Sie rätseln bezüglich meiner Überschrift gebenden Zeitangabe? Sie fragen sich, ob ich damit auf die durchschnittliche Verweildauer eines Rat suchenden Konsumenten in der Warteschleife eines DSL-Anbieters anspiele? Oder sollte dies vielleicht als ein anzüglicher Hinweis auf den mindestens vergehenden Zeitraum zwischen zwei Vollbädern eines Onlinespielers verstanden werden?

Sie irren sich in beiden Fällen. Hätte ich dermaßen Andeutungen machen wollen, dann wären von mir die Werte 48959 und 48961 genannt worden. 48960 Minuten stehen hingegen für einen ganz anderen Wert. Es ist die Zeit, um den der Releasetermin des Onlinespiels Darkfall verschoben worden ist.

48960 Minuten

Mathematisch weit überdurchschnittliche Fähigkeiten oder einen funktionstüchtigen Taschenrechner vorausgesetzt, werden Sie jetzt sicherlich etwas werfen wollen. Sie werden einwerfen, dass ich anstatt dieser gigantisch klingenden Zahl gleich viel verständlicher von 34 Tagen hätte sprechen sollen. Wo doch 34 Tage viel harmloser als 48960 Minuten klingen. Dieserart populistische Stimmungsmache hätten Sie allerhöchsten von einer boulevardesken Tageszeitung erwartet, die Sie selbstverständlich nie in Ihrem Leben kaufen würden – es sei denn, eine dort direkt unter der Schlagzeile abgebildete Körbchengröße entspräche genau der Erwartungshaltung Ihrer Handinnenflächen.

Keine Sorge. Mit „meinen“ 48960 Minuten will ich keineswegs eine agitatorische Hetzkampagne beginnen, sondern einzig zu meiner eigenen Beruhigung beitragen. Denn dächte ich daran, dass der Release von Darkfall nur um 34 Tage verschoben worden ist, dann überkäme mich ein gewisses Schaudern. So empfinde ich jedoch 48960 Minuten als bedeutend mehr Zeit, um die acht Dinge ins Lot zu bringen, von denen die Firma Aventurine in ihrer Verschiebungsbegründung Gebrauch gemacht hat.

Neben den klassischen Argumentationshilfen wie unerwartet hohes Interesse und schleppende Aktivitäten externer Dienstleister waren unter Punkt 4 und 5 und 6 gar ganz beunruhigende Satzkonstrukte zu lesen. Da war die Rede von zu wenig Betatestzeit und von Spielerfeedback, welches noch eingearbeitet werden müsse, und noch ausstehenden Stresstests unter Volllastbedingungen. Spätestens hier stand mein Mund so weit offen, wie ein entstehender Alpentunnel unmittelbar nach der Freisprengung.

Alaaf und Helau

Ich soll also allen Ernstes diesem griechischen Unternehmen glauben, dass all das in nur 34 Tagen zu bewerkstelligen ist? Entweder träume ich das alles oder die komplette Presseabteilung dieser Firma sollte wieder zu ihren vorherigen Jobs zurückkehren und ahnungslosen Strandtouristen diese überteuerte Batteriesäure als Nationalgetränk andrehen. Ein Age of Conan wurde um Monate verschoben und trotzdem war es zum Release noch unfertiger als ein Puzzle. Der Start von Warhammer wurde so oft vertagt, dass die E-Mail-Clients die zugehörigen Pressemeldungen bereits als Spam klassifizierten, und am Ende mussten sich trotzdem vier Klassen und Hauptstädte von ihrer Existenz verabschieden. Und all so was soll in Darkfall mit nur 34 zusätzlichen Tagen abgefangen werden?

Die Antwort auf meine Fragen über die Seriosität dieses Vorgehens lieferte Aventurine gleich mit. So steht doch im siebten Verschiebungsgrund geschrieben, dass sie den Effekt der Weihnachtsferien auf die Spielvorbereitungen unterschätzt hätten. Während sie gearbeitet hatten, wäre die Welt um sie herum stillgestanden.
Na dann raten Sie mal auf welches Datum der Release verschoben wurde?
Es ist der 25. Februar.
Der Aschermittwoch.
Ein Tag, dessen Vorgängertage sich meines Wissens auch nicht gerade mit der Schaffung von Leistungsrekorden und der Absenz von Produktionsausschüssen auszeichnen können. Oder anders gesprochen: Ich vermag keinen Unterschied zu sehen zwischen mit Gänsen gemästeten Mitmenschen und solchen, die gerade ihre Alkoholverträglichkeit dem alljährlichen Belastungstest unterziehen.

Die Fanbois von Darkfall mögen mir bitte verzeihen, und ganz sicher und ganz bestimmt wird dieses MMORPG schlussendlich ganz doll und ganz dufte werden. Lediglich die Signale, die mir gerade begegnen, befremden mich ein wenig. Aber wie heißt es in der Verschiebungsrechtfertigung als achten und letzten Punkt so augenausfallend? Sie würden die Dinge nicht überstürzen wollen. Und trotzdem ein zusätzlicher Monat nach nicht viel klänge, wäre es genug Zeit.

Mal abgesehen davon, dass dies alles andere als ein tatsächlicher Grund für eine Verschiebung ist, sondern allenfalls als abschließende Bemerkung bezeichnet werden dürfte, empfinde ich dieserart Äußerungen sehr gewagt. Vor allem wenn sie aus einem Land heraus geschieht, dessen Einwohner die täglichen Begrüßungsformeln durch die Frage nach dem Andauern des Generalstreiks ersetzt haben.

Doch genug meiner vorverurteilenden Scheuklappenansicht. Wahrscheinlich bin ich mal wieder viel zu ängstlich. Es sind ja immerhin noch fast 3 Millionen Sekunden bis zum Release von Darkfall.