Wann immer Großunternehmen sich in einem vorteilhaften Licht präsentieren wollen, um zum Beispiel eine zurückliegende Massenvernichtung an Umwelt oder Fremdkapital zu entschuldigen, greifen sie zu einem sehr probaten Mittel: dem Tag der offenen Tür. Nichts stärkt die Kundenbindung und das Firmenverständnis mehr, als Einblick in bislang geheime Produktionsabläufe zu gewähren.

Da heute die Jubiläumsausgabe der hundertsten Glosse ansteht, erscheint es mehr als gerechtfertigt, die eingangs erwähnte Tradition börsennotierter Weltkonzerne aufzunehmen und einen Tag der offenen Kolumnentür durchzuführen. Doch wie begeht man einen Tag des offenen Olnigg? Andere Firmen haben es mit der Planung und Durchführung wesentlich einfacher. Bei EADS lässt man die Kleinsten vergnügt Panzerabwehrraketen abfeuern, im Schlachthof dürfen die Besucher fröhlich ein Schwein abstechen und die Stadtverwaltung lädt zum ausgiebigen Probeschlafen ein. Aber bei Olniggs Glosse?

Die Lösung ist sehr unspektakulär. Weil Olnigg ein Einmannunternehmen ist und die Produktionsabläufe hier zu hundert Prozent den Überlegungen der Firmenleitung entsprechen, seien im Folgenden erstmalig und schonungslos offen die Gedankengänge des Autors bei der Arbeit veröffentlicht. Werden Sie also jetzt Zeuge und Gedankenleser der höchst komplexen Gehirnaktivitäten von einer Person, der es bis heute hundertmal gelungen ist, sich den gesundheitlichen Verbesserungsvorschlägen der deutschen Psychiatrie erfolgreich entziehen zu können.

Olniggs Glosse - Ausgabe 100: Der offene Olnigg

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In Stöckelschuhen zum Kampfeinsatz.
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„Habe ich alles? Der grüne Tee dampft gemütlich in seiner Tasse. Telefon und Klingel sind mundtot gemacht. Die Haustiere liegen geknebelt und gefesselt im Keller. Ich denke, ich bin so weit. Dann wollen wir mal mit der Glosse Nummer 100 beginnen.

Wie wäre es zu dem feierlichen Anlass mit einem besonders umfangreichen Spielebericht? Was haben wir denn da so alles in der Warteschlange? TERA zum Beispiel. Aber ist das nicht wieder so ein Fernostprodukt, wo die Waffen so überdimensional wie die Frauenrüstungen spärlich sind? Moment, hatte ich da nicht ein paar Screenshots abgelegt… ja, hier … oje, da drückt es die weiblichen Milchfertigungsorgane aber wieder deftig aus der halb verdunsteten Plattenrüstung. Das zum Jubiläum? Ich weiß ja nicht.

Wie wäre es damit? Lord of Ultima, ein Browserspiel. Das hat zwar mit dem Original-Ultima so viel zu tun wie ein Stachelhalsband mit einem Verlobungsgeschenk und selbst für ein Strategiespiel kommt es so trocken wie ein Wasa-Knäckebrot nach einer Stunde Mikrowellenaufenthalt daher. Allerdings muss man sich in diesem PvP-Spiel den Waffenstillstand teuer im Item-Shop erkaufen. Über dieserart Scheckbuchfrieden könnte ich so richtig lustvoll ablästern. Apropos. Diese Blondine aus TERA von vorhin, die hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meiner neuen Nachbarin. Wie hieß dieser atmende Pornofilm noch gleich? Hmm… ich komm nicht drauf.

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Schwerter? Was für zwei Schwerter? Da sollen tatsächlich zwei Schwerter zu sehen sein?
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Aber verdammt! Ist Lord of Ultima nicht von Electronic Arts? Da heißt es wieder höchst vorsichtig sein. Hauptanzeigengeber mit gigantischer Rechtsabteilung. Vorsichtiges Textausfeilen ist Pflicht. Anstatt ‚Bockmist‘ muss es ‚vollverdauter Speiserest eines tierischen Bergbewohners‘ lauten. Bloß kein Fazit wie ‚abstoßend und Verstand tötend‘ verwenden, sondern besser von einem ‚Bohlen trifft Farmville‘ sprechen. Nein, das ist kein gutes Thema für heute. Das ist nicht gut. Gut? Gudrun! Genau, Gudrun heißt sie.

Die zu offene Tür

Nicht abschweifen! Das Spiel Xsyon wäre ein perfektes Hinrichtungsopfer. Kennt kein Mensch und wer es kennt, der wünscht sich, er hätte es nie kennengelernt. Allerdings ist das nur ein oberflächlicher Ersteindruck. Um mehr Fakten zu gewinnen, müsste ich noch jede Menge Zeit investieren. Extrazeit investieren für die Hundertste? Normalerweise bekommt der Jubilar etwas geschenkt, und so, wie ich den Garry von gamona kenne, rückt der dieses Jahr wieder keinen Dienstwagen raus. Ich konkurriere hier mit dem Stundenlohn eines vorpubertären Schuhfertigers aus Indien und der Herr Oberschlumpf gönnt seiner Jacht alljährlich ein Großsegel in wechselnder Farbe. Braun. Nein, dunkelbraun! Ja, ihre Augen sind so wundervoll dunkelbraun und jede Menge südländisches Temperament versprechend.

Reiß dich endlich zusammen! Denk jetzt nicht immer an das eine, sondern an das andere. Denk an Bomben, Tod und Vernichtung. Ja, genau. World of Tanks steht seit Unzeiten auf meiner To-do-Liste. Der Beta-Spielerandrang droht das zu einem sehr erfolgreichen Spiel zu machen, und da kann Olnigg doch nicht draußen bleiben. Aber ob das was für meine Leser ist? Das ist doch ein Widerspruch in sich - Menschen, die lesen können und gleichzeitig World of Tanks spielen. Ob Gudrun lesen kann? Aber wer erwartet schon bei dieser Konfektionsgröße irgendwelche Bildungsgrundlagen?

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Hätte sich die Dunkle Brut tatsächlich umbenannt, dann wäre sie so bestimmt siegreich geblieben.
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Verflucht noch mal. Stopp! Spiel, ich brauch ein Spiel. Die sind doch alle nichts für solch ein rundes Jubiläum. Rund wie Gudruns… Waaaah!!!! Wenn die da draußen wüssten, wie schwierig es ist, so eine Glosse zu schreiben. Ganz zu schweigen von so einer Jubiläumsnummer. Nummer? Woher kommt eigentlich die Redewendung ‚eine Nummer schieben‘? Verklemmter Mathematiker auf Brautschau? Was sagen dann Physiker? Darf ich dir meine Schwerkraft zeigen? Halt! Vielleicht sollte ich erst einmal eine Pause einlegen? Der Tee will mir auch nicht recht schmecken. Wie auch, wo mir die Zitronen ausgegangen sind? Ich könnte ja in der Nachbarschaft fragen. Ob Gudrun?

Es ist zum Verzweifeln! So wird das nie etwas! Und wenn ich nun doch TERA zum Thema mache? Ein paar begattungsermunternde Screenshots dazu und dann sind zumindest die männlichen Leser schon zufrieden. Nein, besser kein Sex in der Jubiläumsnummer. Sonst hält mich die Welt am Ende noch für eine dauergeile Bockwurst. Wenn die wüssten, was ich beim Schreiben so alles denke. Denken! Moment mal… da kommt mir eine ganz fantastische Idee für die Jubiläumsglosse.

Wie wäre es, wenn ich meine Gedanken zu Papier bringen würde? Das Ganze in eine Art Tag der offenen Tür verpackt. Ja, das könnte etwas werden. Am besten schreibe ich schnell alles auf, was ich bis jetzt gedacht habe, und schicke das Matthias zu. Die endgültige Version müsste ich dann natürlich noch um die pikanten Gedankengänge bereinigen, aber als erster Entwurf ist das schon gar nicht schlecht. Ich darf bloß nicht wieder mit den Gedanken abschweifen und muss unbedingt den Teil mit Oberschlumpf Garry weglassen. Der würde, um sich zu rächen, meinen Entwurf glatt so veröffentlichen, wie er ist. Nur wegen der paar bösen Worte über ihn. Böse Worte? Oh Gudrun, du dürftest für mich böse Worte ohne Ende verwenden. Und nicht nur Worte …“