Als laienbehafteter Kolumnenschreiber ist man ständig bestrebt, das eigene Werk einer selbstkritischen Qualitätskontrolle zu unterziehen, in der Hoffnung, es stetig zu verbessern. An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei den professionellen Satirikern des Privatfernsehens dafür bedanken, dass der Konsum ihrer Produkte für mich zwar nicht Vorbild, aber immerhin Ansporn ist.

Betrachtet man die menschliche Historie, so ist ein immer wiederkehrendes Erkennungsmerkmal des Menschen seine Unmenschlichkeit. Weil diese Aussage für ramschgeile, tittenstarrende und legasthene Fernsehkonsumenten ein Hauch zu kompliziert klingen mag, soll sie im Folgenden etwas ausführlicher erklärt werden.

Wann immer in der Geschichte Zivilisationen unter Nahrungsmangel oder Überbevölkerung gelitten haben, griffen sie zu Schwertern oder Explosionswaffen, um den Missstand zu beheben. Ein paar Prisen Rauben und Brandschatzen später war die eigene Welt wieder in Ordnung, und sollten dabei noch ein paar Frauen und Kinder der Vergewaltigung anheimgefallen sein, war sogar nicht nur dem Tötungstrieb befriedigt.

Olniggs Glosse - Ausgabe 119: Hochexplosiv

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 84/861/86
Kandidatin zieht bereits bei der 50-Euro-Frage den Telefonjoker.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mit der Erfindung der Sklaverei konnte der Mensch zusätzlich zum Ausleben seines sadistischen Lebensentwurfes noch ein wirtschaftliches Element hinzufügen. Endlich durften Arbeit und Vergnügen harmonisch miteinander verbunden werden, und so manche Nation in Abendland und Übersee wurde hierdurch überhaupt erst der Aufstieg zur Weltmacht ermöglicht.

Den bislang krönenden Abschluss kultivierten Lebensstils stellte die hochqualifizierte Massenvernichtung von ganzen Volks- und Glaubensgruppen dar. Obwohl gerade hier in der jüngeren Geschichte ein bestimmter zentraleuropäischer Staat nachhaltig von sich reden machen und bis dato ungekannte Rekordwerte setzen konnte, bleibt für kommende Generationen trotzdem noch weltweit genügend Entwicklungspotenzial nach oben.

Doch wie will man neue Rekorde der Barbarei aufstellen? Internet und sozialen Plattformen geschuldet, sieht man heutzutage selbst im fremdesten Chatpartner eher ein Spiegel- denn Feindbild. Wie soll die arme Jugend überhaupt noch Aggressionen gegenüber einer anderen Hautfarbe entwickeln können, wenn sie vorher schon von deren identischen Zukunftsplänen und übereinstimmenden Sehnsüchten gelesen hat? Wie sollen wir in Zukunft Überbevölkerung reduzierende Weltkriege entfachen und somit Ressourcenknappheit und Umweltverschmutzung abmildern können, wenn die althergebrachten Feindbilder schwächeln und einstürzen?

Die Antwort gibt uns wie immer die Mutter Natur. Ratten, Triebtäter und Läuse haben alle eines gemeinsam - sie sind in der Bevölkerung verhasst und doch leben sie unter uns. In Zeichen völkerverständigender Globalisierung muss der Feind nicht mehr jenseits der Grenze gesucht, sondern inmitten der Nachbarschaft gefunden werden. Das hat zudem den Vorteil, dass eine kostenintensive Verlagerung von Kriegsmaterial an weit entfernte Fronten unterbleiben kann und selbst die Zivilbevölkerung in den Genuss kommt, aktiv an der handfesten Problembeseitigung teilnehmen zu dürfen.

Wie aber sollen unsere neuen Feinde erkannt werden? Unser Geld requirierende und anschließend verschleudernde Politiker und Banker mögen zwar kinderleicht geoutet sein, aber aufgrund der geringen Anzahl würde selbst deren vollständige Ausmerzung niemals zu einer nachhaltigen Erholung unseres Planeten beitragen. Eine viel größere Anzahl rücksichtsloser, Tod verdienender und leicht entbehrbarer Mitbürger muss gefunden werden.

Olniggs Glosse - Ausgabe 119: Hochexplosiv

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 84/861/86
Kandidatin wird die 100-Euro-Frage zum Verhängnis.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein Feind ist gemäß Definition ein Widersacher. Jemand, der also sehr konträre Ansichten oder Absichten hat und der vielleicht sogar bereits in der Vergangenheit durch Wort oder Tat seinen Widerwillen gegenüber einem selbst geäußert hat. Am Anfang steht daher die Selbstanalyse. Wenn man erst erkannt hat, was einen selbst ausmacht, dann ist das Gegenteil schnell gefunden und dem kurzweiligen Bürgerkrieg steht nichts mehr im Wege. Da dieserart Feinderkennung natürlich jeder individuell für sich selbst durchführen muss, kann meine Person hier nur als Beispiel dienen. Müsste ich mich in drei Schlagworten selbst beschreiben, dann würde ich mich als toleranten, spielbegeisterten Verstandesmenschen bezeichnen. Was wäre nun das Gegenteil hiervon? Ganz klar ein rücksichtsloses, technikunfähiges Lufthirn.

Wollte ich persönlich also zukünftig die Welt verbessern, müsste ich fortan Menschen eliminieren, welche unter dem eben ermittelten RTL-Syndrom leiden oder diesem gar huldigen. Es wäre wahrlich nicht zu viel von mir verlangt, wenn ich ab sofort allabendlich nach getaner Arbeit ein oder zwei fehlgeleitete Seelen aufspüren und durch deren Beseitigung zum längerfristigen Friedenserhalt auf unserem Planeten beitragen würde. Ob ich virtuelle oder reale Bestien kille, ist mir als Spieler sowieso egal. Zumindest bekomme ich das von unserer Führungselite und deren Hofberichterstattern immer wieder eingetrichtert, und wenn die damit tatsächlich Recht haben sollten, wäre es höchste Zeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.