Ostern steht vor der Tür. Das Fest der Auferstehung und des Friedens. Das Fest, an dem die Sonderlichsten unter den Menschen ihre Eier verstecken und sie spätestens ein paar Wochen später dank ihres Geruchssinns wiederfinden. Bevor ich die allgemeine Feiertagslaune übernehme und für eine Woche die Pforten schließe, seien ein paar kleine Glosseneier gelegt.

Kennen Sie das Sprichwort „jemandem ein Ei auf die Schiene nageln“? Wenn nicht, dann sei es kurz erklärt. Stellen Sie sich vor, Sie hätten soeben einen 24-Mann-Raid gegen einen Megadrachen begonnen und plötzlich wird der Bildschirm schwarz, weil Mutti die Steckdose ihres Computers kurzfristig für einen Staubsaugerfeldzug benötigt. Alles klar?

Mit dem ersten auf den Bahnverkehrsweg genagelten Ei haben die Softwareschmieden zu kämpfen. Man versetze sich in die Lage eines Spielherstellers, der heute ein neues Projekt beginnt. Welche Entwicklungsplattform soll er nutzen? Den PC auf jeden Fall, aber was ist mit den Konsolen? Letztere werden leistungsmäßig von den PCs inzwischen so leicht abgehängt wie ein Bremsklotz von einem Hundertmeterläufer.

Die nächste Konsolengeneration liegt in so weiter Ferne, dass man bald budgetsprengend für PC und Konsole zwei getrennte Programme entwickeln muss. Oder man mutet den Desktopbesitzern zu, auf ihren teuren High-End-Geräten Bilder mit einer Qualität aus der Zeit zu betrachten, als Fellträger einen Lagerfeuer schaffenden Blitzeinschlag noch zum Anlass für Gotteshuldigungen nahmen.

Wenn es denn überhaupt eine nächste Generation an Konsolen geben wird. iPad & Klon gedankt drücken indes gänzlich neue Hardware-Alternativen auf den Markt. Diese dürften in ihren übernächsten oder nächstübernächsten Varianten den Konsolen ein ähnlich fragiles Zukunftsgefühl vermitteln, wie es die Dinosaurier einmal hatten. Apropos Aussterben. Seltsam, dass sich der seit Jahren totgesagte Spiele-PC entgegen allen Fachprognosen immer noch so lebendig anfühlt. Das liegt wahrscheinlich an den Grafikkarten. Die sind inzwischen viel zu schnell, um vom Tod erwischt zu werden.

Über ein weiteres festgetackertes Gleisei stolperte ich bei Anno. Dessen Fortsetzung heißt 2070 und treibt mich ein wenig in die Ratlosigkeit. Ein Anno 1900 war Ubisoft wahrscheinlich zu gewagt, denn das hätten viel zu viele gekauft und dann bloß wieder die Server überlastet. Einerseits kann ich verstehen, dass die Entwickler etwas Neues ausprobieren wollen, andrerseits hätte ich Starcraft II jetzt nicht gerade als schwachbrüstige Konkurrenz betrachtet und mir an Ubisofts Stelle einen etwas empfänglicheren Absatzmarkt gesucht. So erinnert mich das schon stark an ein Wildschweinwettessen zwischen Idefix und Obelix.

Binäre Eiersuche

Allerdings will Anno mehr als Starcraft und zusätzlich mahnend den Öko-Finger ins Auge pieksen. So wird es in Anno 2070 zwei sehr gegensätzliche Parteien geben. Die Ecos und die Tycoons. Beide erfreuen sich an nachwachsenden Dingen. Die einen an Ressourcen und die anderen an Geldscheinen. Wer also von Nachrichten und Sondersendungen über detonierende Rohstoffe noch nicht genug hat, der kann sich in naher Zukunft seinen sozialpädagogischen Nachschlag vom Computer abholen.

Mein persönliches Hühnerprodukt der unverrückbaren Art verdanke ich Frogster. Die Mythos-Open-Beta ist gestartet und selbstverständlich wollte der olle Olnigg dabei sein. Flugs die Registrierungsseite aufgerufen. Von dort auf Account-Verwaltung… ein zweites Fenster mit den Login-Daten öffnet sich… falsches Passwort. Kein Problem… „PW vergessen?“ anklicken und E-Mail-Adresse für automatische Zusendung eingeben…

Ergebnis: „Passwort inaktiv“. Passwort inaktiv?! Was soll das heißen? Ist mein Passwort im Urlaub oder belastet es jetzt auch schon die Rentenkassen? Eine Zeile tiefer die Erklärung… „Das Passwort wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt! Mehr Information findest du hier.“ Ich klicke „hier“ an und entdecke Textmengen, die ich eigentlich nur bei Dostojewski erwartet hätte.

Nach sechs Minuten Lesen erfahre ich, dass die Passwortumstellung nicht mehr als fünf Minuten dauern wird und vor allem, dass ich im November letzten Jahres eine E-Mail bekommen „werde“ und ich dort einen Link anklicken müsse. Mangels E-Mail-Masse entscheide ich mich für einen anderen Link namens „Passwort Reset FAQ“. Das Glück scheint mir hold. Bereits die erste Frage lautet: „Ich habe die E-Mail nicht erhalten, was mache ich nun?“. Die zugehörige Antwort soll sich angeblich hinter einem weiteren Link verstecken… Fenster Nummer drei öffnet sich und… ich sehe darin dasselbe Login-Fenster, mit dem alles seinen Anfang nahm.

Liebe Freunde bei Frogster. Ostern ist nicht mehr weit und da ein friedliches Miteinander das Gebot der Stunde ist, werde ich ausnahmsweise auf die Nennung von 74 Beleidigungen verzichten. Stattdessen zwei gut gemeinte Ratschläge.

1. Alleine das bereinigende Schließen aller von euch geöffneten Fenster am Ende meiner Odyssee dauerte schon genauso lang wie bei Bigpoints Drakensang-Online-Beta die komplette Registrierung.

2. Solltet ihr euch über Ostern zu einsam auf euren Servern fühlen, dann liegt das garantiert nicht am Mundgeruch.

In diesem Sinne wünsche ich schöne Fei Eierleiertage und man liest sich wieder in 14 Tagen.

Olnigg