Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 26: Dr. Schreuble

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17. März 2009 12:00 Uhr

Noch mehr Dr. Schreuble

Olnigg: Kinderpornografie und Terrorismusbekämpfung. Man könnte meinen, diese beiden Wörter seien der Freifahrtschein für gesetzgebende Willkür.

Dr. Schreuble: (lacht) Das Ministerium für Arbeit und Soziales dürfte als drittes Wort die Vokabel „Arbeitslosigkeit“ einwerfen. Nein, aber im Ernst. Meine Mitarbeiter und ich warten noch immer auf den ersten Terroristen, der gleichzeitig des Kindesmissbrauchs überführt werden kann. Solcherart Tatsachen könnten der Umgestaltung des Grundgesetzes und der Überwindung von Bedenkenträgern enorm zuträglich sein.

Olnigg: Na vielen Dank. Wie soll denn bei solchermaßen Totschlagsargumenten noch eine sachliche Diskussion über die Verhältnismäßigkeit von Mitteln geführt werden?

Dr. Schreuble: Sie verzeihen, wenn ich Ihre Frage zurückstelle? Ich möchte Sie in Ihrem eigenen Interesse lieber darauf hinweisen, im Internet mit der Nennung der vorderen Hälfte des zuerst genannten Substantivs vorsichtig zu sein. Da gerade die automatischen Suchmaschinen des BKA in ihrer präventiven Internetüberwachung etwas Spielraum zur Perfektion besitzen, könnte ein entsprechender Fehlalarm eine noch viel präventivere Hausdurchsuchung nach sich ziehen. Wir wollen doch beide nicht, dass wegen einer falschen Wortwahl Ihre Möbelinhalte leiden.

Olnigg: Wie bitte?! Das Wort Totschla… das Wort von da eben… das… das würde bereits genügen, um… aber…

Dr. Schreuble: Keine Sorge. Nur dann, wenn unsere unfehlbaren Bundesprogrammierer einen Fehler begehen. Um auf Ihre ursprüngliche Frage der Sinnlosigkeit von Diskussionen zurückzukommen, Wer heutzutage auf die Bytebarrikaden geht, der hat viel mit dem Hasen aus „Der Hase und der Igel“ gemein. An so vielen Fronten können Sie gar nicht entrüstete Öffentlichkeit erzeugen, wie mein Ministerium Ideen zu Datenbeschaffung erzeugt.

Olnigg: Und am Ende steht der totale Überwachungsstaat, der immer weiß, wo sich nicht nur seine schwarzen, sondern auch seine weißen Schäflein aufhalten?

Dr. Schreuble: Das von Ihnen skizzierte Ende hat schon lange begonnen. Ein großer Teil der flüchtigen Straftäter wird heutzutage über das Handy geortet und gefasst, weil es diesen Subjekten an ausreichender Gehirnmasse mangelt, die Ihnen zum Ausschalten des Gerätes rät. Überhaupt mutiert der Mobilfunk vermehrt zur Säge am Alibistuhl und ist aus den täglichen Ermittlungsarbeiten nicht mehr wegzudenken.

Olnigg: Hand aufs Herz. Wenn sie die Macht hätten, jedem Bundesbürger von der Geburt an einen GPS-Chip einsetzen zu können, würden Sie es tun?

Dr. Schreuble: Diese Frage kann ich guten Gewissens mit einem klaren Nein beantworten. Nicht jedem Bundesbürger, sondern nur fast jedem. Schließlich nehmen wir Parlamentarier eine gewisse vertrauensvolle Sonderstellung ein und dies sollte meiner Meinung nach honoriert werden. Auch eine finanziell begründete Freistellung käme in Anbetracht sinkender Steuereinnahmen in Frage. Aber darüber wird zur gegebenen Zeit noch im Detail zu reden sein.

Olnigg: Wo soll das alles hinführen? Was wird denn eines nicht mehr so fernen Tages mit der Einführung und flächendeckenden Nutzung der RFID-Technologie geschehen? Wird mit dem Erwerb einer Skimaske und anschließender Annäherung an eine Bank dann etwa automatisch ein SEK-Einsatzalarm ausgelöst werden?

Dr. Schreuble: Eine ganz ausgezeichnete Idee, Herr Olnigg. Wollen Sie nicht Ihren sicherlich unterbezahlten Job als Wörtchengeber sein lassen und könnten Sie sich stattdessen eine überdurchschnittlich gut dotierte Beratertätigkeit für eine Bundesbehörde vorstellen?

Olnigg: Es ist an der Zeit, mich für dieses Interview zu bedanken und den privaten Gesprächsteil zu eröffnen.