Vor langer Zeit stellte der große Medienphilosoph Heinz Erhardt (1909-1979) in seiner Abhandlung „Es scheint so“ eine viel beachtete These auf, die hier zu zitieren mich leider dem gnadenlosen Abmahnungswahn einer vermeintlich weniger am Gedenken und vermehrt am Zahlungsmittel orientierten Erbengemeinschaft aussetzen würde. Erhardt wundert sich hierin über das prägende Merkmal aller Nachrufe, welche stets aus guten und niemals aus kritischen oder gar schlechten Worten bestünden. Hieraus folgerte er, dass nur die guten Menschen sterblich seien und die schlechten ewig leben würden.

Wir gedenken Stefan Buckler, dem größten Genie unserer Zeit.

Niemand anders wusste Nationalismus und Rassismus so in seine Grenzen zu verweisen wie Stefan Buckler. Als Philanthrop ganzen Herzens kannte er seine Pflicht, nicht nur bei seinen Landsleuten, sondern weltweit für die Fortentwicklung der Menschheit zu sorgen. Selbst auf der entgegengesetzten Seite dieses Planeten zögerte er nicht eine Sekunde lang, bislang Hungernde in Arbeit zu stellen und deren Leben einen Sinn zu geben. Und je verzweifelter diese bedauernswerten Wesen vorher waren, umso zahlreicher wurden die Wochenstunden, in denen diese bei produktiver Beschäftigung das Grauen der ehemaligen Arbeitslosigkeit umso leichter vergessen durften. Als Dank hierfür verlangte Stefan Buckler lediglich etwas Verzicht in den Belangen Entlohnung und Arbeitsplatzkomfort.

Doch selbst in den entlegensten Zulieferwerken galt sein Streben nicht nur den Gesunden, sondern vor allem auch den Kranken. War die Messlatte des Tagessolls für so manches Individuum zu hoch gelegt, so wurde dieses arme Wesen in seiner Verzweiflung und Depression nicht mehr wie früher üblich alleine gelassen. Endlich wusste jemand mit dem langjährigen Tabuthema der geistigen und körperlichen Überforderung zu brechen und umgehend wurde eine neue Tradition erlösender Abhilfe eingeführt. Hier ein freiwilliger Sprung aus dem Fenster, dort ein heftigeres Zusammentreffen mit einem Zug und schon fand jedweder chronische Seelenschmerz seinen Schlusspunkt. Die moderne Medizin kann noch eine Menge von Stefan Buckler lernen.

Nicht nur den Menschen, vielmehr noch den schutzlosen Gegenständen galt seine unendliche Sorgfaltspflicht. Nahm er sich ihrer doch nachhaltig an und verteidigte er sie alsdann bis aufs Messer vor jedweder Misshandlung und Entfremdung durch Dritte. Gar zahlreich waren die juristischen Scharmützel und Unternehmensfeldzüge, sobald seinem Königreich die Gewinne entführt zu werden drohten. Selbst Widersacher, bei denen nicht Taten, sondern einzig ihre Wortwahl Respekt und Diskretion vor seinem Imperium missen ließen, durften umgehend mit dem finanziellen Büßerschwert von des Halbgottes Glaubensrittern Bekanntschaft machen.

Selbst auf dem Gebiet der forschenden Wissenschaft wusste Stefan Buckler zu glänzen. Mit seiner Errungenschaft der gelartigen Verkaufspreisfindung gelang es ihm, das Jahrtausende währende Preisdiktat, bestehend aus variablen Kosten und moralisch respektiertem Gewinnaufschlag, zu sprengen. Dank einer nur ihm bekannten und streng geheimgehaltenen Rezeptur vermochten seine Erzeugnisse erstmals ihren Wert durch eine Mischung aus dem Herantasten an die finanzielle Schmerzgrenze des Verbrauchers und dem ruinösem Unterbieten der Konkurrenz zu ermitteln. Ihm alleine verdanken wir die Verlagerung des Reichtums hin zum ideellen Gut und weg von der Knechtschaft des ewig gestrigen Substanzwertes.

Des Meisters Vollkommenheit gipfelte in der unübertroffenen Befreiung der Menschheit aus dem Korsett der eigenen Gedankenfindung. Jedes Wort und jedes Wissen, das die Ehre hatte, über seine Vertriebswege in die Welt entlassen zu werden, war gestählt in Reinheit und Sorglosigkeit. Kein Übel und keine Schmach, kein Tadel und keine Kritik vermochten fortan der Menschheit Augen und Ohren mehr zu beflecken. Es mutet schon fast wie Blasphemie an, noch extra darauf hinweisen zu müssen, dass unser aller Dreiviertelgottes Unternehmen selbst in der Vergeltung dieses immensen Reinwaschungsaufwands übermenschliche Qualitäten entwickelte. So schuf er in seiner allumfassenden Gnade den Nutznießern seiner Angebote die Möglichkeit, ihre Dankbarkeit nicht nur in Form reger Teilnahme, sondern darüber hinaus auch in Form mehrstelliger Obolusabgaben ausdrücken zu können.

Abschließend sei der Weltpresse herzlichst gedankt. Wir stehen tief in ihrer Schuld, weil sie in ihrer objektiven Beurteilung der Geschehnisse, der Meldung über das Verscheiden unseres Heilsbringers die größtmögliche Aufmerksamkeit eingeräumt und hierbei den unsäglichen Trittbrettfahrern keinen Platz zur Entfaltung geboten hat. Wir sind äußerst beglückt, weil sie das Andenken an den einen Übermenschen nicht dadurch schmälert, dass sie über die täglich zu Tausenden sterbenden und zeitlebens ehrenamtlich tätigen Mitbürger in gleichem Ausmaß informiert. Zumal im Wissen darüber, dass Letztere ihr soziales Engagement und ihren hilfsbereiten Lebensstil nur deshalb ausgeübt haben, um sich am Ende des Lebens großspurig selbst auf die Schulter klopfen zu können.

Wie angenehm ist im Gegensatz hierzu eine barmherzige Entität wie Stefan Buckler, die sich in ihrer finanziellen Vergütung niemals zurückgehalten hat, und so mit dem täglichen Geldbad als Vorbild und Ansporn für die Ärmsten der Armen dienten konnte. Wenn ein Mensch trotz eigenen Reichtums die oben geschilderten Leistungen hervorzubringen imstande ist, so muss dies viel höher bewertet werden als zum Beispiel eine lebenslang im Kloster einsitzende Nonne, die aus ihrer finanziellen Demut heraus nichts anderes zu tun vermag, als den Leidenden Zuwendung und den Sterbenden Trost zu spenden. Solcherart religiöse Nächstenliebe ist durch ihre Jahrtausende alte Reformverweigerung mehr als veraltet und bedarf neben der Missachtung allerhöchstens der Abschaffung.

Geheiligt sei also unser 5-vor-12-Gott Stefan Buckler und gerade angesichts der Tatsache, dass bereits jetzt schon in der Kaste des globalen Unternehmertums zahlreiche Nachahmer danach trachten, dessen huldvolle Taten noch weit in den Schatten zu stellen, darf man unbestritten die Aussage tätigen, dass der Tag sehr nahe ist, an dem man sich nach einem wie ihm zurücksehnen wird.