Es war lediglich eine Frage der Zeit, bis namhafte Spielzeughersteller, in ihrem Bestreben neue Einkommensquellen zu erschließen, die Onlinewelten für sich entdecken würden. So hat sich niemand Geringerer als die Firma Lego höchstselbst dazu auserkoren, dem Taschengeld unserer Kinder ein neues Zuhause anzubieten.

Das Lego Universe nähert sich der Erde und schwenkt in die Beta-Umlaufbahn ein. Höchste Zeit sich mit dem Für und Wider von Onlinespielen für unsere Jüngsten zu beschäftigen. Da jedoch der Autor dieser Kolumne sich selbst als großes Kind versteht und er daher als meinungstechnisch vorbelastet bezeichnet werden muss, soll heute viel objektiver argumentierendem Fachpersonal reichlich Platz zur Stellungnahme eingeräumt werden.

PRO

Herr Euro Hansen, Direktor Abteilung Umsatzerschließung der Firma LEGO

Seit Generationen ist die Marke LEGO ein Garant sowohl für ein qualitativ sehr hochwertiges und unverwüstliches Spielzeug als auch für Kreativität und lang anhaltenden Spielspaß. Mit dem Onlinespiel LEGO Universe entwachsen die kleinen Spielsteine dem Kinderzimmerboden und halten auf dem Computertisch Einzug. Vorbei die Zeiten, als dem unvorsichtig auftretenden Vati noch mühsam die Spielsteine aus der Fußsohle operiert werden mussten.

In den Bereichen Platzbedarf und Rentabilität setzt LEGO Universe neue Maßstäbe. Wo früher das nachträgliche Aufräumen von Unmengen winzigster Bauteile dem vorangegangenen Spielspaß einen bitteren Nachgeschmack bereitete, da verhilft modernste Computertechnologie der Mutti zu mehr Freizeit. Ein konsequent vor dem Bildschirm platziertes Kind ist ebenso aufgeräumt wie sein zugehöriges Zimmer.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Effizienz von Onlinesoftware. Einmal zahlen, und das monatlich, und schon hat der Geldschmerz ein Ende. Gerade junge Eltern, deren Haushaltsetat selten üppig zu nennen ist, dürften angesichts der Kaufpreise für die klassischen Legosteine schon lange nach billigeren Alternativen Ausschau gehalten haben. So wird zum Beispiel unter LEGO-Insidern seit jeher als finanziell wesentlich erschwinglicherer Bauelementersatz die Verwendung kleiner Goldbarren empfohlen. Beim virtuellen Lego ist das ganz anders. Jetzt zahlt man nicht mehr viel Geld für wenig Steine, sondern weniger Geld für keine Steine.

Hier alle Vorteile des neuen Kometen am MMORPG-Himmel aufzählen zu wollen, würde den zur Verfügung stehenden Platz sprengen. Allerdings soll ein weiterer Aspekt nicht unerwähnt bleiben. Dank der neuen Onlinewelt werden Kinder nun geraume Zeit vor ihrer Einschulung mit englischen Sprachelementen konfrontiert. Wie stolz werden die Eltern und wie überrascht die Grundschullehrerinnen sein, wenn sich die Mitschüler bereits am ersten Schultag mit einem herzlichen „Fuck you“ begrüßen können.

Olniggs Glosse - Ausgabe 59: Nicht kleckern, sondern Klötzchen...

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Wenn bei einem Rastplatz die Mülleimer nicht überquellen, dann muss es sich eindeutig um eine virtuelle Welt handeln.
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Abschließend ein Wort zu den Unkenrufern. Wie immer, wenn bis dato ungekannte Medien im Kinderzimmer Einzug gehalten haben, werden auch bei LEGO Universe die verbalen Katastrophenwarner Alarm schlagen und den Untergang des Lummerlandes prophezeien. Selbst schon lange nach eBay, Google und Facebook süchtig, wollen diese Dauernörgler ihren eigenen Zöglingen hingegen den Bytegenuss versagen. Doch ebenso wie unsere Vorfahren die Erfindung der Comics und des Nachmittagsfernsehens nicht von unseren Kindern fernhalten konnten, wird es ihnen auch heute nicht gelingen dem Fortschritt ein Bein zu stellen.

Nur Rabeneltern denken egoistisch, die Bildungsintelligenz denkt legoistisch.

Doch lieber Kleckern

CONTRA

Prof. Dr. Pfeife vom Kriminolkomischen Forschungsinstitut meint:

Der Rattenfänger von Hameln hat nicht seine Zielgruppe aber wohl sein Werkzeug gewechselt. Hatte Blizzard noch so viel Zurückhaltung und seine kindgezielten Spielinhalte hinter dem Mäntelchen der vermeintlich Erwachsenen versteckt, so sind mit Lego Universe alle Anstandsdämme gebrochen.

Unterhaltung heißt die Tarnung und Geld ist das Ziel. Wo Tabakhersteller künstliche Aromen zusetzen, da weiß der Softwarekonzern auf mentale Suchtelemente zu setzen. Reicht es denn nicht, dass Lutscher die Zähne und Burgerablagerungen das Selbstbewusstsein unserer Sprösslinge ruinieren? Werden wir als nächstes den Brei nicht nur in der Speisekammer, sondern auch in den Schädeln des Nachwuchses vorfinden? Wenn schon Erwachsene reihenweise der Sucht verfallen, wer kann dann davon ausgehen, dass Kinder die besseren Spieler sind?

Olniggs Glosse - Ausgabe 59: Nicht kleckern, sondern Klötzchen...

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Frisch vom Madrider Laufsteg: das Beinkleid im Leuchtdiodendesign.
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Die Saat des Bösen ist gesät. Wehe die Kindspieler von heute behalten ihre ersten Lebenseindrücke über die Pubertät hinaus bei. Wer heute sorglos mit Klötzchen auf bunte Ritter wirft, der greift morgen unbeschwert zum Pflasterstein und bombardiert damit unsere Ordnungshüter. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Hang zur Gewalt aus der Unfähigkeit des rechtzeitigen Spielendes erwächst. Erst kürzlich hat dies eine westsamoanische Langzeitstudie eindrucksvoll belegt. Dort hatte man Neugeborene tagelang mit den Geräuschen von Schusswaffengebrauch und Bombeneinschlägen wach gehalten. Im direkten Vergleich zu einer anderen Testgruppe, die während des Forschungszeitraums durchschlafen konnte, wiesen die an Waffenumgang gewöhnten Kleinstkinder eine wesentlich erhöhtere Aggressivität in Form von Schreiattacken auf.

Irgendwo muss die Grenze gezogen werden. Und wenn man sie schon längst überschritten hat, dann bleibt nur noch der Rückzug. Das Mindestalter für Onlinespiele muss her und wer damit eine andere Zahl als 18 in Verbindung bringt, der würde auch nicht davor zurückschrecken, Pädophilie als Zulassungsvoraussetzung für ein Lehramtsstudium zu fordern.

Fraglos sollte man aber nicht nur ein schützendes Auge auf die Jugend werfen. Auch das hohe Alter muss vorsorglich betrachtet werden. Nicht auszudenken, was geschehen wird, wenn die Softwareindustrie eines Tages die Zielgruppe der Senioren erschließt. Man denke daran, mit wie wenig Content man Alzheimer-Patienten dauerhaft die Rente aus der Tasche ziehen könnte. Wer daher selbst nach dem Tausendsten neu erstellen Charakter immer noch Spaß am Spiel hat, dem gehört allein aus Selbstschutz das Recht zum Onlineaufenthalt dauerhaft entzogen.