Sie sind die Porsches und Ferraris unter den Spielen. Wer sie sich leisten kann, der muss sich bestimmt keine Sorgen darüber machen, wo man die nächste Nacht schlafen wird. Was der Diamantring für das Liebesleben sind sie für den Gamer - die Collector’s Editions. Und neuerdings kosten sie auch genauso viel wie Autos und Juweliererzeugnisse.

Als ich zum ersten Mal den Preis für die Collector’s Edition von The Old Republic las, war ich mehr als verblüfft. Und während ich den Betrag ungläubig vor mich hinstammelte, hätte ich schwören können, gesehen zu haben, dass sich meine auf dem Tisch liegende Kreditkarte krampfhaft zusammengezogen hat. Wenig später beim Erstkontakt mit der Collector’s Edition von Skyrim war es dann Gewissheit. Die Kreditkarte hatte sich vor meinen Augen von der Tischkante gestürzt. Hätte der weiche Teppich nicht das Schlimmste verhindert, dann wäre ich wohl der erste Mensch der Welt gewesen, der den Antrag auf eine Ersatzkarte mit einem vorangehenden Kartensuizid begründet.

150 Euro wollen sowohl Electronic Arts als auch Bethesda für die Luxusausführung ihrer Software-Zeugnisse ernten. Ein sehr stolzer, wenn nicht gar überheblicher Preis. Noch dazu ein überraschend gleicher. Das riecht entweder nach marktüblicher Preisabsprache oder aber die beiden Firmen sind Opfer desselben Schutzgelderpressers geworden.

150 Euro für ein Spiel. Obwohl das so nicht stimmt. The Old Republic kostet in Wirklichkeit nur 149,99 Euro. Ein Cent unter der 150? Wie abgestorben muss ich mir das für die endgültige Preisfindung verantwortliche Gehirn eigentlich vorstellen? Da könnte man gleich den Erwerb einer gebrauchten Raumfähre für nur noch 99.999.999,99 anpreisen. Sollte die menschliche Evolution ihren bisherigen Tiefpunkt in Form von Fernsehdiätshow-Teilnehmern wahrhaftig unterboten und ein Wesen hervorgebracht haben, das in diesem Preissegment noch an die Verniedlichungswirkung einer 99er-Endung glaubt? Nach dem Motto: „150 Euro für die CE ist doch Wucher, und das ist es mir nicht wert. Aber für 149,99 nehm ich sie, weil das ein echtes Schnäppchen ist.“

Ganz anders bei Bethesda. Die wollen lediglich 149,95 Euro für ihre Collector’s. Da spart man immerhin 5 Cent zu 150 Euro. 5 Cent sind schon erwähnenswert. Dafür bekommt man ein Fünftel Zigarette und sogar ein ganzes Gummibärchen. Dieser Punkt geht ganz klar an Bethesda. Wer so richtig sparen will, der muss Skyrim kaufen. Am besten gleich zwei oder zehn davon.

Wenn für ein einziges Computerspiel der Gegenwert von einer Wii inklusive eines Extra-Controllers und zweier weiterer Spiele verlangt wird, dann muss dessen wahrer Wert woanders liegen. Limited heißt das Zauberwort. Wer weiß, dass die originalverpackte erste CE von World of Warcraft heutzutage für vierstellige Beträge gehandelt wird, der hat das Wort Spekulationsgewinn begriffen. Leider ist bei SWTOR der Umgang mit der Ergänzung Limited ebenso limited. Offiziell wird nur eine Collector’s Edition beworben und erst im Kleingedruckten findet sich das Wort limitiert. Auf eine konkrete Nennung der Auflagenzahl wartet man so vergebens wie auf ein Taxi vor der Erfindung des Rades.

Auch wenn Electronic Arts die endgültige Anzahl der CEs vermutlich erst angesichts der ersten Vorbestellerzahlen festlegen wird, so bleibt dem Raritätensucher trotzdem eine Gewissheit. Da pro Person nicht mehr als ein Exemplar verkauft werden darf, beginnt die Exklusivität spätestens bei einer Stückzahl von 7 Milliarden. Sollte nun in den Monaten bis zum Release die Weltbevölkerung und somit auch der Anteil der Vorbesteller durch 54 Weltkriege und 78 globale Pestausbrüche hinreichend dezimiert werden, dann steht einem späteren gewinnbringenden eBay-Weiterverkauf nichts mehr im Wege.

Der wahre Fan bewertet sowieso einzig die inneren Werte. Der Inhalt bestimmt den Preis und bei einem Preis im Gegenwert von drei Gramm Gold würde sich niemand bloß mit einer einzigen Soundtrack-CD zufriedengeben, zumal man im Standardspiel zehnmal so viel davon hören kann. Hier zeigen sich die beiden Kontrahenten sehr generös und stolz auf die Beigabe übergroßer Plastikpüppchen. Wer immer schon gerne dem Ken von der kleinen Schwester heimlich die Kampfhose angezogen hat, der darf sich im Herbst an Kleiderständern erfreuen, die selbst in Erwachsenenhand noch akzeptabel erscheinen.

Doch bei den anderen Geldgrabbeigaben wird die Firma Bethesda von ihrer eigenen Firmenpolitik verraten. Ganz im Gegensatz zum Online-Hit des Jahres, welcher 7 digitale Gegenstände aufweisen kann, muss sein Offline-Pendant diesbezüglich die Segel streichen. Digitale Items bei einer Software mit integrierter Modding-Schnittstelle beizugeben, wäre ähnlich verwunderlich, wie bei einer Kreuzfahrt als Andenken eine Flasche Salzwasser verkaufen zu wollen. Wie könnte man das kostenlos gemoddete 1Hit2Kill-Uberschwert oder den Null-Euro-God-Mode noch toppen? Es bleiben eine Landkarte, ein Bilderbuch und eine Buchstütze im Drachendesign. Das erscheint ein bisschen dürftig, um dafür einen Monat lang das Benzingeld an Amazon & Co. umzuleiten und sich fortan zu Fuß den Herbststürmen auszusetzen.

Das Ende der Geschichte ist anders, als man erwarten würde. Denn der Autor dieser Zeilen muss gestehen, dass er voraussichtlich zumindest eine der beiden Editionen kaufen wird. Bin ich nun ein Heuchler, weil ich Wasser predige und Geld verschütte? Oder kommen meine multiplen Persönlichkeiten jetzt schon im Minutenrhythmus zum Vorschein?

Wer erst einmal der Razer-Homepage einen Besuch abgestattet hat und dabei der SWTOR-Franchising-Produkte ansichtig geworden ist, der lernt schnell, den Geldbetrag für eine Collector’s Edition bis in die Unbedeutsamkeit hinab zu relativieren. Wo sich Käufer für eine Tastatur (149,99), eine Maus (129,99), ein Headset (129,99) und ein Mauspad (49,99) mit aufgepinseltem Star-Wars-Logo finden, da werde ich mich ab November unter meiner Brücke garantiert an vielen anderen Körpern wärmen können. Vielleicht habe ich ja auch Glück. Denn wie sagt diese ausgetrocknete Erdfrucht mit dem Satzbau einer Massenkarambolage immer so richtig? Möge der Dispo mit uns sein.