Feier- und Brückentag gedankt nutzen eine Vielzahl von Bundesbürgern ihre so gewonnene Freizeit für den versierten Modellbau. Wenn am Ende des Tagwerks ein höchst detaillierter Augenschmaus das Licht der Welt erblickt und die Werke Gleichgesinnter in den Schatten stellt, was kann es dann noch Schöneres geben?

Doch woher die Idee für ein besonderes Projekt nehmen? Wie soll man vermeiden, das zu bauen, was alle bauen? Die Antwort ist nah. Im Folgenden erhalten Sie die detaillierte Bauanleitung für ein exklusives Sammlerstück der Extraklasse.

Bauanleitung Hypehaus

Das Hypehaus ist eine Modellkonstruktion zum Speichern von Vorfreude. Wer kennt das nicht? Immer, wenn man etwas Aufmunterung benötigt oder man sich auf etwas freuen will, dann ist gerade nichts zur Hand. Aber wehe man hat gerade eben eine höchst zufriedenstellende Beschäftigung gefunden, dann kann man absolut sicher sein, dass man baldigst mit einem Hype nach dem anderen bombardiert wird. Mit dem Hypehaus ist der saisonalen Schwankung endlich ein Ende gesetzt. Mit dem Hypehaus haben Sie das ganze Jahr über einen Hype.

Der Materialbedarf für ein Hypehaus variiert basierend auf dem zu verstauenden Hype. Wer sich entschließt, ein klassisches Hypehaus im mittelalterlichen Elder-Scrolls-Stil zu bauen, der muss sogar nicht einmal in den nächsten Baumarkt fahren, sondern der wird bei allen Zutaten in der eigenen Erinnerung fündig.

1. Schritt: Die Bodenplatte

Im ersten Arbeitsschritt erstellen wir die Bodenplatte aus den üblichen Zutaten heutiger MMOs. Als da wären Dinge wie ein veraltetes beinahe schon rundenbasiertes Kampfsystem, bonbonfarbene Babygrafikelemente und zombiegleich erstarrte NPC-Statuen. Haben Sie hierbei keine Angst, dass dies spätere Betrachter zu Würgereflexen veranlassen könnte. Beim fertiggestellten Hypehaus wird die Bodenplatte nur noch sehr schwer und allerhöchstens von Fachleuten einzusehen sein.

2. Schritt: Die Seitenteile

Da es sich bei den Seitenteilen um zentrale Blickfänger handelt, sollten Sie hier besondere Sorgfalt walten lassen. Tapezieren Sie die Wände auf jeden Fall mit namhaften Entwicklernamen, die in der MMO-Szene ehrfürchtiges Schweigen verursachen. Um Kosten zu sparen, können Sie aber gerne auf billigeres Altpersonal zurückgreifen, deren produktives Verfallsdatum bereits um ein paar Tage überschritten wurde. Schließlich wollen wir ja nur ein Hypehaus und keine viel befahrene Autobahnbrücke bauen.

3. Schritt: Die Zwischendecke

Hier gilt wieder die Regel der Bodenplatte. Was dem Hypehaus optisch schadet, muss dem Blick des Betrachters entzogen werden. Die altbackene Schulterperspektive und das Weltendesign in strikter Zoneneinteilung will niemand sehen. Kaschieren Sie solcherlei Fantasieprimatentum mit reichlich Rassenmaterial. Selbst wenn es sich bei den Rassen um ein unflexibles Dreiparteiensystem mit Fraktionszwang handelt, wird dessen Patina ab einem Meter Abstand später nicht mehr zu erkennen sein.

4. Schritt: Das Dach

Der kniffligste Arbeitsschritt ist unbestritten die Erstellung des Dachs. Die Verlegung der unzähligen Neu-Ideen-Ziegel ist nicht jedermanns Sache. Zögern Sie deshalb nicht, sich bei anderen Modellbauern geistige Hilfestellung zu holen. Gerade bei den Konkurrenzbausätzen der Marke WoW können Sie reichlich Tipps einholen und dank kindgerechter Vorbereitung der Bauteile an der Jahrhunderte alten Erfahrung in Sachen Simplifizierung teilhaben. Verzichten Sie auf die Erstellung aufwändiger Applikationen, wie zum Beispiel einen Housing-Kamin, wenn Sie ein amateurhafter Anfänger sind und die Pfuschwahrscheinlichkeit überwiegt.

5. Schritt: Zusammenbau

Fügen Sie jetzt alle vorliegenden Bauteile zu dem endgültigen Hypehaus zusammen. Hierbei sollten Sie als Klebstoff keinesfalls den überteuerten Industrieleim von Marktführer Bethesda verwenden. Selbstverständlich kommen Sie mit der wesentlich billigeren Discounterware von Zenimax ebenso zum Ziel. Achten Sie jedoch stets darauf, alle überflüssigen Klebstoffreste aufgrund überhasteter Fertigstellung restlos zu entfernen. Ansonsten könnten künftige Betrachter allzu schnell Ihre laienhafte Handschrift erkennen.

Letzter Schritt: Anstrich

Um eine möglichst große Bandbreite an Zuschauern von Ihrem Hypehaus zu begeistern, grundieren Sie das Holzhaus am Besten mit Solo-Weiß und einem dezenten Endgame-Raidrosa. Herausgearbeitete Zierteile sollten Sie zusätzlich durch Signalfarben in PvP-Perfektionsrot und RPG-Wohlfühlblau geschickt in Szene setzen. Je mehr Farben Sie verwenden, umso mehr Geschmäcker sprechen Sie an. Bei eingeschränktem Etat gilt auch hier Quantität vor Qualität. Billiglacke mögen zwar schneller abblättern, aber so circa 120 Stunden lang halten Sie allemal.

Zur optischen Präsentation Ihres Hypehauses ist übrigens eine veraltet Graphic Engine vollkommen ausreichend. Im Endeffekt wollen Sie keinen abendfüllenden Spielfilm mit hundert Komparsen gleichzeitig drehen, sondern lediglich ein paar Screenshots für die Hypevorbestellung generieren.

Abschließend noch ein Tipp zur materialschonenden Hypehauspflege. Wenn Sie die Haltbarkeit des Hypehauses überdurchschnittlich steigern wollen, so nageln Sie während einer Ausstellung den Besuchern ein massives Holzbrett vor den Kopf. Dermaßen geschützt kann ein Hypehaus jahrelang zur Freude gereichen.