Der Sommer naht und wieder neigt sich ein Schuljahr dem Ende zu. Alljährlich stehen Horden von Schulabgängern vor der Frage, was anschließend zu tun sei. Sollen sie jetzt einen Beruf ergreifen oder ist es doch besser, im Rahmen eines Studiengangs das Komatrinken weiter zu perfektionieren?

In der heutigen Folge unserer Reihe „Berufsberatung für freigesetzte Lernkräfte“ wollen wir den Beruf des selbstständigen Marktforschers näher betrachten. Wer der Meinung ist, sich für die Ausübung dieses Berufes erst einer langjährigen Berufsausbildung unterziehen zu müssen, der irrt gewaltig. Wie einfach und trotzdem erfolgreich man hier werden kann, sei an einem einfachen Beispiel demonstriert.

Nehmen wir einmal an, Sie hätten vonseiten eines Investors die Anforderung erhalten, das in der Entstehung befindliche MMO Salem hinsichtlich Marktvolumen und Ertragserwartung zu bewerten. Auf den ersten Blick erscheint eine seriöse Durchführung dieses Auftrages für einen Laien undenkbar. Doch ist sie das wirklich? Lassen Sie sich überraschen, wie man mit der Beantwortung von nur drei Frageblöcken das Forschungshandwerk so perfekt ausüben kann, als ob man schon jahrelange Berufserfahrung hätte.

1. Die Thematik des MMO

Salem spielt zur Zeit der amerikanischen Gründungsväter. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Kolonisten und beginnt im Bereich Neu England, den gerade erst neu entdeckten Kontinent zu erschließen.

1.a. Wer könnte an dieserart Handlung interessiert sein?

Weiße Amerikaner.

1.b. Wer könnte für dieserart Handlung mindestens desinteressierte Langeweile empfinden?

Amerikanische Ureinwohner, deren Immobilienbesitz darunter zu leiden hatte. Menschen afroamerikanischer Herkunft, deren Vorfahren in unmittelbarer Folge in Massen zwangsimportiert wurden. Europäer und Asiaten, die aufgrund eigener reichhaltiger Geschichtsvielfalt das Schicksal eines Pilgervaters so prickelnd wie die Erfindung des Randsteins empfinden. Moslemisch geprägte Nationen, speziell wenn sich diese seit Jahren über den dauerhaften Besuch amerikanischer Ordnungskräfte erfreuen dürfen. Menschen mit einem „bin“ im Namenszug.

2. Das Spielprinzip des MMO

Salem basiert auf dem Sandbox-Prinzip. Die Welt ist frei begehbar und der Spielschwerpunkt liegt im Bereich Crafting. Das heißt, die Spieler müssen alle Gegenstände einschließlich der Währung selbst herstellen. Als Highlight wird das Open-PvP mit gleichzeitigem Permanent Death angekündigt.

Der Fahndungserfolg

2.a. Wer könnte dieserart Spielmechanik als dauerhaft entspannend empfinden und von einem virtuellen Permanent Death nicht abgeschreckt werden?

Insekten, die sich zufällig auf die Tastatur verirren. Menschen mit Defiziten im Bereich der Aggressionsbeherrschung, die sich gerade im geschlossenen Strafvollzug befinden und darüber hinaus über viel Tagesfreizeit verfügen. Die Spielentwickler selbst, die über eine Direktleitung zu den Spiel-Servern verfügen und niemals einen Disconnect befürchten müssen.

2.b. Wer könnte Schwierigkeiten damit haben, dieserart Spielmechanik überhaupt als solche zu erkennen?

Fließbandarbeiter, die nach ihrer Nachtschicht nur bedingt an weiteren Fertigungsprozessen interessiert sind. Menschen mit einem IQ über 50, die begriffen haben, dass Sandbox heutzutage so viel heißt wie: „Wir hatten weder Geld noch Lust für die Erstellung unterhaltender Spielelemente“. Alle Menschen, die weder der Gewerkschaft der Scharfrichter noch dem Interessenverein erfolgreicher Folterer angehören.

3. Relation geplanter Release-Termin und offizieller Homepage-Inhalt

Heute ist der 26.05.2011 und Salem soll Ende 2011 erscheinen. Der Homepage-Inhalt ist derzeit so reichhaltig wie der Kundenparkplatz eines Hufschmieds hundert Jahre nach der Erfindung des Automobils.

3.a. Wie wahrscheinlich ist ein termingerechtes Erscheinen des Spiels?

Eher gibt der Papst seine Vermählung mit Homer Simpson bekannt.

3.b. Was kann man aufgrund der dürftigen Informationspolitik über die Qualität des künftigen Kundensupports folgern?

Die Kommunikationsaufnahme wird ausschließlich über Rauchzeichen erfolgen.

Fazit

Verstehen Sie jetzt, warum man beim Berufsbild des selbstständigen Marktforschers die Auftraggeber so einfach befriedigen kann? Würde man Ihnen mit dem oben dargelegten, ergoogleten Laienwissen ein Urteil darüber abverlangen, welchen Umfang das Kundenpotenzial von Salem nach dessen Release annehmen wird, bräuchten Sie lediglich die erarbeiteten Fakten in einen einzigen bewertenden Satz bringen.

„Die Forschungsarbeiten haben ergeben, dass die Kundenzielgruppe des MMO Salem aus weißen Psychopaten mit einem IQ unter 50 besteht, die über die Sozialkompetenz einer Zimmerpflanze verfügen. Oder anders formuliert: Hätte es Salem bereits vor 123 Jahren gegeben, dann hätte man die IP-Adresse des einzig zu erwartenden Spielers zurückverfolgen können und Jack the Ripper wäre gefasst worden.“