Wir unterbrechen den Glossenbetrieb für eine Sonderausgabe. Der nachfolgende Text mag mit Online-Spielen derzeit genauso wenig in Verbindung zu bringen sein wie in World of Warcraft die Unmengen von Haustieren mit den nicht vorhandenen Spielerhäusern. Da aber mein Psychiater gemeint hat, ich solle nicht alles runterschlucken, ausgenommen der Dinge, die sich auf einer Gabel befinden, sehe ich mich heute persönlich genötigt, ein Magengeschwür von der Entstehung abzuhalten.

Wurden früher Menschen nach etwas gefragt, was eklig ist und mit der Nase zu tun hat, so erhielt man zu hundert Prozent den Popel als Antwort. Mit der Erfindung der 3-D-Brille hat sich das geändert. Seit nunmehr 60 Jahren versucht die Hardware-Industrie, unseren Augen ein perfekt realistisches dreidimensionales Freizeitbild zu verpassen. Darauf hoffend, dass bei einem Erfolg der Gewinnzufluss nilartigen Charakter annehmen werde.

Am Anfang der Entwicklung standen die Farbfilterbrillen. Diese hatten zwar den Nachteil, den Filmen die Farben zu stehlen, doch zumindest konnte der nicht rot-grün-blinde Bevölkerungsteil einen ersten Aha-Effekt verzeichnen. Langfristig zogen es die Kinobesucher allerdings vor, die Brüste der Hollywoodschönheiten viel lieber in ihrer realen Farbenpracht anstatt ihrer perfekt nachgebildeten Gipfelhöhe zu betrachten.

Es folgten viele Jahrzehnte mit mehr oder minder starken Versuchsreihen am lebendigen Kinobesucher. Obwohl mit großer Regelmäßigkeit immer wieder versucht wurde, die Darstellung von Räumlichkeit zu perfektionieren, blieb am Ende das einzig dauerhaft Plastische der Müllberg an massenhaft verschenkten 3-D-Brillen.

Die 3-D-Brille ist und bleibt die Schwachstelle der optischen Panoramaverbesserung. Ende der 60er-Jahre sollte sich diesbezüglich erstmals eine entscheidende Wende ankündigen. Ganz ohne die Verwendung technischer Hilfsmittel war es einer Reihe von freiwilligen und zumeist jungen Testpersonen gelungen, unter Verwendung der Droge LSD den Augen ein Schnippchen zu schlagen.

Durch die Einnahme minimalster Mengen chemischer Substanzen konnte selbst eine öde schwarz-weiße Fernsehwerbung in bewegte Ölgemälde verwandelt werden. Da sich aber die neuen Bildgewalten nur allzu oft vollkommen selbstständig machten und mitunter den Konsumenten nicht mehr so leicht aus ihrem Bann entließen, sah sich die deutsche Staatsmacht sehr bald dazu veranlasst, diesem Übermaß an Fortschritt Einhalt zu gebieten.

In der Gegenwart angelangt stößt man auf die Shutter-Brille. Mit dieser vollkommen neuen Technologie versuchen die Verkäufer von Fernsehern und Kinositzplätzen, dem Fremdeuro habhaft zu werden. Geblieben ist die Brille, neu ist deren aktive Rolle. Aktiv heißt diese, weil der Benutzer hierbei unter Umständen aktiv werden muss. Geht zum Beispiel das Kinopersonal die regelmäßige Desinfektion der Sichthilfen mit übertrieben entspannter Gelassenheit an, so darf der Kinobesucher den überraschend entstandenen und in solcher Größe noch niemals gesehenen Pickel auf der Nase aktiv seinem Hautarzt vorführen.

Keine rosa Zeiten

Der stolze Besitzer eines 3-D-Fernsehers hingegen könnte durch einen aktiven Augenarztkontakt überrascht werden, weil der preiswerte Erwerb eines Blu-ray-Direktimports aufgrund seiner Herstellungsqualität zwar durchaus den Geldbeutel, aber weniger die Augenkoordination zu schonen vermag.

Auf wesentlich reichlichere Akzeptanz dürfte die kommende Handheld-Generation von Nintendo stoßen. Die dort beschrittene Technologie kommt erstmalig massentauglich gänzlich ohne Sehkrücken aus. Wenn es auch von dem blickwinkelabhängigen Kleinmonitor bis hin zum Großbildfernseher noch ein weiter Weg sein dürfte, so können die Verbraucher zumindest froh darüber sein, dass die intelligenten Ingenieure von morgen uns nicht mehr im wahrsten Sinne des Wortes auf der Nase herumtanzen werden.

Was mich zu meinem eigentlichen Anliegen führt. Der Zukunft.

Bitte, liebe Game-Producer, bitte lasst vorerst die Finger von allen Dreiern mit einem D dahinter. Haltet diesbezüglich eure Füße still und pumpt bloß keine weiteren Unsummen in die Unterstützung dieser Technologie. Wenn ich die letzten Entwicklungsjahre der PC-Spiele so betrachte, dann muss ich leider feststellen, wie sehr ihr die Kosten für eine perfekte Grafik zulasten der Spielmechanik gesteigert habt. Würdet Ihr fortan aufgrund der Aushebung eines zusätzlichen 3-D-Geldgrabes die Spielmechanik jetzt noch kürzer und schwammhirngeeigneter gestalten, dann bliebe mir nichts anderes übrig, als Amoklauf und Freitod zur möglichen Vermeidungsstrategie zu erklären.

Und von dir, liebes Hollywood, würde ich mir wünschen, dass du, bevor du dich um die dritte kümmerst, erst die beiden vorhergehenden Dimensionen in den Griff bekommst. Denn niemand außer dir käme auf die Idee, die verdauungstechnische Hinterlassenschaft eines streunenden Hundes dadurch gefälliger gestalten zu wollen, indem man sie Rosa anmalt. Mein verfrühter Weihnachtswunsch wäre eine 1A-Story statt eines 3-D-Versuchs.