Olniggs Glosse – Kolumne

Ausgabe 8: Die Postfiliale

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21. Oktober 2008 12:00 Uhr

Die Postfiliale

„Na bravo“, dürfte sich der Kolumnen lesende gamona-Surfgast denken. „Jetzt ist dieser Buchstaben verknotende Olnigg schon so onlineweltfremd, dass er uns wohl als Nächstes die genaue Konsistenz seines Morgengetränks schildern wird.“ Keine Sorge, so etwas würde ich niemals tun. Ich wollte lediglich auf etwas ganz Besonderes hinweisen: die Parallelität von Postfilialen und Game Mastern! Sie halten mich nun endgültig für einweisungsberechtigt und wollen jetzt doch lieber etwas über mein Morgengetränk hören? Geben Sie mir bitte die Chance zur Erklärung.

Die augenscheinlichste Gemeinsamkeit zwischen Postfiliale und Game Master ist die Warteschlange. Wer hier wie dort ohne eine Sekunde Lebenszeitvergeudung auskommen will, dem bleibt nur der Besuch von sehr abgelegenen und kundenverwaisten Niederlassungen, deren betriebsbedingte oder besser gesagt, komabedingte Schließung unmittelbar bevorsteht. Ansonsten kommt man über den gepferchten Genuss eben dieser Warteschlange nicht herum und man darf sich mit großer Regelmäßigkeit der ganzen Bandbreite an zutiefst verwunderlichen Ereignissen und Mitmenschen ausgesetzt sehen.

In deren Zentrum stehe selbstverständlich immer ich. Ich, der ich nur mal schnell in der Mittagspause das Einschreiben auf den Weg bringen wollte oder der ich bei der lootigen Ernteeinbringung durch den Weltenboden gefallen bin und nun der Unendlichkeit begegnend in einen bodenlosen Abgrund stürze. Auf gut Deutsch gesagt: Bei mir ist es stets ganz dringend.

Der einzig nennenswerte Unterschied zwischen Postfiliale und GM-Petition ist, dass ich im letzteren Fall nichts über das Ansinnen der vor mir an der Reihe befindlichen Person weiß. Zumindest nicht konkret weiß. Denn die Wahrheit ist zumeist so banal wie grausam ähnlich.

In der realen Welt vernehme ich vom Schalter die Gesprächsfetzen eines Kunden mit Migrationshintergrund, der bislang dachte, seine zweite Muttersprache ganz gut im Griff zu haben. Bis ihm die Frage begegnete, ob er mit dem Erwerb eines Plusbriefs im Standardbriefformat zukünftig das Risiko umgehen will, dass sein falsch dimensionierter Kompaktbrief zu einem unter dem Maxibrief rangierenden Großbrief wird?

Ähnliches widerfährt dem Antragsteller an den Bearbeitungsgestaden seiner virtuellen Welt. Je nach Firmenpolitik und Interpretationslaune des dienstleistenden Kopfbügelträgers kann man auch dort die ganze Skala erfolgsverhagelnder Kommunikationskatastrophen erfahren. Wobei hier das sprachliche Handicap eher bei einer nach Irland outgesourcten Zentralhotline zu sehen ist, die angesichts der Aussage, dass man wegen „des vermissten Epic Items einen dicken Hals bekommt“, mit dem Angebot reagiert, bei Problemen mit einem Körperteil gerne an den Anschluss des ärztlichen Notdienstes weiterzuverbinden.