Karriereachterbahn statt -leiter
Wer leveln will, der benötigt Erfahrung, so auch in Runes of Magic. Interessant und gewöhnungsbedürftig ist hierbei die über die Level hinweg recht gewürfelt anmutende Zuteilung des XP-Zuwachses. So ist es erstmals einem Hersteller gelungen, die Levelkurve nicht im Sinne ihres Wortes auszuarbeiten, sondern ihr das Aussehen eines in alle Himmelsrichtungen ausschlagenden Seismografen zum Zeitpunkt eines weltumspannenden Erdbebens zu verleihen. Dies liegt in der sehr unterschiedlichen Verfügbarkeit von Quests begründet.
Wenn der Schlagschatten wirklich einen Schlag hat.Gerade in den höheren Leveln ist an einen Stufenanstieg durch Monstergrind nur noch zu denken, wenn man eine intensive Abhärtung durch eine jahrelange Berufstätigkeit in einem Steinbruch hinter sich hat. Wer sich also den Massenmord an Tausenden von Mobs ersparen will, der greift bevorzugt zu den Quests inklusive ihren noch pervers einfacheren Ablegern, den Tagesquests. Nur Schade, dass eben diese Quests nicht in allen Leveln mengenmäßig gleich verfügbar sind, und so bieten gerade die Zeiten der Questarmut dem Spieler viel Gelegenheit, sich über einen Wechsel zu einem alternativen Onlineprodukt Gedanken zu machen.
Und jetzt nehme man das eben Gelesene und multipliziere es mal Zwei. Mal Zwei deshalb, weil Runes of Magic das einmalige Erlebnis bietet, einen Charakter in zwei verschiedenen Klassen leveln zu lassen. Trotzdem für das Ausleveln dieser zweiten Klasse ein paar halbherzig vollendete Parallelzonen zur Verfügung stehen, dürfte ein Spieler angesichts der bevorstehenden Stupidität erahnen können, was in Amerika ein verurteilter Straftäter empfindet, wenn er als Richterspruch das Urteil „zweimal lebenslänglich“ vernimmt.
Lootterie
Wer schon immer einmal mit seherischen Fähigkeiten glänzen und Wahrsager werden wollte, der ergrinde sich seine Berufsausbildung durch die NPC-Horden. Gerade im Rahmen der Tagesquests wird man alsbald die sehr übersichtlichen bis nicht vorhandenen Loottabellen der Gegner auswendig kennen.
Liebe macht schief.Und wer bislang meinte, der afrikanischen Zentralwüste einen Vorwurf bezüglich einer im Übermaß dargebotenen Monotonie machen zu können, der hat noch keine hundert Mobbegegnungen in Runes of Magic hinter sich gebracht. Wie langweilig mögen die persönlichen Lebensläufe der Angestellten eines Unternehmens sein, wenn ihnen als Gipfel der Dropvarianz ein einziges grünes Item genügt. Es würde dem Glossenschreiber nicht verwunderlich erscheinen, wenn die Firma Runemaker ihren Mitarbeiterstab komplett aus den asketisch-anspruchslosen Kreisen konfuzianischer Klöster rekrutiert hat.
Fazit
Was für ein genialer Spielansatz und wie noch genialer wurde er versaut – Langzeitmotivation auf dem Niveau einer Ozeantrockenlegung.
Ich mag mich bis heute für alles andere als einen Rassisten gehalten haben, aber schön langsam bröckelt meine diesbezügliche Selbstsicherheit. Was dieses Sardinenbüchsenvolk da auf dem Globus rechts unten aus der zart wachsenden Onlineknospe Runes of Magic gemacht hat, grenzt schon sehr an geistige Umweltverschmutzung. Mir kann keiner erzählen, dass im Rahmen der Entstehung auch nur einer der Verantwortlichen ein wenig über seinen Tellerrand geblickt und sich schlau gemacht hat, was ein Onlinespiel ausmacht. Hier sind die Spieldesigner nach Schichtende entweder regelmäßig vor dem Spielautomaten oder im Rotlichtmilieu versauert, aber wie man Bits und Bytes dauerhaft Leben einhaucht, davon haben sie so viel Ahnung wie ein Maulwurf vom Gerüstbau.
Dabei wäre es so einfach gewesen, das Ruder herumzureißen, wenn den Quests mehr Fantasie und weniger Dilettantismus gegönnt worden wäre. Itemvielfalt hätte nicht nur am lebendigen Körper, sondern auch beim erschlagenen Gegenüber eine Rolle spielen sollen. Und last not least kann ich mir nicht vorstellen, dass eine auf die doppelte oder vierfache Größe gestreckte Oberwelt den Etat zum Einsturz gebracht hätte. Leider war dies alles nicht der Fall und sowohl Alpha- als auch Closed-Beta-Tester wurden entweder geflissentlich überhört oder es handelte sich bei ihnen um chinesische Wanderarbeiter, die ihren Arbeitgeber nicht durch Widerworte in Missstimmung versetzen wollten.
Doch etwas Gutes muss man dieser öffentlich zelebrierten Selbstvernichtung von Investitionskapital zugute halten. Zum ersten Mal seit langer Zeit ist nicht die Finanzkrise an allem schuld, sondern lediglich die ganz profane Branchenunkenntnis. Wie schön, dass gute alte Traditionen auch in diesen Zeiten noch gepflegt werden.
Und nächste Woche erzähle ich Ihnen etwas über einen Item-Shop, die Firma Frogster und warum die Firma Runemaker Entertainment nur Platz Zwei der Versager-Top-Ten belegt.






















