Geheimhaltung ist nicht nur im militärischen Bereich der Garant für ein erfolgreiches Handeln. Auch Firmen erkennen zunehmend die Bedeutsamkeit von zurückgehaltenen Informationen, die andernfalls beim Konsumenten zu erheblicher Verwirrung beitragen könnten. Wie gut, dass so manches Sitzungsprotokoll auf ewig in den virtuellen Schubladen staubfangender Server verschollen bleibt.

Es ist der 02.04.2011 und dieses Mal hat es mich als Protokollführer erwischt. Das Thema des heutigen Treffens war mal wieder das nächste Add-on. Zuerst wollte Mike wissen, was wir uns in der letzten Woche für Gedanken über die neue Rasse gemacht haben. Bärbel meldete sich sofort und schlug einen Einhornmenschen vor. Das gefiel dem Peter aber gar nicht, weil man dann in alle bestehenden Helme nachträglich ein Loch würde bohren müssen.

Grundsätzlich war Mike aber von der Idee einer Mensch-Tier-Rasse ganz angetan und bat um weitere Vorschläge. Der Jim wünschte sich Spinnen, aber Bärbel fand das igitt. Jim beharrte aber auf seinen Spinnen, weil Spiderman alles andere als igitt sei. Daraufhin schüttelte Mike den Kopf und sagte, da bekäme die Rechtsabteilung zu viel Probleme mit irgendwelchen Lizenzdingern. Deshalb wünschte sich Mike, dass wir ihm noch andere Tiernamen geben sollten, aber nicht den einen, den wir ihm hinter seinem Rücken immer so gerne geben.

Am Schluss einigten wir uns auf einen Bären, weil Godzilla hätte viel zu viele Polygondinger gebraucht und die Biene war laut Mike schon von den südamerikanischen Majas für irgendeinen Zeichentrickfilm benutzt worden. Mike wollte dann noch wissen, was für ein Bär das sein soll, und Jim sagte, ein Grizzlymensch wäre cool. Doch die Bärbel wollte lieber einen schwarz-weißen Pandamenschen. Da fingen die Jungs alle das Lästern an. Aber als deswegen die Bärbel zu flennen begann, entschied Mike sich, um sie zu trösten, für die Pandas. Die Pandamenschen sollten jedoch ganz groß aufgeblasen werden. So groß wie ein Eisbär, damit sich die Konkurrenz nicht ganz so leicht über Bärbels Bärenfell lustig machen könne.

Danach wollte Mike was über die neue Klasse hören. Dieser Streber Jim meldete sich schon wieder und schlug einen Samurai vor. Darauf stöhnte Peter, dass man da so viel Waffen und Rüstungen zeichnen muss und ob es nicht was gebe, wo man nicht immer so viel nachsitzen müsse. Der Jim sah das ein und ließ sich auf einen Ninja runterhandeln, weil die ja nur in Kohlesäcken rumlaufen würden. Doch Peter war das immer noch zu viel und wollte was ohne Waffen haben. Schließlich wurde es ein Mönch und Jim meinte, wie gut, dass die Zeichner nicht 52 Wochen Ferien haben wollen, weil dann hätten wir als neue Klasse den Tarzan nehmen müssen.

Olniggs Glosse - Ausgabe 128: Brainstorming

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Als drittes ging es um den Baustil. Weil Bärbel bereits schon einmal recht bekommen hatte, wurden ihre Schlumpfhäuser sofort abgelehnt. Der Jim wollte eine richtig düstere unterirdische Totenwelt mit Skeletten und vielen Fallen und so. Weil Bärbels Gesicht plötzlich so ängstlich zu zucken begann, fürchtete Mike, dass deshalb vielleicht alle Kunden weglaufen würden, die wie Bärbel sind oder wie Bärbel heißen. Den Vorschlag einer Mondstation lehnte natürlich Peter energisch ab und auf einmal hatten wir keine Ideen mehr. Kein Wunder, wo wir doch jetzt schon so lange zusammensaßen und in dieser halben Stunde immer noch keine Pause gemacht hatten.

Und da passierte es. Ich hatte eine Idee, wegen der Pause. Weil man in den Pausen immer Essen tut, habe ich mich gemeldet und dann erzählt, dass wir gestern beim Chinesen waren und die auf den Servietten so schöne Häuser gemalt hatten. Und weil die Häuser allen Gästen gefallen hatten, wäre das doch was. Mike war ganz gerührt und drückte mich an sein Herz. Ich weiß aber nicht, ob das an meiner Idee lag oder weil er mich zum ersten Mal seit Jahren sprechen hörte.

Eigentlich waren wir jetzt fertig, aber der Mike wollte noch etwas wissen. Er fragte, ob wir das toll fänden, wenn die Haustiere nicht immer nur rumsitzen würden, sondern wie bei diesem Online-Spiel mit den Jedi-Rittern auch als Ersatz für andere Gruppenmitglieder einspringen könnten. Jim war sofort begeistert, weil er so endlich gescheitere Mitspieler hätte als diese Triefnasen von seiner Gilde. Die Bärbel fand das nicht so gut, weil dann ja niemand mehr mit ihr spielen würde. Dem Peter war es egal, solange die Haustierkämpfe spannend und blutig wie echte Hahnenkämpfe sein würden. Das fand der Mike einen guten Kompromiss und damit wäre das Add-on nicht ganz so kindisch, weil so Hahnenkämpfe nur die wirklich bösen Menschen machen.

Jetzt waren wir aber wirklich fertig und als Belohnung für unsere schwere Arbeit hat der Mike einem jeden von uns einen Diablo-3-Gutschein geschenkt. Das macht er komischerweise seit einiger Zeit bei jedem, der ihm was Gutes tut. Die Beschenkten freuen sich dann auch immer, wenn sie einen Diablo-3-Gutschein bekommen. Bis auf den Taxifahrer gestern, der auf ganz andere Scheine gehofft hatte und Mike irgendetwas nachgeplärrt hat, wie dass er sich die kostenlose Werbung für sein Echtgeldauktionshaus gefälligst dorthin stecken soll, wo der Rest seiner Ideen hergekommen sei.

Danach ging Papa Mike zur Arbeit und wir durften endlich den Fernseher einschalten.