Dümmerung 3
Interviewer: Warum veröffentlicht man ein Produkt, wenn es noch nicht fertig ist? Etwa weil des Kunden Vergesslichkeit den Samen für das nächste Desaster legt?
Herr Derflinger: Ein klares Nein. Als Publisher mag man vielerlei Zwängen unterliegen, denen man sich schwerlich entziehen kann und die höchst unterschiedlicher Natur sein können, aber unkritische Kunden sind allerhöchstens als angenehme Begleiterscheinung einzuordnen.
Interviewer: Was ist bei der Götterdämmerung konkret passiert? War der Urlaub schon gebucht oder wurde die angemietete Lagerhalle mit den Spieleboxen für die Einlagerung von Weihnachtsbäumen benötigt?
Herr Derflinger: Sie fantasieren. Unsere monetären Berater rieten uns lediglich dazu, der Unternehmensbilanz etwas schwarze Farbe zukommen zu lassen.
Interviewer: Ist das nicht etwas zu kurz gedacht? Mit dem erneuten Gothic-Imageverlust verlieren Sie doch gerade fest gewachsene Kundenbindungen und riskieren den langfristigen Umsatzuntergang.
Herr Derflinger: Keine Sorge. Im nächsten Jahr reihen wir uns offiziell in die Riege der Finanzkrisenopfer ein und fordern Milliardenunterstützung von der österreichischen Bundesregierung. Dann kann uns endlich dieser ganze Verkaufsschmarrn gestohlen bleiben.
Interviewer: Und wenn sich Ihr Plan nicht erfüllt? Was würden Sie persönlich machen, wenn eines Tages JoWood keine Dummen mehr findet, die für ihre ungelegten Eier Geld bezahlen?
Herr Derflinger: Ach, das bereitet mir keine Sorge. Ein Halbbruder von mir arbeitet vor der somalischen Küste als so eine Art Bootsbesetzer und gibt den Eignern erst gegen ein sehr hohes Aufwandshonorar ihre Schiffe wieder zurück. So ein Job würde auch ganz gut zu mir passen.






















