Wer dieser Tage der Klatschpresse eine Chance auf Wahrnehmung gibt, der kann sich dem Namen Tiger Woods kaum entziehen. Der eine Teil der Bevölkerung reagiert auf derlei Voyeurismus mit Kopfschütteln und wendet sich stattdessen dem BH-Verschluss der Sekretärin zu, selbstverständlich nicht ohne vorher das auf dem Schreibtisch aufgestellte Foto der Ehefrau dezent in der Schublade verschwinden zu lassen.

Der andere Teil lässt sich gerne und genüsslich auf die pikanten Details der Berichterstattung ein, um sich anschließend die Frage zu stellen, warum eigentlich die eigene Bindung an den Fortpflanzungspartner nicht genauso offen wie bei der Spezies der Buntbarsche gehalten wird.

Doch durch all das morsche Holz, das hier produziert wird, bleibt einem weit wichtigeren Ereignis die ihm zustehende Aufmerksamkeit versagt. Denn der Name Tiger Woods steht nicht nur für eine bestimmte Person und dessen im Presslufthammertakt Nachschub fordernden Lendenbereich, sondern gleichermaßen für ein kürzlich veröffentlichtes Onlinespiel.

Tiger Woods PGA Tour Online nennt sich das neueste kostenlose MMO mit der, angesichts des Namensgebers überraschend niedrigen, Altersfreigabe ab 3 Jahren. Doch ist das Spiel wirklich so unbedenklich? Sind MMORPGs nicht ansonsten ein Synonym für serienweisen Monstermord und Sturzbäche an Pixelblut? Hat hier etwa die bewertende Behörde verschlafen, weil sich der Release hinter dem öffentlich zelebrierten Beischlafakkord geschickt zu verstecken wusste? Allerhöchste Zeit für Antworten.

Olniggs Glosse - Ausgabe 67: Tigerhölzer

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Eine Charaktergenerierung, die selbst Einzeller unterfordert.
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Die Charaktergenerierung von Tiger Woods Online gereicht der Promiskuität des Namensgeber keinesfalls zur Ehre. Lediglich vier fest vordefinierte Charakterköpfe stehen zur Auswahl, welche ihrerseits über vorgegebene Lackierungen verfügen. Man hat die Wahl zwischen dem klassischen Elfenbeinweiß, dem amerikanischen Quotenschwarz, der gefälligen Asiamarktanbiederung und dem ganzjährigen Mallorcaurlauber.

Das Spielprinzip von Tiger Woods Online ist schnell erklärt. In derzeit 11 Szenarien mit je 18 Dungeons versucht der Spieler das dort lebende Bossmonster in sein Heimatloch zurückzutreiben. Dazu steht ihm eine Palette frei wählbarer Waffen zur Verfügung. Trotzdem es sich hierbei ausschließlich um stumpfe Schlagwaffen handelt, ist der Schadensaustoß durch eine Vielfalt an Materialien wie Holz oder Metall sehr variabel gehalten. Auch ist die Idee sehr originell, den Bossmob nicht an Ort und Stelle zu erschlagen, sondern kindgerecht durch eine Vielzahl von mehr oder minder starken Treffern vor sich herzujagen.

Tigerhölzer oder Katzenstreu?

Je nach Schnelle des Erfolges wird der Onlinespieler am Ende der Dungeons mit Geld und Erfahrung belohnt. Der übliche Levelaufstieg bis zur klassischen Fünfzig ist ebenso vorhanden wie ein reichhaltiges Kaufangebot an Waffen und Rüstungen. Allerdings waren bis zum Releasezeitpunkt nichts anderes als Stoffrüstungen erhältlich. Wer hier jedoch eine Bevorzugung der Caster vermutet, der irrt. Magie hat in Tiger Woods nichts zu suchen. Es sei denn, man wirft einen Blick auf den Ingame Shop und auf die gegen echtes Geld zu erwerbenden Elite-Schlagwaffen. Diese können sich manchmal noch vor Ablauf ihres geplanten Haltbarkeitsdatums geradezu auf magische Weise in Luft auflösen.

Obwohl die Monster vom Aussehen her monoton langweilig gehalten sind, erfordert das Zurücktreiben der kleinen weißen Kugelbestien dem Spieler eine Menge an Geschicklichkeit, Augenmaß und Kombinationsvermögen ab. Von der notwendigen Ausdauer derartige Fließbandaktivitäten dauerhaft durchzuhalten ganz zu schweigen.

Olniggs Glosse - Ausgabe 67: Tigerhölzer

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Erinnerungen an Schularbeiten mit Schere und Papierkleber werden geweckt.
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Im PvP-Bereich schwächelt die vorliegende Software. Wiewohl man sich in sogenannten Tournaments an Mitspielern messen und die eigene Geldbörse reichlich füllen kann, bleibt der direkte Schlagkontakt zum Kontrahenten bislang verwehrt. Einzig der gemeinsame Chat vermag den Eindruck der Einsamkeit kurzzeitig zu verdrängen. Doch gerade hier wird die eingangs erwähnte Alterseinstufung ad absurdum geführt. Wurden doch erst unlängst 18 neue Dungeons mit dem Namen Predator eingeführt, die in ihrem Schwierigkeitsgrad die Spieler reihenweise den Flüchen in die Arme treiben. Wer die Klientel von Tiger Woods kennt, der weiß, dass wir hier von Flüchen sprechen, die selbst 15 Altersklassen höher noch entsetztes Ertauben kreieren können.

Das Fazit zu Tiger Woods ist schnell gezogen. Wen die Spielschläuche von Final Fantasy XIII nicht abgeschreckt haben, der wird sich hier schnell heimisch fühlen. Der Onlinetiger vermag Menschen, die mit einer Grünfläche mehr als nur den Rasenmäher in Verbindung bringen, durchaus viel Spaß zu bereiten. Und was der reale Tiger in seinem Privatleben macht, geht uns alle nichts an. Außer man will sich professionelle Tipps holen, wie man das Handicap des Aidserwerbs drastisch senken kann.