Warnung! Der folgende Text ist für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet. Er enthält nicht nur eine Extradosis sadistischer Schadenfreude und unsteigerbarer Selbstlobhudelei, sondern tritt zudem auf bereits wehrlos am Boden Liegende ein. Man könnte dem Inhalt sogar ein gewisses Maß an Leichenschändung zusprechen.

Als ich dieser Tage in der immer wiederkehrenden Routine zur Bändigung meiner Spielsucht einen Blick auf die in naher Zukunft erscheinenden Softwarekompositionen warf, stieß ich bei Amazon auf The Sims 3. Zwar hatte ich schon vorab von EAs Richtungswechsel in Sachen Kopierschutz gehört, aber es hier schwarz auf weiß lesen zu können und noch dazu als herausgehobenes Verkaufsargument, trieb mir beinahe die Freudentränen in die Augen.

„Das Spiel wird über einen Disk-basierten Kopierschutz und eine Seriennummer wie bei Die Sims 2 verfügen“, war da zu lesen. Weiter wurde versichert, dass zum Spielen keine Online-Authentifizierung erforderlich sei. Gefolgt von einem Ausrufezeichen, welches einer indirekten Entschuldigung gleich um die Rückkehr der in der Vergangenheit verschreckten Käuferschar zu bitten schien. Ein „das Spiel kann ohne aufwendiges DRM ausgeführt werden“ rundete dieses Käuferaugenschmankerl ersten Ranges ab.
Lange Rede kurzer Sinn.
Sie haben kapituliert und wir haben gewonnen!

We are the champions - my friends

Bewusst sei im weiteren Text auf die Nennung konkreter Produkte und Firmen verzichtet, denn zu zahlreich waren unsere Gegner und unüberschaubar die Kriegsschauplätze. Egal, ob es gegen die orwellschen Spielregistrierungen oder den Hardware einengenden Audio-Kopierschutz ging – im Grunde genommen hieß der Gegner stets lebensfremde Entscheidungsträger.

Doch diese haben nicht damit gerechnet, dass sich unsere Maushand auch überwinden und die Tastatur berühren könnte. Wie erstaunt mussten sie gewesen sein, als sie in einer Vielzahl an Foren unseren protestierenden Buchstabenfolgen gewahr wurden, welche, ganz konträr zu ihrem Vorurteil über uns, aus mehr als nur WASD bestanden. Die von Käuferkommentaren gestützten Bewertungssysteme der Onlinehändler wurden monatelang durch eine Flut von vernichtenden Vorabkritiken so sehr ad absurdum geführt, dass der Aufwand des Informationsgewinns von „einfach wie Uhrablesen“ zu „Tarifsystem der Bahn“ umschlug. Bislang grundehrliche Konsumenten machten einen auf Pirat und ihrem Unmut durch den Gang zu illegalen Tauschbörsen Luft. Weltweit verhielten sich Menschen nicht mehr wie wehrloses Schlachtvieh, sondern endlich wie die Helden in ihren geliebten Pixelwelten.

No time for losers

Wer glaubt, die Produzenten hätten aus einer zustimmenden Einsicht heraus darauf verzichtet, ihre MP3s und Offlinewelten zukünftig mit Spaßbremsen auszustatten, den dürfte man auch leicht dazu überreden können, den Mittagstisch mit ein paar Tellern mehr für den Besuch von Außerirdischen einzudecken. Jedoch selbst wenn nur weit hinter den Erwartungen zurückbleibender Umsatz die Motivation für den abrupten Sinneswandel gewesen ist, so schmälert dies unseren Erfolg in keiner Weise.

Ihr da draußen, die ihr an den Entscheiderstellen sitzt, überlegt es euch künftig zweimal, bevor ihr des Käufers Wille erneut über Bord werft. Es sei denn, ihr trachtet danach, die negative Publicity eines Robbenschlächters zu toppen.
Ihr da draußen, die ihr die an den Haaren herbeigezogenen Schönredereien des Byteleinenzwangs sei es aus vorauseilendem Gehorsam oder Naivität nachgeplappert habt, möget ihr auf eurem eigenen Schleim ausrutschen und euch etwas Knochiges brechen.

Ihr da draußen, die ihr Trägheitsanbeter seid und gemeint habt, man könne eh nichts gegen „Die da oben“ erreichen und eigenes Handeln wäre so sinnlos wie ein Staubsauger in der Wüste – ihr seid aufgefordert, das nächste Mal ebenfalls den Arsch hochzubekommen. Denn lasst euch von einem professionellen Arsch wie mir sagen: Ein Einzelner mag nichts bewirken, aber einer Arschflut hat niemand etwas entgegenzusetzen.

And we’ll keep on fighting - till the end

All die Argumente, mit denen die Hersteller uns Hardwaregängelung und Zwangsregistrierung schmackhaft machen wollten, wurden von einem Tag auf den anderen durch die abrupte Kehrtwendung ihres Handelns als Lügen entlarvt. Doch jetzt prophezeie ich ihnen ein ganz neues Problem.

Was passiert, wenn all die ehrlichen Käufer, die aufgrund ihres Protestes erstmals einen Fuß in die Illegalität gesetzt haben, plötzlich an Videograbbern und Tauschbörsen Gefallen finden? Wehe, wenn der Donald Normalverbraucher bemerkt, dass ausgehebelte Kopiersperren die Spiele plötzlich wie Öl installieren und ablaufen lassen. Wenn er Plattencrash und Totalverlust einer MP3-Sammlung nicht mehr fürchten muss, weil er entdeckt hat, dass Datenbestände auch ohne enormen Zusatzaufwand- und kosten wiederherzustellen sind.

Und was wird der gebeutelte Konsument denken, wenn er schon wieder von euren neuesten Schnapsideen, wie zum Beispiel dem Wasserzeichen, lesen muss? Wenn er darüber nachdenkt, dass es nur eines einzigen Daten abziehenden Trojaners bedarf, um ihn unschuldig in des Teufels Abmahnungshölle zu bringen? Glaubt ihr allen Ernstes, das wird ihm den Rückweg zur Ehrlichkeit weisen?

Cause we are the champions - of the world

Um auf den eingangs erwähnten Amazonbesuch zurückzukommen: Ich persönlich habe heute mit Freuden und Genugtuung auf den Bestellbutton geklickt. Die Ereignisse der letzten Zeit haben mich gelehrt, dass es niemals verkehrt ist, den Mund auch außerhalb des Nahrungsverzehrs zu öffnen. Ob allerdings andere daraus etwas gelernt haben, bin ich mir nicht ganz so sicher.