aber im günstigsten Falle ein mitleidiges Lächeln schenken, wo ein Wort soviel hätte ausrichten können!
Eine Schulter zum ausheulen, ein Freund zum zuhören, ...
WENN wir von Opfern reden, dann ist das grösste Opfer wohl der Amokläufer - Tim - selbst.
Möge er in Frieden ruhen!
Olnigg: Bewerben Sie sich bei Bild, scheint eher Ihr Niveau zu sein.
So kritisch und gut wie Sie sonst waren, so billig und schlecht sind Ihre Äusserungen jetzt!
MfG,
AmmokK (respect @ Alexandor, endlich einer der SIEHT!)
Wie wäre es mit einem Mobbingverbot?
Es wäre sinnvoll die Dinge bei der Ursache zu behandeln, nicht bei den Symptomen.
Wozu ein Psychiater, dessen Wissen auf Meinung anderer beruht? (Bücher z.B.) Wenn Menschenverstand und Mitgefühl zum Urteilen ausreicht.
Wenn ein Mensch Amok läuft, schaue ich mir als Denkender Mensch als erstes den Mensch an und sein Umfeld.
Fällt niemanden auf, das diese benannten "Amokläufer" in Schulen "durchdrehen", wo die Mobbingquote mit am Höchsten ist?
Olnigg, du regst dich über die Bild und die Medienwelt auf, schreibst aber für ein Portal das u.a. Partner von Pro Sieben (hatten die nicht auch etwas mit Bild direkt zu tun?!) ist.
Findest du das nicht ein wenig undurchdacht?
Ich frage mich, wer von den Menschen, die Mitleid gegeben oder geheuchelt haben, wirklich etwas dazu tun, das so etwas weniger passiert.
Wer geht von euch dazwischen, wenn Unrecht passiert?
Beispiel Mobbing, wer hilft den Opfern von euch?
Und wer verschließt die Augen und verdrängt es?
Oder macht gar bei dem Spielchen mit?
Ich denke der Großteil erliegt der Bequemlichkeit seinen Frust per Hackordnung an den nächst Schwächeren abzugeben und nur die wenigsten haben den Mut etwas ändern zu wollen, aus Angst selbst ein Opfer zu werden oder nicht mehr "dazu zu gehören".
Und das betrifft jede Altersschicht.
Ein schärferes Waffenrecht in DE ist ein Thema das allerdings nicht auf diese Plattform gehört, dennoch sei dem intresiertem Leser nahegelegt das deutsche Waffenrecht zu sondieren.
Man wird merken das wir hierzulande eines der härtesten Waffengesetze Weltweit aufzubieten haben. Leider hinkt bei den meisten die Kenntniss über die Ausführung dessen und vorallem die Kontrolle mangelt oftmals, leider.
Klingt doch ganz gut und vernünftig, oder? Solche Zeilen sind in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben und den nackten Brüsten zu entdecken. Sie könnten also, wenn sie nur wollten."
Das war garantiert ein Fehler denn normalerweise verschweigen die die Sachen die gegen sie selbst sprechen würden.
Olniggs Glosse - Ausgabe 28: die Amokschreiber
www.bildblog.de/.../tim-k-bei-amokvz-nicht-registriert
www.bildblog.de/.../wie-bild-den-amoklauf-in-szene-setzt
www.bildblog.de/.../die-kranke-welt-der-bild-zeitung
www.bildblog.de/.../die-amok-opfer-der-bild-am-sonntag
www.bildblog.de/.../wir-haetten-das-niemals-erlaubt
www.dwdl.de/.../eintrag_20111.html
mich hat die ganze Berichterstattung um das schlimme Verbrechen auch angekotzt
Allerdings ist es nicht so humorvoll wie man es von ihm gewohnt ist. Also ein weiteres Indiz für sein großes Talent, denn dieses Thema zu sehr mit Humor zu bestücken wäre wohl angesichts der Ernstheit der Konsequenzen äußerst unpassend gewesen.
Fazit: Eine tolle Glosse, aber sie ist denke ich nicht im passenden Portal presentiert, da die Leute die sie lesen müssten hier wohl nicht auftauchen werden... traurig.
Ich vermisse in der Berichterstattung besonders die Objektivität,
im Fernsehen zum Beispiel kommen entweder irgendwelche Nerds vor die Gewaltspiele verharmlosen oder ein Professor Spitzer der einem zwar gut erklären kann was in einem Gehirn passiert, der aber von Psychologie zu wenig Ahnung hat als das er etwas konstruktives beisteuern könnte.
Wo sind denn die Psychologen die sich mit Amokläufern beschäftigen?
Habt ihr so einen mal im im Fernsehen gesehen?
warscheinlich nichtmal weil sie handwerklich besser ist, sondern weil sie wohl sehr vielen aus der seele spricht.
das erste woran ich dachte als ich mittags am 11.3. von dem amoklauf hörte war nicht etwa "oh nein die armen opfer und angehörigen" oder so, sondern "oh nein, hoffentlich hat tim k. alle computerspiele von seinem pc entfernt."
an sich hab ich weniger nach den details zum tathergang gesucht, als vielmehr nach der ersten computerspiele verbots forderung.
Streamvideo dazu.
events.ccc.de/.../2334.en.html
Interessanter Vortrag, der genau diese Geschichte erörtert. Die Medien. :-)
ein gleichnamiger jugendlicher wurde kurz nach der tat als amokläufer angegeben, natürlich mit foto
www3.ndr.de/.../zapp3204.html
schönes Beispel wie die journalisten dank internet heutzutage googeln.. äh arbeiten
Mein Tipp: Abwarten, bis in einigen Jahren die "Killerspiel"-Hetzer den Weg allen Irdischen gehen und schon haben wir Ruhe. Bis sich Deppen aus unserer Generation in 30-40 Jahren über dann die Jugend erdreisten.
Am geilsten sind aber die Zeitungsnamen :
-"Zeitung mit den vier großen Buchstaben und den nackten Brüsten"
Was könnte damit wohl gemeint sein :)
Grüße
Drok
nicht wahr Olnigg?
Um jetzt wieder den Bogen zum Thema zu kriegen: Wenn man jemals so etwas wie ein Urvertrauen in eine bestimmte Nachrichtenquelle hatte, dann wurden spätestens seit der Erfindung des Wortes "Killerspiele" alle Möglichkeiten genutzt, um dieses Urvertrauen zu zerstören. Wo früher die Journalisten recherchiert haben, um der staunenden Bevölkerung etwas zu enthüllen, muss heute die Bevölkerung selbst recherchieren, um den Wahrheitsgehalt der Nachrichten zu ermitteln.
Jetzt ist es ja so, dass unsereins sich im Bereich der Spiele überdurchschnittlich gut auskennt, in anderen Bereichen dafür evtl. weniger gut. Wenn ich sehe, wie viel Unsinn über Computerspiele verbreitet wird, frage ich mich, wie es um die Qualität der Informationen bestellt ist, die für mich nicht so leicht überprüfbar sind. Allerdings stelle ich mir die Frage nur rhetorisch....
Zum Thema Massenmedien kann man nur sagen, dass man sich nicht auf die EINE Quelle verlassen kann, man muss sich immer durch einen Haufen durcharbeiten und dabei versuchen die richtigen Infos zu herauszufiltern.
@Glockensturm
Bei mir war es ähnlich, habe früher meine gesamten Infos aus dem Fernsehen geholt, meist von den Privatsendern. Inzwischen schalte ich den Fernseher nur noch für ca 30 Minuten am Tag ein, um Tagesschau und/oder Heute-Journal zu schauen. Als Ausgleich lese ich im Internet 6 Zeitungen quer und selbst dann muss man sich immer noch sehr bemühen die richtigen Informationen zu extrahieren.
Eigentlich sehr traurig, dass es so schwer ist sachliche Informationen zu bekommen.
Sehr treffend formuliert. Leider ist diese Recherche mittlerweile bei so ziemlich jeder Pressemeldung angebracht. Die Konsequenzen daraus sind garnicht absehbar, daher finde ich auch die abschliessende Fragestellung mehr als berechtigt und nicht im mindesten pietätlos.
Danke Olnigg.
Es steckt viel Wahres in Olniggs Zeilen. Man fragt sich aber auch, was ist nun die Wahrheit? Wie komme ich an die Wahrheit heran?
Ich habe früher fast stündlich Nachrichten im Fernsehen konsumiert, ich hatte N-TV & N24 auf den ersten beiden Plätzen der Fernbedienung, daß fing mit den Ereignissen des 11. Septembers an. Wenn ich ehrlich bin, ich dachte, wir stolpern in einen 3. Weltkrieg. Ich konnte mir keinen Tag ohne aktuelle Nachrichten vorstellen.
Heute ist das anders. Ich informiere mich immer noch, allerdings habe ich keinen Fernseher mehr. Am Anfang war es ziemlich schwer, ganz ohne TV auszukommen. Nun, seit einigen Monaten informiere ich mich ausschließlich über das Internet. Aber um zu Differenzieren, habe ich viele Informationsquellen, auch Ausländische.
Dieser heutige Olnigg ist ein gutes Beispiel, wie die Sache mit der Wahrheit funktioniert, denn diese Glosse ist natürlich keine Nachricht, sondern vielmehr ein Kommentar zu diesen erschütternden Ereignissen. Liest man nun mehrere Kommentare zu diesem Drama und verbindet das mit den Informationen aus den öffentlichen (nicht privaten) Medien (z. B. ARD, ZDF), kann man sich einen guten Eindruck vom Stand der Dinge verschaffen.
Obwohl, bei aller Kritik, wir in Deutschland noch recht gut mit Informationen versorgt werden. Es gibt weitaus größere Länder, wo die Nachrichten stark zensiert und zentralisiert sind. Ich denke hier an China, Nordkorea usw., ja sogar an Russland, den Iran.
Dort ist es äußerst schwierig, an ungefilterte, zuverlässige Nachrichten zu kommen.
Abschließend sei gesagt, diesmal ein guter Olnigg, der auf ominöse Vergleiche verzichtet und uns die ernsten, nachdenkenswerten Seiten des Lebens aufzeigt.
Wir sind eben nicht nur Computerspieler, sondern auch (noch) Menschen.
Danke.
Glockensturm
@Zamzamah: ich geb dir recht geben
vielleicht wäre es eine möglichkeit den menschen mit dem holzhammer den verstand ein zu prügeln...
oder die menschen die nicht zwischen fiktiven und realität unterscheiden köennen einfach die sachen verbieten....
Denn das unterscheidet ein Kindergartenkind von einem Volljaehrigen und Vollzumutbaren, das man nicht nachplappert sondern selbst denkt.
Zum letzten Satz: Genau da hast du recht, leider.
Ich sehe öfters in meinem Umfeld, wie leicht sich Leute vom Fernsehen beispielsweise manipulieren lassen.
Selbst ich lasse mich manchmal von Gamona zu einem Hype hinreissen.
Die große Frage ist ja: Wie lässt sich das ändern?
Wie bekommt man den Verstand in die Köpfe der Leute?
Ich habe noch keine Antwort darauf. Schule hilft hier auch nicht.
Hier muss etwas anderes her...