Schwere Zeiten für den internationalen Onlinespielhandel. Das Bundeskartellamt hat die Räume der beiden Branchenriesen Blizzard und Sony durchsuchen und zahlreiches Aktenmaterial beschlagnahmen lassen. Auch ein deutsches Unternehmen scheint in den Skandal verwickelt. So erhielt der Stammsitz der Deutschen Bahn ebenfalls Besuch von den Beamten. Die genannten Unternehmen werden illegaler Preisabsprachen verdächtigt.

Bonn (dpo) - Das Bundeskartellamt greift durch. Die Behörde hat die Geschäftsräume der Dienstleistungsunternehmen Activision-Blizzard, Sony Online Entertainment und Deutsche Bahn durchsuchen lassen. Es bestehe der Verdacht, dass sich die Konzerne in dem Bereich Vergütung von Transportmitteln über die Gestaltung der Endverbraucherpreise abgestimmt haben.

Olniggs Glosse - Ausgabe 72: Kartellianer

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Man wünschte sich, Blizzards Preisfindung wäre ebenso transparent.
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Im Visier der Ermittler stehen ein Flugmount aus dem Onlinespiel World of Warcraft und ein Reitpferd aus dem Onlinespiel EverQuest II. Beide Lastenträger wurden innerhalb eines kurzen Zeitraumes für den Preis von 25 Dollar auf den Markt gebracht. In einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Deutschen Presse Olnigg (dpo) äußerte sich der Chefermittler Josef Sägebrecht von der Bundeskartellniederlassung Nordamerika folgendermaßen: „Dieser bis auf die letzte Cent-Stelle übereinstimmende Preis kann kein Zufall sein.“ Weiter führte er aus, dass es bislang keiner Industrienation der Welt gelungen sei, ein bodengebundenes und ein flugtaugliches Fortbewegungsmittel zu völlig identischen Gestehungskosten herzustellen. Wörtlich meinte er: „Wer würde da nicht argwöhnisch werden, wenn in einem Schaufenster ein Fiat 500 und ein Airbus A380 dasselbe Preisschild hätten?“

Die magische 15

Auch bei der Deutschen Bahn standen die Kartellwächter vor der Tür. So mache die nahezu identische Preisgestaltung zweier gänzlich unterschiedlicher Reiseziele einen sehr dubiosen Eindruck. Herr Sägebrecht erklärte: „Eine 3-tägige Städtereise nach Berlin kostet 149 Euro und der Eintritt zur BlizzCon in Anaheim 150 Dollar.“ Dies möge zwar augenscheinlich erst einmal nichts miteinander zu tun haben und somit eine sehr gut getarnte Preisabsprache gewesen sein, aber die Fachkräfte seiner Behörde hätten sich nicht täuschen lassen. Ihnen wäre aufgefallen, dass Blizzard den Eintrittspreis im Gegensatz zum Vorjahr um aberwitzige 25 Prozent erhöht hätte. Ein dieserart geldlüsternes Gebaren könne jedoch einzig aus einem sicher geglaubten konkurrenzübergreifenden Handelsmonopol erwachsen. Des Chefermittlers Worte: „Oder würden Sie für eine Wochenendreise in die Welthauptstadt Berlin dasselbe wie für den Anblick von ein paar Profinerds auf der Bühne eines Provinznests bezahlen wollen?“

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Die lila geschminkten Wimpern des Reittieres lassen viel Raum für Spekulationen hinsichtlich der sexuellen Orientierung des Besitzers.
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Man darf gespannt sein, was im Rahmen der weiteren Ermittlungen noch alles für Verfehlungen ans Tageslicht gebracht werden. Es geraten vor allem die monatlichen Abonnementgebühren der Onlinespiele in den Fokus der Kartellbeamten. Hier stehe ebenfalls der Verdacht der firmenübergreifenden Preisgestaltung im Raum. So habe man in jahrelanger Undercoverarbeit 24 Onlinespiele ermitteln können, die sich dies wie zufällig mit identischen 15 Dollar vergelten ließen. Ein besonders dreistes Beispiel liefere Sony Online Entertainment bereits hausintern mit seiner Marke EverQuest ab. Dort ist der zehn Jahre alte Vorgänger im Unterhalt ebenso teuer, wie das Nachfolgemodell mit der Nummer 2. Herr Sägebrecht hierzu: „Ein Mensch, der zum Beispiel freiwillig für einen zehn Jahre alten Computer dieselben Leasingraten wie ein für Neugerät bezahlt, der könne doch bestenfalls hirntot auf dem Untersuchungstisch eines Leichenbeschauers liegen.“