Ein Aufschrei hallt durch die dritte Teufelswelt. Nichts wird so sein, wie es einmal war. Online-Zwang als DRM-Halsband, Skill-System für Grützköpfe, Auktionshaus auf Tchibo-Shop-Niveau. Wo immer ein Fettnäpfchen zu finden war, so will man meinen, gelang es Activision Blizzard perfekt, sich darin zu suhlen.

Noch viel größer war der Aufschrei nach dem Aufschrei im Hause Activision Blizzard. Sie wollten doch nur unser Bestes und überhaupt sei das alles nur ein Missverständnis, lauteten die ersten Rechtfertigungsversuche. Wer bislang mit hochgeschlagenem Kragen beim schmuddeligen Online-Dealer seine Waffen ungesetzlich erwerben musste, so argumentierten sie sinngemäß weiter, der könne doch nun endlich zur Legalität zurückfinden.

Die Sache mit den Skills für Dummies sei nicht dem IQ der Spieler, sondern dem IQ der Developer geschuldet, da diese schon vom Schreiben des Wortes Balancing Gleichgewichtsstörungen bekommen würden. Und wer so einsam sei und D3 allein spielen müsse, der solle sich doch stattdessen einen Hund zulegen.

Doch wie reagiert die undankbare Community darauf? Sie fährt eisern fort mit dem Heulen und Whinen und weigert sich weiterhin, dem ehemaligen Kultobjekt orgasmend zu huldigen. Anstatt sich darüber zu freuen, dass in unserer zunehmend unmenschlichen Leistungsgesellschaft zumindest im Bereich der Computerspiele die Leistung fortan durch den Kontostand ersetzt wird, erhebt man die virtuellen Fäuste. Verrückte Welt oder hat Activision Blizzard tatsächlich einen Fehler gemacht?

Zugegeben, das war jetzt eine sehr rhetorische Frage. Zumal die gleichzeitige Nennung der Worte Activision und Blizzard seit ihrer Fusion schon ein einziger Fehler ist. Was das Oxymoron in der deutschen Sprache ist, ist Activision Blizzard für die Software-Branche. An produktive Synergien glauben hier allerhöchstens diejenigen, die auch ein weißes Schwarz, einen brennenden Eisberg oder sparende Politiker für möglich halten.

Doch genug des Theoretisierens. Tatkräftige Hilfe ist vonnöten. Der entscheidende Fehler im Rahmen der Diablo-III-Ankündigung ist nämlich eindeutig in der Kommunikation zu finden. Hätten Herr und Frau Marketing ihre Hausaufgaben gemacht, dann wären viele Taschentücher verpackt geblieben. Doch es ist bekanntlich nie zu spät und die Lösung naht.

Verpackung ist alles, lehrt uns die Werbung. Wer das richtige Wort zum falschen Produkt findet, der steigert nicht nur Umsatz und Gewinn, sondern senkt gleichzeitig Widerspruch und Volksbildung. Sei es zum Beispiel die Bioschokolade, die dem Übergewichtigen suggeriert, es handele sich zukünftig bei seinem Bauchfett im Lkw-Reifenformat lediglich um reichhaltige Vitamin-C-Einlagerungen. Oder die bildhübsche Blondine, welche sich nach Honorarübergabe und Kleiderentledigung als auf die Geschlechtsumwandlung sparender Transsexueller entpuppt. Und nicht zuletzt all die Staatslenker, denen es immer wieder gelingt, mit dem Slogan von Gott und Vaterland den schmerzvollen Tod als geringfügiges Manko auf dem Weg zu Ruhm und Ordenerwerb verkaufen zu können.

Allerhöchste Zeit für die wahren Gründe, Diablo III umgehend vorzubestellen.

1. Diablo III hat die beste Diebstahlsicherung der Welt.
Sie planen einen Urlaub und lassen ihre Diablo-III-Box wochenlang unbewacht zu Hause zurück? Fürchten Sie keinen Einbruch mehr, denn der potenzielle Dieb Ihrer Diablo-DVD wird wegen der permanent notwendigen Internet-Anbindung keinen Spaß an seiner Beute haben, weil er das Spiel kein zweites Mal registrieren kann.

2. Diablo III sorgt für mehr Gerechtigkeit auf der Welt.
Sie liegen am Strand und siedend heiß fällt Ihnen ein, dass Sie Ihre D3-Zugangsdaten gut sichtbar auf der Verpackung zu Hause notiert haben? Die Kriminalpolizei wird sich freuen, denn Real-ID-Account und IP-Rückverfolgung sei Dank wird der fetzenschädlige Dieb bei seinem ersten Einloggen weltweit ermittelt und darüber hinaus seiner zivilrechtlichen Strafe, dem Zwangskauf einer gültigen D3-Lizenz, zugeführt werden können.

3. Diablo III ist die sicherste Geldanlage der Welt.
In Zeiten, in denen die Aktienkurse Ausschläge verzeichnen wie der Herzschlag eines Fallschirmspringers beim ergebnislosen Ziehen seiner Reißleine, kann der Griff zum Gold so falsch nicht sein. Investieren Sie Ihr echtes Geld krisenfest in goldene D3-Gegenstände. Mögen Ihnen für diesen Item-Handel auch ein paar mehrstellige Vermittlungsgebühren in Rechnung gestellt werden, so denken Sie schon jetzt an das freudige Strahlen im Gesicht Ihres Enkels, wenn Sie ihm stolz verkünden können: „Mein Haus musste ich zwar verkaufen, aber diese 749 Hellebarden werden eines Tages dir gehören!“.

Ihr seht also, liebe Leute bei Activision Blizzard, was immer man über Diablo III Schlechtes in Bezug auf eure Geld- und Überwachungsgeilheit sagen mag, es lässt sich dabei stets etwas Gutes entdecken. Einzig eine Aussage ist in gewissen, dank eures Handelns bestimmt anwachsenden Kreisen vermehrt zu lesen, bei der es mit der Gegenargumentation ein wenig schwieriger werden dürfte. Es sind die Stimmen, die da lauten: „Ich werde Diablo III spielen, aber nicht kaufen.“