Es gibt sie in der speziellen, der begrenzten und der Sammelvariante, und erst in Englisch klingen sie richtig gut. Und obwohl sie in der Regel lediglich billige Gimmicks aus fernöstlicher Fertigung beinhalten, ist der Käufer selbst ohne Zutun einer blusentechnisch offenherzigen Verkäuferin bereit, seinen Geldbeutel der Totalentleerung anheim fallen zu lassen. Es ist die Rede ist von den Special, Limited und Collector‘s Editions.

Restmüllnachschub

Wer kennt sie nicht, die preiserwachsenen Brüder der normalen Spielboxen? Für eine Handvoll Euro mehr versprechen sie uns einen materiellen und ideologischen Quantensprung. Nun könnte man das Thema getrost mit einem seufzenden „Wem’s gefällt…“ beenden, wenn da nicht auch des Öfteren der Otto Normalkäufer von der collectoralen Narretei betroffen wäre.

Man denke einmal an das Jahr 2005 zurück, als der nachzügelnde Deutschableger von World of Warcraft das poppige Licht der Onlinewelt erblickte. Brav nach Zahlungskraft der jeweiligen Konsumentenkaste getrennt, durften sich damals die betuchten Großboxbesitzer über eine spielumfassende DVD-Scheibe freuen. Die Slumbewohner mit dem Magersuchtböxchen in der Hand mussten hingegen mühsam fünf CDs in Schlitz oder Schublade pfriemeln. Glauben Sie, diese Zurückhaltung in Sachen Installationskomfort geschah aus finanziellen Gründen oder könnten vielleicht die oberen Kaufzehntausend ein paar zusätzliche Streicheleinheiten gebraucht haben?

Olniggs Glosse - Ausgabe 12: Restmüllnachschub

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Spielerlätzchen: UO Map gegen WoW Map.
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Doch dieser Tage ist der Erste-Klasse-Verbraucher selbst nicht mehr gegen einen Boxenabstieg gefeit. Wenn jener zum Beispiel mit überheblicher Gestik nach der Collector‘s Edition von King’s Bounty greift, dann dürfte sein anstehendes Schockerlebnis viel von einem euphorisch durch die Lüfte fliegenden Jetpiloten haben, der plötzlich von einem UFO überholt wird. Gibt es doch für eine zweite Hand voll Euro eine noch viel noblere Special Edition im Holzboxdesign zu erwerben. Wer jetzt meint, mit dieser Collector‘s Edition hoch Zwei sei der Gipfel der Verwirrung erreicht, der irrt wie ein Immobilienverkäufer vor dem Schneckenhaus.

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Krieg dich ein! Wieso Han oder Luke als Zinnfigur, wenn Frau Meier aus der Instandhaltungsabteilung fast ebenso berühmt ist?
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Ein Blick auf den Herrn der Ringe und seine morianschen Minen offenbart drei ganz andere Verkaufsgebinde: Normal, Spezial und Kompendium. Richtig gelesen, Kompendium. Das, worunter an Tischen essende Menschen ganze Nachschlagewerke verstehen, soll nun in die Welt der drehenden Datenträger Einzug halten? Ein Blick auf die englischsprachige Gemeinde erklärt den Wahnsinn, wenn er ihn auch nicht entschuldigt. Compilation Pack heißt es ganz banal im Original, und erst nach dem Kontakt mit einem verfrüht als geheilt entlassenen Übersetzer wird ein Kompendium daraus.

Nun könnte man bei wohlwollendster Auslegung des Wortes Kompendium in den Massen seiner bislang erlittenen Vergewaltigungen sicherlich irgendwo den Begriff Sammlung wiederfinden, wenn da nicht die alles beschönigende Internetbranche dahinter stehen würde. Also bitte nicht wundern, wenn sich der Schmetterling am Ende in eine hässliche Raupe verpuppen wird.

Die Schlumpf Edition

Den Gipfel der Dreistigkeit schießt allerdings die Collector’s Edition von Dungeon Lords ab. So wird diese nicht nur mit mehrjähriger Verspätung in den Regalen platziert, sondern sie empfiehlt sich in ihrer Größe allenfalls als Zierde für ein Schlumpfhaus. Natürlich vorausgesetzt es handelt sich hierbei um das Wohneigentum des Brillenschlumpfes. Denn ohne stark vergrößernde Sehhilfe wäre an ein Erfassen des Inhaltes nicht zu denken.

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Detlef gegen Goliath: So fühlt es sich an, wenn unmittelbar hinter Heidi Klum ein Karl Dall den Laufsteg betritt.
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Was lernen wir aus diesem ganzen Verwirrsinn? Zuallererst, dass Developer und Distributoren gute Gründe haben, ihren ganz eigenen Turmbau zu Babel zu veranstalten. Wer bei all den verschiedenen Gimmicks und Ingame Items und nicht zuletzt Namen noch erfolgreich einen Preis- und Qualitätsvergleich durchführen kann, der ist nicht von dieser Welt, sondern muss aus dem eingangs erwähnten und inzwischen gelandeten UFO entstiegen sein.

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Batman’s unbezahlte Überstunden: sieben Tabletop-Figuren in der CE von City of Villains.
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So richtig Mühe, den Ork in sich zu bezwingen, bekommt, wer einen Blick in die Vergangenheit auf die Urgroßsoftware Ultima Online wirft. Denn damals gab es diese ganze grammweise Berechnung unterschiedlichster Editionen überhaupt nicht, und große fantasiereich gestaltete und ausgestattete Boxen waren selbstverständlicher Natur. Und hätte es tatsächlich jemals eine Collector’s Edition gegeben, dann wäre eine Steigerung zur Normalität einzig durch beigelegte Metallschwerter oder Gutscheine für echte Pferde möglich gewesen.