Wenngleich Abschiede sich meist traurig und tragisch präsentieren, sollte man stets das Positive darin suchen. So mag zum Beispiel der Verlust großer Geldscheine dem ehemaligen Besitzer so manche Träne in die Augen treiben, zumal wenn es das Finanzamt ist, welches für den Ortswechsel des Zahlungsmittels verantwortlich zeichnet. Doch hellt sich die Stimmung des Beraubten sehr schnell wieder auf, sobald er erfährt, dass er dadurch eine Wohltat begeht, indem er einen griechischen Reeder vor dem Trauma einer erstmaligen Steuerzahlung bewahrt.

Heute ist für mich so ein Tag des Abschieds. Denn dies wird meine vorerst letzte Glosse sein, die ich für gamona.de erstelle.

Robert T. von der Betriebskantine gamona.de meint dazu: "Hey Tim, setzte heute Champagner auf die Menükarte. Ich habe so im Gefühl, dass uns bald keine Schokoriegel mehr aus dem Display neben der Kasse geklaut werden."

Bevor nun irgendwelche Spekulationen entstehen, ob eines Zerwürfnisses zwischen gamona.de und Olnigg, sei diesen gleich eine Abfuhr erteilt. Dies ist alleinig meine Entscheidung und sie wurde weder aus Frust oder Zorn heraus getroffen. Ganz im Gegenteil, ich verdanke gamona.de eine Menge schöner Erfahrungen, für die ich sehr dankbar bin.

Fritz E. vom Lektorat atmet auf: "Nie wieder elendig lange Schachtelsätze! Nie wieder grausame Wortkombinationen! Nie wieder willkürliche Grammatikinterpretationen! Das Leben hat endlich wieder einen Sinn und ich kann die Tranquilizer absetzen."

Inzwischen mache ich kein Geheimnis mehr daraus, dass ich seit zwei Jahren aktiv an einem Online-Spiel mitarbeite, welches im nächsten Frühjahr auf die Spielerwelt losgelassen werden dürfte. Hierbei handelt es sich zwar nur um ein kleines bescheidenes Casual-Game, aber gerade weil es über Aberhunderte und mehr Stunden meiner knapp bemessenen Freizeit entstanden ist, liegt es mir derzeit besonders am Herzen. Da nun langsam der Endspurt der Realisation beginnt, könnte ich gamona.de gegenüber weder die Beibehaltung der Qualität meiner Artikel noch die Verfügbarkeit zu genau dem gewünschten Zeitpunkt garantieren.

Grafiker Jens T. jubiliert: "Endlich keine verzweifelte Suche mehr nach passendem Bildmaterial für diese durchgeknallten Glossenthemen. Nie werde ich vergessen, wie ich ein ganzes Wochenende damit verbraten habe, das Bild eines Paukenzeichens zu finden. Nur damit mir dieses geistige Dämmmaterial dann am Montag eröffnet, es hätte einen Schreibfehler gemacht und ein Pausenzeichen gemeint."

Ich möchte keineswegs versäumen, mich bei gamona.de herzlich für die ausgezeichnete Zusammenarbeit der letzten Jahre zu bedanken. Dass ihr stets hinter meinem höchst subjektiven Genörgel gestanden habt, so manchen Streit mit euren Werbekunden durch mich zu erleiden hattet und trotzdem zu meiner Glosse gehalten habt, ist leider keine Selbstverständlichkeit in dieser Branche. Das alles kann ich euch nicht hoch genug anrechnen und selbst die löblichsten aller möglichen Worte wären immer noch eine Untertreibung. Wer meine Vergangenheit kennt, der weiß, dass dieserart Rückhalt an anderer Stelle nicht so gewesen ist. Daher meinen aufrichtigen Dank an gamona.de und mein Versprechen, dass, sollte ich wieder eine Heimat für eine Glosse suchen, ihr mein erster Navigationspunkt auf der Karte sein werdet.

Praktikantin Jane K. grübelt: "Olnigg? Woher kenne ich diesen Namen nur? War das nicht dieser hässliche Gnom, der mir permanent auf die Brüste gestarrt hat?"

Wer nun befürchtet oder auch erhofft, ich würde das Schreiben gänzlich beenden, der sei eines Besseren belehrt. Da ich mich kenne und deshalb so manchen spontanen Nörgelausbruch garantiert nicht ausschließen kann, werde ich meiner alten Homepage wieder etwas Leben einhauchen. Weil ich die bisherige Regelmäßigkeit aus den oben genannten Gründen aber nicht versprechen kann, wird dies wie in den Anfangsjahren meines Schaffens eine eher unregelmäßige Geschichte werden. Es mag daher nicht verwundern, dass ich mich nunmehr Twitter und Facebook anschließe und meine altmodischen Brieftauben zum Mittagessen degradiere.

Fritz C. aus der Personalabteilung mailt dem Jobcenter: "... suchen wir für eine unerwartet frei gewordene Stelle einen tippenden Affen, der im Rahmen einer Glosse zumindest minutenweise den Anschein von Können aufrechterhalten kann."

Das sollte es gewesen sein. Mein letzter Dank sei nicht nur den Entscheidungsträgern von gamona.de gewidmet, sondern ausdrücklich dem ganzen Team. Ihr leistet hervorragende Arbeit und habt mir eine ausgezeichnete Erinnerung beschert.

Das Gräfelfinger Börsenblatt berichtet: "... hat sich der Aktienkurs von gamona.de überraschend um 23,5 Prozent erhöht. Analysten führen dies auf das gesteigerte Interesse der Werbewirtschaft zurück, die seit dem Weggang ..."

Auf Wiedersehen und solche Sachen

Olnigg

P.S.: Es gibt da eine Praktikantin bei euch, deren Telefonnummer ich leider zu erfragen vergessen habe. Könnte mir da vielleicht jemand aus der Personalabteilung weiterhelfen?