Jetzt hat die größte US-Großhandelskette tatsächlich ernst gemacht und das binäre Kriegsbeil ausgegraben. Wie von den Publishern befürchtet, stieg unlängst Wal-Mart umfassend in den Gebrauchtspielemarkt ein. Wo bislang eBay und andere virtuelle Ramschläden den Erwerb von bereits geöffneten Games zur Qualitätslotterie verkommen ließen, beginnt nun endlich das Zeitalter des risikolosen, weil garantiebewehrten Billigkaufs.

Doch so neu ist der Handel mit der fettfingerabdruck- und popelbehafteten Ware auch nicht. Schon lange haben Gamestop, Amazon und viele kleinere Flohmarktprofis die Gewinnspannen des entertainenden Wohlstandsmülls entdeckt. Neu daran sind Umfang und Vehemenz mit der künftig die Bilanzen der Softwareproduzenten einem eindrucksvollen Belastungstests unterzogen werden. Konnten die Hersteller früher darauf hoffen, selbst am Ende des Produktzyklus noch ein paar Euronen in Form von Low-Budget-Versionen in die Kassen gespült zu bekommen, so dürfte fortan die Gewinnverteilung in zunehmenden Maße außerhalb ihres Firmengeländes geschehen.

Man stelle sich einfach einmal all die überteuerten Konsolenspiele vor, welche zudem im Shooter- oder Rollenspielbereich nach nur wenigen Tagen komplett durchgespielt werden können. Wie reizvoll wäre es, diese nach dem Spiellustverlust in demselben Laden, in dem man sie erworben hat, ganz unkompliziert wieder in Geldscheine zurückzutauschen? Daraufhin könnte ein anderer Käufer zugreifen und seinerseits überlegen, ob ihm das gebrauchte Preis-Leistungs-Verhältnis zusagt oder ob auch er sich einen Teil des üblichen Raffgieraufschlags wieder zurückholt. Und anders als beim Ausleihen von Spielen geschieht das alles ohne lange Wartezeiten und aufpreispflichtige Mietfristverlängerungen.

Olniggs Glosse - Ausgabe 48: Byteramsch

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Tag des offenen Halses bei Bioware
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Kein Wunder, dass bereits von den ersten Bissspuren in den Edelholzschreibtischen der Chefetagen berichtet wird. Doch der Gegenschlag hat schon lange begonnen. Waren es bislang plumpe Zwangsregistrierungen, die man uns Konsumenten noch unter dem Mäntelchen des Softwarepiratenschutzes andrehen wollte und die eigentlich dem Erschweren des Gebrauchtwarenhandels gedacht waren, so geht man im zweiten Versuch wesentlich subtiler vor. Gegenwärtig tauchen vermehrt die kostenlosen aber wie zufällig registrierungspflichtigen Zusatzdownloads auf. So darf zum Beispiel bei Dragon Age der treue Erstkäufer pünktlich zum Releasetag gleich zwei ergänzende Spielinhalte kostenlos in Empfang nehmen. Vorzüge, die der Zweitehandkäufer so wenig sehen wird wie der im Tiefbau Beschäftigte die Sonne.

Von roten und toten Häuten

Geht es nur mir so oder haben Sie bei der ganzen Problematik auch manchmal den Eindruck von links die Indianer und von rechts die Kavallerie aufeinander zustürmen zu sehen? Und uns Zivilisten in der Mitte befällt das mulmige Gefühl, dass die beiden Kontrahenten an alles Mögliche denken, nur nicht an unser Wohlbefinden.

Zumindest der Gewinner dürfte bereits heute schon feststehen. Ein Blick auf das „PSP Go“-Konzept mit seinen ausschließlichen Downloadinhalten verrät, womit die berittenen Soldaten der Großkonzerne ihren Sieg letztendlich davontragen werden. Eines Tages wird es aus sein mit den Scheiben und den Schachteln. Das Kabel und der Funk werden den Publishern den Erfolg und die Monopolstellung zurückbringen. Im Falle der PSP Go dank der üblichen sonyschen Überteuerungspolitik allerdings eher lang- als mittelfristig.

Es bedarf nur noch des Mutes einer der großen Namensträger wie beispielsweise Bethesda oder Bioware ein Spiel mit klassischen Offlineinhalten exklusiv als Onlinespiel bereitzustellen. Ich betone „als Onlinespiel“ und nicht „als Downloadspiel“. Der Erste, der es wagt, gezielt hauptsächlich den Solospieler zu umwerben und zusätzlich dieselben regelmäßigen Content-Updates eines Multiplayerspiels zu versprechen, der wird nicht nur die Käuferdämme, sondern auch die Mägen der Einzelhändler zum brechen bringen.

Olniggs Glosse - Ausgabe 48: Byteramsch

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Wo mangelnde Zahnpflege zum sekundären Problem wird.
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Einzig bleibt abzuwarten, ob sich die Indianer am Ende wirklich geschlagen geben? Werden sie tatsächlich in ihren Verkaufsreservaten bei Bingo und Whiskey vergangenen Zeiten nachtrauern oder werden sie sich erneut sammeln und die Axt des Krieges hervorscharren? Und werden wir dann in den Läden plötzlich PCs stehen sehen, auf deren Verkaufsschildern folgende Systemeigenschaften angepriesen werden: „199.- Euro PC-Gebrauchtsystem mit installierter und bezahlter Zugangssoftware für Elder Scrolls V, FIFA Manager 11 und vierundreißig WoW-80er Charaktere.“