„Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Weil Unlateinisierte mit diesem Sprichwort nicht viel anfangen können, sei die Übersetzung nachgeschmissen. „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.“ Sollte sich Ihnen die Aussage immer noch nicht erschließen, dann lassen Sie es mich eben auf Killerspielniveau ausdrücken: „Wer die Fresse hält, der bekommt auch keine in dieselbe.“

Mein Philosophie-Gesellenstück

Um dem heutigen Glossenmotto zu entsprechen, verspricht der Autor sich dementsprechend zurückzuhalten und endlich einmal auch andere zu Wort kommen zu lassen. Selbstverständlich werde ich jegliche Assoziationen mit dem Wort Schreibfaulheit als unhaltbare Verleumdungen zurückweisen. Dieserart Kolumnenerstellung ist stattdessen als mein tatkräftiger Beitrag zu einer basisdemokratischen Gesellschaftsstruktur zu verstehen.

Wir beginnen mit einem Zitat der Firma Ubisoft von der Homepage Ubisoft: „Ubisoft bietet einen 24h-Support auf seinen Servern.“

Weiter theoretisiert Ubisoft in seinen Online-FAQ: „Sobald ein Server den Dienst einstellt oder nicht mehr erreichbar ist, werden Sie direkt an einen funktionierenden Server umgeleitet. Unsere Systeme und Mitarbeiter beobachten rund um die Uhr die Serverumgebung und kümmern sich sofort bei auftretenden Dienstunterbrechungen um deren Behebung.“

Olniggs Glosse - Ausgabe 66: Mein Philosophie-Gesellenstück

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Obige Behauptung kollidiert allerdings in nicht unbeträchtlichem Maße mit der Lebenserfahrung von grabbe14 von der Siedler-7-Amazonbewertung: „Teilweise ist es so, dass wenn man eine Verbindung zu einem Server bekommen hat, diese durchhalten kann, oder aber wie am Ostermontag geschehen, über 9 Stunden komplett ausfallen.“

Und corsar100 tritt nach: „Hier wird über Ostern niemand mehr Siedler 7 spielen, denn scheinbar gibt es nicht einmal einen Notdienst für die Server. Da die Server vor Ostern schon laufend ausgefallen sind, war klar, dass es über Ostern nicht anders kommen wird.“

Das Schweigen der Servicelämmer wird wider Erwarten umgehend nach nur zwei Tagen Wartezeit durch eine Ubisoft-Pressemeldung gebrochen (Zitat wurde platzgeschuldet gekürzt): „Leider war es über die Ostertage ... nicht möglich Siedler 7 zu spielen. ... unsere Server hatten Probleme ... ... wenn diese Server Probleme haben, kann man Die Siedler 7 nicht spielen. ... Das Technik-Team bemüht sich ... Wir machen bereits Fortschritte ... .... wir wissen, dass es noch nicht wieder perfekt läuft.“

Da wäre übrigens noch ein weiteres, etwas älteres, Zitat von der Ubisoft-Homepage: „Wir hoffen, dass die Kunden sich unserer Ansicht anschließen und erkennen, dass sie über die Einrichtung eines Kontos ein außergewöhnliches Spielerlebnis sowie Dienste geboten bekommen, die ihnen anderweitig nicht zur Verfügung stehen.“

Wieder in der Jetztzeit hat LordFWD, ein Gast im Ubisoft-Forum, Probleme sich mit den halbtägigen Serverauszeiten abzufinden: „Wie oft soll denn in den nächsten Monaten so ein ‚Entschuldigungs-Thread’ erscheinen? Es wäre besser für alle Beteiligten wenn die Einsicht seitens UBI erfolgen würde, dass es unmöglich ist, eine Server-Verfügbarkeit zu garantieren.“

Weitere Fremdlaberei

Eigentlich ist dies alles nichts Neues, denn schon in der Vergangenheit tat ein gewisser dh klagend kund: „Silent Hunter 5 an sich schon dreck ... auf die Küste zufahrende Schiffe, die sich dann überschlagen ... hat Ubisoft Rumänien eine F1 Sim Engine wiederbelebt? ... dann Server am Sonntag ausgefallen.“

Noch viele Vorher früher vermeldete ein NewsBot: „Die Autorisierungs-Server von Assassin’s Creed 2 sind anscheinend am Sonntag ausgefallen. Dies hatte zur Folge, dass Spieler der PC-Version nicht spielen konnten und keinen Zugriff auf ihre Savegames hatten. Der Grund: Publisher Ubisoft lagert diese auf eigenen Servern aus.“

Zurück in der Gegenwart ziehen erste Spieler die Konsequenzen und einer, den wir aber besser anonym halten, meint: „Hab heute Asssassin’s Creed 2 und Siedler 7 umgetauscht und mein Geld zurückerhalten.“

Wer sich über den Anlass der Anonymisierung wundert, der erfährt im zweiten Satz den zugehörigen Grund: „Da es nicht möglich ist seinen UbiAccount zu löschen, werde ich die Spiele weiterhin nutzen. 100 Euro gespart, Danke UbiSoft!“

Das gibt Anlass zur allgemeinen Erstaunen: „Wie jetzt? Ich kann mich nicht selbst löschen?“

Abgerundet von einem: „Wird ja immer bekloppter das UBI-System.“

Leider haben nur Kunden von kulant agierenden Elektro-Großmärkten derartige Freispielscheine. Der Paragrafen reitende Versandhandel will seine Kundschaft anscheinend zur Konkurrenz treiben und knallt dem verzweifelten Käufer folgenden Schildbürgerstreich einer Rücknahmeablehnung um die Augen: „Hier mal die Antwort von AMAZON: Es tut mir Leid, dass der Artikel ‚Siedler 7’ aus dem Auftrag mit der im Betreff aufgeführten Bestellnummer nicht Ihren Vorstellungen entspricht, bzw. der Hersteller nicht genug Serverkapazität bereitstellt. Eine nicht ausreichende Serverkapazität des Herstellers stellt keinen Mangel an dem gekauften Spiel dar. Wenn Serverkapazität vorhanden ist, ist das Spiel spielbar und es ist somit nicht mangelhaft.“

Nur mit Glück wandert das Spiel also wieder zurück. Doch der Kunde hat in jedem Fall für seinen Account lebenslänglich bekommen. Zeit GameStar zu Wort kommen zu lassen und allerhöchste Zeit für den Bundesgerichtshof die Verwirrung zu komplettieren: „Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbz) hatte gegen Valve geklagt, da auf dessen Online-Portal Steam gekaufte Spiele dauerhaft an ein bestimmtes Benutzerkonto gebunden werden. ... Das(?) BGH wies nun die Klage der Verbraucherschützer ab und bestätigt damit grundsätzlich das Lizensierungsmodell mit Bindung an einen Account, wie die Anwaltskanzlei von Valve mitteilte.“

All das lässt einen weiteren Anonymus völlig kalt: „Naja, echte bzw. brauchbare Daten haben die eh nicht von mir, zumindest hab ich nix eingetippt was auch nur ansatzweise stimmt.“

Deswegen hätte sich Ubisoft folgendes Zitat sparen können: „Wir empfehlen, dass unsere Nutzer korrekte Informationen eingeben, da diese Informationen helfen, Nutzern Zugriff auf ihr Konto zu gewähren, die dazu nicht mehr in der Lage sind.“

Derweil treten zwischen Ubisoft-Forenmoderator haep1 und dem umtriebigen LordFWD die ersten Dissonanzen auf: „Das sieht aber mächtig nach Zensur aus wenn ein 90.000 Thread geschlossen wird.“

Die Forenpolizei widerspricht vehement: „Zensur wäre, wenn ich den Thread gelöscht hätte und keine weiteren Diskussionen dazu zulassen würde.“

Aber LordFWD kennt anscheinend die Funktionsweise willfähriger Meinungstyrannen: „Der Thread ist geschlossen und verschwindet in der Versenkung. Ist klar, dass ein 90.000 Server-Ausfall-Ärger-Thread auf der ersten Forum-Seite verschwinden muss.“

Nachdem LordFWD endlich begriffen hat, dass Zensur immer nur woanders und selbst dann nur in China geschieht, weiß die Homepage „raubkopierer-sind-verbrecher“ interessante Erfahrungswerte zu berichten: „Raubkopieren ist kein Verbrechen. ... Das Knacken eines Kopierschutz für den privaten Gebrauch ist zwar verboten, wird aber nicht bestraft. ... Die Realität sieht jedoch etwas weniger bedrohlich aus. Wer illegale Kopien ausschließlich für den privaten Gebrauch erstellt, muss sich eigentlich nicht vor einer strafrechtlichen Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft fürchten. Derartige Bagatelldelikte werden im Grunde fast gar nicht verfolgt. Auch das Knacken eines Kopierschutzes ist zwar verboten, für eine rein private Nutzung aber nicht mal strafbar.“

Was könnte als Schlusszitat besser geeignet sein als eine Redewendung aus dem allgemeinen Sprachgebrauch: „Die beste Satire ist immer noch die Realsatire.“