Ein Sonntagvormittag an einem kalten und regnerischen Herbsttag. Normalerweise beste und gemütlichste Onlinespielzeit. Es sei denn, man hat sich in Final Fantasy XIV eingeloggt, denn dann sollte man sich schnellstens an ein paar Adjektive mit den führenden Silben „grotten“ gewöhnen. Hier heißt es zur sonntäglichen Entspannung in die Rolle eines Marathonläufers und Monstersuchers zu schlüpfen. Doch ist FFXIV wirklich so -langweilig, -schlecht und -mulchig?

Wer kann eine bessere Antwort geben als derjenige, der für das Produkt verantwortlich ist? Wie es der Zufall will, hat am 15.10.2010 der leitende Direktor von FFXIV, Herr Nobuaki Komoto, einen offenen Brief an die Spielerschaft gerichtet. Obwohl dessen Botschaft von so mancher im Marketing üblichen Verniedlichungsformel nicht verschont blieb, kann man zwischen den Zeilen eine sehr gelungene Zustandsbeschreibung herauslesen. Für Glossengäste, denen es nicht so leicht fällt, die schwarze Farbe aus der Schönfärberei zu extrahieren, sei der Originaltext um eine verständlichere Übersetzung erweitert.

Direktor Komoto: Liebe Spieler von FINAL FANTASY XIV!

Interpretation: An die übrig gebliebenen 10 Prozent der Erstkäufer!

Direktor Komoto: Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Spielern für das rege Feedback bedanken und ein paar Worte zu den kommenden Versions-Updates verlieren.

Interpretation: Da unser Support unter der Masse der Beschwerden zusammenzubrechen droht, will ich versuchen, durch einen offenen Brief zumindest die Anzahl der Morddrohungen entscheidend zu verringern.

Olniggs Glosse - Ausgabe 86: Das Geständnis

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Ganz schön nachtragend.
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Direktor Komoto: Anfänglich hatte unser Entwicklerteam geplant, beginnend mit dem Versions-Update Mitte Dezember in einem 3-monatlichen Rhythmus das Spiel upzudaten. Allerdings haben wir uns die harsche Kritik sehr zu Herzen genommen und werden nun schon vor Dezember, genauer gesagt Ende November, so viele Verbesserungen, Anpassungen und Erweiterungen wie möglich implementieren, um allen Spielern möglichst schnell das Spielerlebnis ermöglichen zu können, das sie sich beim Kauf von FINAL FANTASY XIV erwartet haben.

Interpretation: Ursprünglich wollten wir das Spiel bis zum Jahre 2012 endgültig fertigstellen. Doch leider haben wir unterschätzt, dass im Gegensatz zum FFXI-Release die Onlinespieler von heute ein spielbares Produkt erwarten. Weil wir die rapide ansteigenden Account-Kündigungen von FFXIV als existenzbedrohend einschätzen, werden wir jetzt - wie so viele andere Onlinefirmen vor uns - versuchen zu retten, was zu retten ist.

Direktor Komoto: Besonders laut wurden Veränderungen bei den Marktrevieren und den Gehilfen gewünscht, wozu wir uns bereits im FAQ geäußert haben. Durch eine Steuersenkung und gleichzeitige Umbenennung bei den Marktbezirken wollen wir eine bessere Orientierung für die Käufer ermöglichen.

Interpretation: Als von uns vollkommen vergessen hat sich der Item-Handel herausgestellt. Wir sind zwar außerstande, das fehlende Auktionshaus und Mail-System noch vor der anstehenden Insolvenz nachzuliefern, jedoch sind wir guten Mutes, mithilfe von kleinen kosmetischen Korrekturen von der Unspielbarkeit des Handelsystems zumindest zeitweise ablenken zu können.

Direktor Komoto: Nach dem kommenden Versions-Update ist außerdem Folgendes geplant: Suchfunktion für die verschiedenen Marktreviere, Einblendung eines Icons neben allen Gehilfen, die einen gesuchten Gegenstand anbieten, Möglichkeiten, das Inventar von Gehilfen zu erweitern.

Interpretation: Bis zum kommenden Versions-Update können wir noch gar nichts ändern, weil die Entwicklungsabteilung sich derzeit geschlossen vor dem Firmensitz versammelt hat und auf zahlreichen Plakaten darauf hinweist, dass von mehr als einer 30-Stunden-Woche niemals die Rede war.

Teilgeständnis 2

Direktor Komoto: Für das Versions-Update Ende November haben wir wie bereits erwähnt zahlreiche Anpassungen und Verbesserungen geplant. Als besonders wichtig möchte ich dabei folgende Punkte bezeichnen:

Interpretation: Bis zu Ende November sollten die Tarifverhandlungen zum Abschluss gekommen sein. Als maximal realisierbar möchte ich folgende Punkte bezeichnen:

Direktor Komoto: Überarbeitung der Benutzeroberfläche - Wir wollen viele kleinere und auch größere, von vielen geforderte Anpassungen vornehmen. Besonders in die Kritik geratene Punkte wie das Chatsystem und die Zielauswahl wollen wir so schnell wie möglich ausbessern. Was das im Genauen bedeutet, könnt ihr hier nachlesen.

Interpretation: Obwohl wir die Benutzeroberfläche vom CIA teuer eingekauft haben, wo sie ursprünglich dazu diente, verstockte Al-Qaida-Terroristen zum Sprechen zu bringen, werden wir diese entschärfen. Wenngleich wir immer noch nicht nachvollziehen können, warum die Unterhaltung zwischen Spielern und das erfolgreiche Anvisieren von Freund und Feind unbedingt Bestandteil eines Onlinespiels sein müssen, wo doch die stimmungsvolle Grafik und die funktionierende Accountverwaltung mehr als einen adäquaten Ersatz darstellen.

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Wo bleiben die Insekten?
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Direktor Komoto: Balancing und Kämpfen in der Gruppe - Wir wollen den Spielern weiterhin ermöglichen, Kämpfe alleine bestreiten zu können, aber wir planen auch, das Spiel in der Gruppe zu belohnen. Leider mangelt es momentan an der Notwendigkeit, Gruppenstrategien und taktisches Vorgehen einzusetzen, um bestimmte Kämpfe siegreich bestreiten zu können. Wir arbeiten momentan mit Hochdruck daran, dieses Problem aus Eorzea zu schaffen. Des Weiteren planen wir Anpassungen bei der Feindseligkeit der Monster und eine Überarbeitung der „Schlachtordnungen“.

Interpretation: Da wir aus Budgetgründen niemals das Sozialverhalten aller Monster überarbeiten können, werden wir den derzeitigen Streichelzoo weiterhin als Solo-Content deklarieren und alle zukünftig hinzukommenden Gegner unter Verzehnfachung der Hitpoints als Gruppengegner einstufen. Obgleich sich bei einer Schießbude auf dem Rummelplatz auch niemand an statischen Zielobjekten stört, haben wir den Azubi umgehend in den nächsten Buchladen geschickt, um das Buch „KI-Programmierung für Dummies“ zu erwerben.

Direktor Komoto: Server-Lags - Selbst wenn es freie Ressourcen gibt, was die von der Bevölkerung eines Welten-Servers verursachte Auslastung angeht, kann ein Server sehr stark dadurch belastet werden, dass sich viele Spieler auf ein bestimmtes Areal konzentrieren. Mit dem kommenden Versions-Update werden wir als Gegenmaßnahme die Auslastung von besonders belebten Arealen auf mehrere Server aufteilen. Wir hoffen, dadurch auf bestimmten Servern auftretende Lags beseitigen zu können.

Interpretation: Selbst einem Gameboy-Junkie im Vorschulalter ist bekannt, dass sich Spieler konzeptbedingt um die Questgeber scharen und dort für eine erhöhte Serverlast sorgen. Da unsere Developer leider keine Gameboy-Junkies im Vorschulalter sind, haben wir das im Grundkonzept von Final Fantasy XIV zu berücksichtigen vergessen. Als Nachbesserung werden wir zukünftige Stellenausschreibungen dementsprechend erweitern.

Direktor Komoto: Monsterverteilung - In den Camps nahe den großen Städten halten sich sehr viele Spieler auf, wodurch es zu einer starken Server-Auslastung kommt. Aufgrund dieses Problems konnten wir die Anzahl der dort auftretenden Monster bisher nicht erhöhen. Allerdings verteilt sich die Spielerpopulation immer weiter in den verschiedenen Arealen und wir erhöhen die Anzahl der Server immer weiter, wodurch wir schon bald in der Lage sein werden, genug Monster zu verteilen.

Interpretation: Weil es für unsere Celeron-Prozessoren den kostspieligen Zukauf von aktiven Lüftern bedeutet hätte, ließen wir stattdessen lieber all die letzen Wochen lang die Spieler, ausgehungerten Hyänen gleich, stundenlang nach Beute suchen und verzweifelt um die wenigen Monster streiten. Auf Dauer werden ohnehin nur die Grind gestähltesten Spieler ihre Accounts behalten, weswegen wir einen Rückgang der angespannten Lage in sehr naher Zukunft versprechen können.

Teilgeständnis 3

Direktor Komoto: Ab dem Versions-Update Mitte Dezember werden außerdem „Notorische Monster“ (im Weiteren als NMs bezeichnet) Eorzea unsicher machen. Diese werden in Außenarealen auftauchen, aber auch das Ziel bestimmter Fraktionserlasse darstellen. Für kommende Versions-Updates ab dem nächsten Jahr haben wir die Implementierung von weiteren Spielinhalten geplant, bei denen man auf diese furchterregenden Bestien treffen kann.

Interpretation: Da das Platzieren von einzelnen Monstern wesentlich weniger Aufwand bedeutet als flächendeckende Kontentverbesserungen umzusetzen, können wir weiterhin an unserer Terminplanung des anstehenden Weihnachtsurlaubes festhalten.

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Wer Screenshots automatisch mit Copyrights versieht, der frühstückt zu viel mit Abmahnanwälten.
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Direktor Komoto: Natürlich wird es im Dezember auch viele neue Ausrüstungsgegenstände geben, und auf welche NMs bzw. welche Art von Ausrüstung ihr euch freuen könnt, werden wir wie üblich unter „Aktuell“ hier auf dem Lodestone bekanntgeben!

Interpretation: Wir sind uns bewusst, dass selbst die Kleiderkammer einer Strafvollzugsanstalt mehr Itemvielfalt als FFXIV bietet. Doch erhoffen wir, durch die Einführung eines Nikolauskostüms die Wogen des Unmuts glätten zu können.

Direktor Komoto: Außerdem wird es zwischen Dezember und Frühling eine ganze Reihe spezieller Ereignisse in Eorzea geben. Auch darauf könnt ihr euch bereits freuen.

Interpretation: Wir werden das eben erwähnte Nikolauskostüm auch den Monstern anziehen.

Direktor Komoto: Natürlich wird es neben dem hier Erwähnten auch viele andere Anpassungen zum Jahresende und zu Beginn des nächsten Jahres geben. Genaue Informationen dazu lassen wir euch in regelmäßigen Abständen in Form von FAQs zukommen.

Interpretation: Sollte unter all den Verbesserungen, die hier versprochen worden sind, Ihr Unmutsanlass nicht enthalten sein, wie zum Beispiel die Questwüste, das XP-Lottovergabesystem, der Craftingirrgarten oder die Teleportationsplanwirtschaft, so bilden Sie sich bitte trotzdem ein, dass wir uns in absehbarer Zeit darum kümmern werden.

Direktor Komoto: Ich wünsche auch weiterhin allen Spielern viel Spaß bei ihren Abenteuern in einem sich immer weiter entwickelnden Eorzea!

Interpretation: Ich hoffe, dass sie irgendwann einmal Spaß bei Ihren Abenteuern in dem halb fertigen Eorzea finden werden!

So weit die Auslassungen des Bosses zur Basis. Besser als er kann man den derzeitigen Zustand von Final Fantasy XIV nicht beschreiben. Möge nun jeder für sich selbst entscheiden, ob der Brief an die Spielerschaft eher als ein umfassendes Geständnis oder doch gleich als unternehmerisches Armutszeugnis zu interpretieren ist.